So sieht die Sexualerziehung der Zukunft in Frankreich aus

Mit einer Klitors-Skulptur versucht eine Französin, Sexismen aus dem Aufklärungsunterricht zu verbannen.

In Frankreich gibt es jetzt die erste anatomisch korrekte, 3D-druckbare Klitoris. Sie wird hoffentlich die Sexualerziehung reformieren und weibliche Sexualität weiter ins Zentrum rücken. Ab September wird sie in französischen Schulen verwendet.

Klitors: Der männliche Penis

Von der Skulptur werden die Schüler und Schülerinnen lernen, dass die Klitoris aus demselben Gewebe wie ein Penis gemacht ist. Sie besteht aus Schwellkörperschenkeln, Klitoriseichel und Klitorisvorhaut. Der einzige Unterschied zwischen Klitoris und Penis ist, dass die klitorale Erektion intern passiert, außerdem ist das Erektionsgewebe länger.

Es ist wichtig, dass Frauen ein Bild davon haben, was in ihrem Körper passiert, wenn sie erregt sind", hat die Entwicklerin der Skulptur, Odile Fillod dem Guardian erzählt. "Wenn Frauen die Rolle der Klitoris verstehen, schämen sie sich nicht, wenn vaginaler Verkehr für sie nicht funktioniert. Laut Anatomie-Statistik ist das bei den meisten Frauen der Fall.

Wichtig ist auch zu verstehen, dass das Equivalent zum Penis nicht die Vagina, sondern die Klitoris ist. Frauen haben auch Erektionen wenn sie erregt sind. Da sie sich aber großteils im Inneren des Körpers abspielen, sieht man sie nicht. "Ich will zeigen, dass Männer und Frauen nicht so fundamental unterschiedlich sind", so die Entwicklerin.

Sexualerziehung ist sehr männlich geprägt

Fillod hat auch schon an einer anti-sexistischen Web-Serie gearbeitet, um eine Alternative zu den mit Sexismen gefüllten Aufklärungsschulbüchern zu kreieren. Das mit Gleichberechtigung im öffentlichen Leben betraute Institut "Haut Conseil à l'Egalité" hat in einem Bericht veröffentlicht, dass Aufklärungsunterricht gefüllt mit sexistischen Vorurteilen ist. So steht zum Beispiel, dass Burschen sich auf geschlechtliche Sexualität fokussieren, während Mädchen mehr "Wert auf Liebe" legen.

Fillod hofft, dass Ärzte und Lehrer ihre Skulptur verwenden werden, um über den weiblichen Körper und weibliche Sexualität zu lehren. "Frankreich hat den Ruf, ein sexuell aufgeschlossenes Land zu sein, aber sehr oft geht es nur um männliche Sexualität." Allerdings hat sie gute Hoffnungen für die Zukunft: "Hoffentlich fangen Frauen an, mehr zu experimentieren, wenn sie verstehen, dass auch sie ein Erektionssystem haben. Sie werden verstehen, dass Lust nicht einfach irgendeine Magie ist, die nur ein Partner geben kann."

 

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