So vorsichtig müssen Sie beim Einnehmen von Schmerzmitteln sein

Für den Fall der Fälle haben viele zu Hause ein rezeptfreies Schmerzmittel parat. Doch längerfristig sollten solche Medikamente auf eigene Faust und ohne ärztliche Kontrolle nicht eingenommen werden. Denn sie können Nebenwirkungen haben.

Im Kopf hämmert es, ein Zahn pocht, und der untere Teil des Rückens tut höllisch weh: Schmerzen will jeder so schnell wie möglich loswerden. Um gewappnet zu sein, haben viele ein Schmerzmittel zu Hause auf Vorrat. Präparate zum Beispiel mit Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac oder Ibuprofen sind oft ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Doch die Arzneimittel haben einen Haken: Auch wenn sie den Schmerz kurzzeitig ausschalten, seine Ursache bekämpfen sie nicht. Außerdem können sie nach der Einnahme auch Nebenwirkungen auslösen.

"In keinem Fall sollten rezeptfreie Schmerzmittel länger als drei Tage eingenommen werden"


"Es spricht nichts dagegen, wenn bei kurzzeitigen Schmerzzuständen ein ansonsten gesunder Patient auf eigene Faust eine Schmerztablette schluckt", sagt der Internist und Intensivmediziner Peter Walger. Bei anhaltenden Schmerzen ist das aber anders: "In keinem Fall sollten rezeptfreie Schmerzmittel in der Selbstmedikation länger als drei Tage hintereinander eingenommen werden", sagt Julia Richter, Vertreterin der pharmazeutischen Industrie.

Unterschieden wird zwischen akuten und chronischen Schmerzen. "Als chronisch werden solche Schmerzen bezeichnet, die seit mindestens drei Monaten regelmäßig auftreten und den betroffenen Patienten physisch, psychisch-kognitiv und sozial beeinträchtigen", erklärt Richter. Kehren Schmerzen immer wieder, dann ist es unabdingbar, mithilfe eines Arztes den Auslöser hierfür zu finden.

Gefahr einer Magenschleimhaut-Entzündung


Akute Schmerzen sind zum Beispiel eine Migräne-Attacke oder Zahnweh. In solchen Fällen greifen Betroffene nicht selten zu einem rezeptfreien Schmerzmittel. Vorübergehend und in Maßen ist das häufig kein Problem. "Bestimmte Schmerzmittel können jedoch unmittelbar eine Magenschleimhaut-Entzündung auslösen", erklärt Walger. Nach seinen Angaben ist daher bei einer unkontrollierten Einnahme das Risiko von Magenblutungen verdoppelt bis vervierfacht. Eine Magenblutung kann im schlimmsten Fall eine notärztliche Behandlung erforderlich machen. Anzeichen sind etwa das Ausscheiden von Blut über den Stuhlgang. Nicht selten bleiben Magenblutungen unentdeckt und können dann eines Tages Ursache von Eisenmangel und chronischer Blutarmut sein.

Es besteht außerdem das Risiko, dass die Nieren Schaden nehmen. "Auch steigt im Fall von Vorerkrankungen die Gefahr, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden", sagt Walger. Wer ohnehin Medikamente gegen bestimmte Krankheiten schluckt sollte bei längerer Einnahme von Schmerzpräparaten Rücksprache mit einem Arzt halten. Nicht ausgeschlossen ist außerdem, dass Schmerzmittel asthmatische Beschwerden verstärken können. Grundsätzlich sollte man die längerfristige Einnahme von verschiedenen Präparaten und die Einnahme von Mitteln bei Vorerkrankungen immer mit einem Arzt abklären.

Bei Kopfschmerzen hilft oft einfach Wasser


Ein weiterer Grund, weshalb man nicht unbedacht Schmerzmittel einnehmen sollte: Das Präparat entfaltet nicht unbedingt die gewünschte Wirkung. "So gelten Paracetamol, Ibuprofen oder ASS als Entzündungshemmer", erläutert Walger. Entzündungshemmer sind aber nicht selten bei Spannungskopfschmerzen oder Rückenschmerzen fehl am Platz. "Helfen kann in solchen Fällen oft eher Physiotherapie, sportliche Betätigung oder einfach ein Spaziergang an der frischen Luft", weiß die Psychologin Brigitte Gudra. Bei Kopfschmerzen hat es oft schon eine wohltuende Wirkung, ausreichend zu trinken - etwa stilles Wasser.

 

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