So riecht "Alaïa Paris" von Azzedine Alaïa

Wie riecht Wasser, das über heiße Steine fließt? Als Parfümbestandteil seltsam, aber höchst interessant.

Wahrscheinlich das seltsamste und interessanteste Parfüm dieses Herbstes. Der tunesische Modeschöpfer wünschte sich von Parfümeurin Marie Salamagne einen Duft, der so riecht wie Wasser, das über die heißen Ziegelsteine seiner Heimat rinnt. Über das Ergebnis muss man erst mal nachdenken, denn was da aus dem Flakon strömt, hat die Welt tatsächlich noch nie gerochen. Lassen Sie sich nicht von der orientalisch schwarzen Flasche täuschen. Das hier ist keiner der üblichen fruchtig floralen – ach wie bin ich nicht sexy- Orientalen. Alaïa Paris ist spröde und ganz und gar nicht süß. Es hat keine schmeichelnde „Kauf mich ich bin so toll Kopfnote.“ Es beginnt ganz dezent. Als würde es flüstern. Und es hat einiges zu erzählen. Mal riecht es kühl salzig mineralisch, dann wieder etwas wärmer nach Veilchen und Leder. Es hat keinen klassischen Aufbau, sondern überrascht mit schrägen Akkorden, die sich plötzlich entfalten und verwandeln, aber dabei nie wirklich laut werden, sondern immer eine gewisse Distanz bewahren. Man muss es mehrmals tragen, bevor man es überhaupt begreift. Das Konzept ist interessant und erinnert an einen Nischenduft. Größtes Manko: die Haltbarkeit. Der Duft hat meinen Pendlertest nicht bestanden. Ich habe Alaïa Paris in Bad Tatzmannsdorf aufgesprüht, in Vösendorf war es kaum mehr wahrzunehmen. Schade, aber die nächste Intensiv -Variante kommt bestimmt.

 

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