So reagierte das Netz auf unseren Goldenen Penis

Die größten Sexisten des Jahres 2015 wurden erstmalig gekürt. Naturgemäß löste das einige Reaktionen aus.

Wir hatten ehrlich gesagt mit Schlimmem gerechnet, als wir das Ranking zum Sexisten des Jahres 2015 vorbereitet haben. Wenn wir Sexismus anprangern, bekommen wir oft konstruktive Kommentare wie "Geh bitte", es heißt, wir wären "spaßbefreit" und es kommt auch ganz viel von der Sorte "man wird doch wohl noch dürfen". Es gibt ganz viele Menschen da draußen, die aus irgendeinem Grund befürchten, dass Medien, die sexualisierte Darstellungen von Frauen kritisieren, auch verbieten wollen, dass Männer Frauen die Türe aufhalten. Das scheint irgendwie ins selbe Weltbild zu gehören. Leider darf die Wienerin-Redaktion grundsätzlich sehr wenig verbieten, aber aufgehaltene Türen wären wohl nicht unsere oberste Priorität. Wir haben ziemlich viel Spaß in der Redaktion, aber wir können über Witze, die keine nackten Frauen beinhalten, einfach mehr lachen.

Nachdem wir diesmal aber nicht Müllermilch oder willkürliche Männer, die einem auf der Straße nachrufen, kritisiert haben, hat das Ganze ein bisschen weitere Kreise gezogen. Ja, da war auch ein potenzieller Bundespräsidentenkandidat auf der Liste. Und ein Nationalratsabgeordneter. Einige sind das erste Mal darauf aufmerksam geworden, dass unsere Blattlinie nicht einem typischen Lifestyle-Magazin entspricht. Uns ist Politik, Gleichberechtigung und die mediale Darstellung von Frauen wichtig. Für uns schließt es sich nicht aus, über Make-Up-Tipps oder Sex-Positionen zu schreiben, und im nächsten Atemzug die oberösterreichische Landesregierung oder Flüchtlingspolitik zu kommentieren. Deswegen haben wir eine Serie über Jungpolitikerinnen und stellen regelmäßig männliche Feministen vor. All das hat im Leben einer Frau (und wir sind nun mal ein Frauenmagazin) Platz und es wäre ziemlich kleinkariert, einem Medium aufgrund von Beauty- oder Sexartikeln die Legitimation abzusprechen, über Sexismus zu schreiben. Wir bemühen uns, bei jedem einzelnen Artikel bedacht zu schreiben und eigene Voreingenommenheiten zu reflektieren. Kritik an weiblichen Körperbildern, die nicht Idealen entsprechen, wird man bei uns nicht finden, und auch bei Sexpositionen versuchen wir heteronormative Ideale aufzubrechen und Frauen zu ermächtigen.

Die schönsten Reaktionen waren für uns natürlich diese:

Privat haben wir noch mehrere Nachrichten bekommen, dass LeserInnen überrascht waren, was wir für gute Artikel machen, und dass wir tatsächlich sehr leiwand sind.

Eine Leserin meinte, unser Ranking und das Penis-Symbol wären sexistisch. Wir finden hingegen, dass viel Sexismus in Österreich unkommentiert bleibt und ein Aufschrei und öffentlicher Diskurs oft fehlt bzw. schnell abflacht. Durch unser Ranking versuchen wir, das Problem eines öffentlich und selbst im Nationalrat geduldeten Sexismus zu einer Priorität in der öffentlichen Debatte zu machen.

Ein Großteil der Reaktionen war positiv, viele haben das Ranking auf Twitter geteilt.

Unsere vage Begründung für Erwin Pröll auf Nummer 8 wurde nur teilweise gut aufgenommen. Wir finden es noch immer ziemlich lustig.

Einige fanden es zumindest bemerkenswert, dass ein möglicher Bundespräsidentenkandidat unter der Reihung ist.

Viele haben sich am gewählten Penis-Symbol gestoßen, unter anderem der Platz 1 unserer Sexisten und die größte Twitter-Kritikerin der Wienerin.

Wir sind uns nicht ganz sicher, was Marcus Franz uns hier unterstellt. Penis-Neid? Vergewaltigungsfantasien?

So richtig treffen tut uns der Franz'sche Vorwurf der Unterlegenheit nicht. Wir sind emfpindlicher auf Vorwürfe von Feministen.

Versuchte Erklärungsversuche hat die Dame ignoriert, statt dessen nochmal draufgehauen.

Es schmerzt uns, von Feministinnen der Heuchelei beschuldigt zu werden, aber wer sich näher mit der WIENERIN beschäftigt hat, weiß, wofür wir stehen.

Das Phallus-Symbol, das normalerweise Männer ermächtigt und deren Selbstbewusstsein repräsentiert, würden wir jederzeit wieder als Sexismus-Symbol aneignen.

 

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