So verändert sich das Gehirn von Frauen nach sexueller Gewalt

Sexuelle Gewalt kann beträchtliche Auswirkungen auf die Lernfähigkeit der betroffenen Frauen haben.

Jede fünfte Frau in Österreich ist zumindest einmal in ihrem Leben von körperlicher und/oder sexueller Gewalt bedroht gewesen. Auch wenn sexuelle Gewalt so allgegenwärtig ist, beschäftigt sich unsere Gesellschaft jedoch noch immer sehr wenig mit den Auswirkungen dieser Gewalt auf die betroffenen Frauen.

"Es hat mich einen riesigen Kraft- und Zeitaufwand gekostet, mein Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Und zu lernen, dass nicht alles, was kaputt ist, auch weniger schön oder wertvoll ist", schrieb etwa die junge US-Amerikanerin Amy-Lee Goodman an ihren Vergewaltiger.

Sexuelle Gewalt hat Auswirkungen auf das Gehirn

Zusätzlich zu den psychischen Traumata, die Frauen erleben, hat eine Studie nun herausgefunden, dass auch das weibliche Gehirn verändert werden kann. Der Bericht aus dem Magazin Scientific Reports stellt fest, dass sexuelle Aggression Lernprozesse zerstören kann - von der Pubertät bis hin ins junge Erwachsenenalter.

Die ForscherInnen benutzten dabei ein Modell namens SCAR (Sexual Conspecific Aggressive Response), bei dem geschlechtsreife weibliche Ratten entweder mit einer erwachsenen männlichen Ratte, einer weiblichen Ratte oder alleine für 30 Minuten am Tag in einen ihnen nicht vertrauten Käfig eingesperrt wurden. Wurden sie mit erwachsenen männlichen Ratten eingesperrt, wurden die geschlechtsreifen weiblichen Ratten von ihnen aggressiv bestiegen und niedergehalten, während sie versuchten zu fliehen.

Das ForscherInnenteam fand heraus, dass die geschlechtsreifen weiblichen Ratten nicht nur immensen Stress erlebten, wenn die männlichen Ratten versuchten, sie festzuhalten, es fand auch eine Störung in ihrem Lernverhalten statt, wie etwa beim Kümmern um den Nachwuchs.

Später wollten sie ihren Nachwuchs nicht pflegen

Wenn sie zum Beispiel mit ihren Neugeborenen zusammengetan wurden, haben die weiblichen Ratten, die mit männlichen eingesperrt waren, ihren Nachwuchs 17 Tage lang nicht geputzt und gepflegt. Diese Ratten behielten außerdem weniger neu generierte Zellen in ihrem Hippocampus, einer Gehirnregion, die für das Gedächtnis und Lernverhalten enorm wichtig ist.

Auch wenn das Verhalten von Ratten nicht 1:1 auf Menschen übertragen werden kann, stellt die Studie fest: "Frauen, die in ihrer Kindheit sexueller und/oder körperlicher Gewalt ausgesetzt waren, leiden oftmals unter Posttraumatischen Belastungsstörungen, die mit dem Volumen-Rückgang des Mandelkerns und Hippocampus assoziiert werden, und weiter auch an Lerndefiziten."

Diese Ergebnisse beweisen einen Zusammenhang zwischen sexuellen Traumata und psychischer Gesundheit. Doch die AutorInnen weisen darauf hin, dass nicht jede Frau, die sexuelle Gewalt erlebt hat, weniger fähig dazu sei, mütterliche oder andere Verhaltensweisen zu erlernen. Trotz allem müsse man die psychischen Folgen und körperlichen Veränderungen von sexueller Gewalt auf Frauen viel eingehender untersuchen, um Frauen auch dabei zu helfen, sich davon zu lösen.

 

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