So viel Body-Shaming passt auf ein Kinderfilm-Plakat

Die Werbekampagne für eine animierte Adaption von "Schneewittchen" ist ordentlich nach hinten losgegangen!

Kinderfilme, speziell jene aus Hollywood, haben einen besonderen Platz in unserem Herzen - gleichzeitig müssen wir hinterfragen, was sie kleinen Mädchen in Sachen Rollenbilder vermitteln: Frauen sind schön und werden gerettet. Erst in jüngerer Zeit brechen Filme wie "Vaiana" diese Klischees auf. Eine demnächst erscheinende Adaption des Märchenklassikers "Schneewittchen" spricht zwar die Unterschiedlichkeit von Frauen an, aber hat sich noch vor Filmstart ins Aus geschossen.

Eine verpatzte Chance, Rollenklischees aufzubrechen

"Red Shoes and the 7 Dwarfs" hätte die Chance gehabt, das klassische "Schneewittchen" mit weniger stereotypen Darstellungen aufzufrischen. Aber schon alleine der Trailer lässt ganz genau das Gegenteil vermuten. Am vergangenen Dienstag hat Model Tess Hollidaydann auch noch das Filmplakat gepostet, dass ein sehr schlankes Schneewittchen neben einer "kurvigeren Version" zeigt. Der Text dazu: "Was, wenn Schneewittchen nicht länger schön und die 7 Zwerge nicht länger klein wären?"

Die indirekte Botschaft, wie sie auch Tess Holliday kritisierte: "nicht länger schön" und "dick" stehen hier für dasselbe. Schneewittchen verliert ihre Attraktivität, sobald sie ein paar Kilo mehr auf den Hüften hat. Das Plakat impliziert, dass die Frau, die eben noch eine Augenweide war, plötzlich eher abstoßend und hässlich ist - und zwar allein wegen ihrer Größe und Figur. Ist das die Botschaft, die wir kleinen, leicht beeinflussbaren Kindern vermitteln wollen?


Steigerungsstufe 2 im Body Shaming: Der Trailer

Es geht noch schlimmer: Im Trailer zum Film sieht man zwei Zwerge, die Schneewittchen ohne sein Wissen beobachten (das ist ein anderes Problem, mit dem wir noch gar nicht angefangen haben), und aufgeregt darauf warten, dass es sich ganz auszieht. Aber als es das tut, zeigt sich sein wahrer, vollerer, kurvigerer Körper. Die Zwerge reagieren - jetzt kommt's - entsetzt! Und die Botschaft ist klar: Dick ist hässlich.

Es ist eine erschreckende Vorstellung, dass der Wert einer Frau auf unrealistische, zerstörerische Standards reduziert wird, etwa, dass "dünn" besser ist als "dick". Dass Körpergröße irgendeine Indikation für Attraktivität oder die gebührende Wertschätzung eines Menschen ist. Dass Frauen nur dann begehrenswert sind, wenn sie super schlank sind, so wie Schneewittchen "früher war".

Stellungnahme der Filmproduzenten: Werbekampagne gestoppt

Sujin Hwang, einer der Verantwortlichen bei Locus Studios, dem Produzenten von "Red Shoes and the 7 Dwarfs", erklärte gegenüber der Websitebustle.com:

"Als Produzent des Films möchte sich die Lotus Corporation für die ersten Elemente der Marketing Kampagne (in Form des Plakats und des Trailers) entschuldigen, wir haben realisiert, dass diese einen gegenteiligen Effekt hatten zu dem, was beabsichtigt war. Unser Film, eine Familienkomödie, trägt eine Botschaft, die soziale Vorurteile der Gesellschaft in Bezug auf körperliche Schönheit durch die Betonung der inneren Schönheit herausfordern will. Wir schätzen die konstruktive Kritik und danken jenen, die uns darauf aufmerksam gemacht haben. (...)"

Auch Schauspielerin Chloe Grace Moretz, die der Hauptfigur im englischen Original ihre Stimme leiht, bezog Stellung und zeigte sich angesichts der Marketing-Kampagne schockiert:

 

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