So viele Männer geben wirklich zu, sexuell belästigt zu haben

Männer geben nicht gerne zu, dass sie sexuell übergriffig waren. Das zeigt auch eine neue Studie.

Eine Sache, die nach der #metoo-Bewegung sehr deutlich geworden ist: dass es offenbar viel mehr Opfer als Täter gibt. Denn die Täter geben natürlich öffentlich nicht gerne zu, dass sie übergriffig waren (außer den wenigen, die unter dem Hashtag #IHave ihre Taten gestanden haben).

Fakt ist aber: die Anzahl der Opfer ist drei Mal so hoch wie die Zahl der Täter, die ihre Taten zugeben. Aber warum ist das so? Gibt es wirklich eine kleine Anzahl von Männern, die alle sexuellen Übergriffe begehen? Wohl eher nicht. Eine neue Studie im Journal of Interpersonal Violence gibt jetzt einige Einblicke in die Hintergründe dieser Diskrepanz.

Die ForscherInnen haben 93 Männer zu ihrem sexuell gewalttätigen und aggressiven Verhalten gegen Frauen befragt. Alle Männer waren zwischen 18 und 30 Jahre alt, heterosexuell, und unverheiratet.

Per Zufallsprinzip wurden die Befragten zwei verschiedenen Befragungstechniken zugeordnet: eine Hälfte machte die Umfrage unter normalen Bedingungen, die andere war an ein Gerät gebunden, das sie für einen Lügendetektor hielten. Diese Methode wurde schon in früheren Studien erfolgreich angewandt.

Es wurden daher keine echten körperlichen Reaktionen gemessen, das Gerät sollte nur für mehr Ehrlichkeit sorgen. Und das scheint geklappt zu haben. Während ungefähr gleich viele Männer bei beiden Umfragen angaben, verbal übergriffig geworden zu sein (z.B. eine Frau verbal unter Druck gesetzt zu haben, Sex zu haben), war die Zahl der zugegebenen sexuellen Übergriffe wesentlich niedriger bei den Befragungen ohne "Lügendetektor".

6,5 mal ehrlicher, wenn ein Lügendetektor im Spiel ist

Die konkrete Zahl: bei den "Lügendetektor"-Befragten war die Wahrscheinlichkeit ganze 6,5 mal höher, dass sie illegale sexuelle Übergriffe zugaben (körperliche Gewalt zum Beispiel).

Doch die ForscherInnen warnen davor, daraus repräsentative Schlüsse zu ziehen, da das Sample sehr klein war. Außerdem sollten in zukünftigen Studien mehrere Formen der sexualisierten Gewalt differenzierter berücksichtigt werden. Trotz allem zeigt die Studie klar: Männer unterbewerten ihre sexuellen Übergriffe (absichtlich oder nicht) in Umfragen - was den großen Unterschied zwischen selbst-identifizierten Opfern auf der einen und wenigen Tätern auf der anderen Seite ein wenig besser begreifbar macht.

 

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