So mussten sich Lehrerinnen vor 100 Jahren noch unterwerfen

Ein wahnwitziger Verhaltenskodex für Lehrerinnen aus 1915 beweist, wie wichtig die Gleichstellung der Geschlechter wirklich ist.

Sich züchtig kleiden, mindestens zwei Unterröcke tragen. Das Klassenzimmer putzen und wischen. Sich in der Öffentlichkeit keinesfalls mit einem fremden Mann sehen lassen - das sind nur einige der absurden Regeln, denen sich Lehrerinnen zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch unterwerfen mussten.

Auf Reddit ist ein Verhaltenskodex aus dem Anstellungsvertrag der Stadt Zürich aus 1915 aufgetaucht:

Verhaltenskodex für Lehrerinnen aus 1915

Ob das Dokument tatsächlich echt ist, lässt sich schwer sagen. In den sozialen Medien taucht das Papier immer wieder auf und wird heftig diskutiert und geteilt. Der Spiegel Online hat schon vor einem Jahr mit Andreas Hoffmann-Ocon, dem Leiter des Zentrums für Schulgeschichte an der Pädagogischen Hochschule Zürich, gesprochen. In seinen Recherchen habe er einen solchen Vertrag im Original noch nie gesehen.

Hoffmann-Ocon betont aber, dass das Regelwerk nicht völlig unplausibel sei. Wegen des ersten Weltkrieges herrschte 1915 in der Schweiz ein akuter Lehrermangel, die Männer waren eingezogen worden, um die Grenze zu schützen. Zahlreiche Frauen hätten sodann den Lehrberuf ergriffen. "Die Konkurrenz war groß und die Schulbehörden konnten es sich leisten, schärfere Bedingungen zu diktieren," erklärt der Historiker. Der verbotene Umgang mit Männern sei wohl auf die Angst vor Sittenverfall und Kontrollverlust zurückzuführen.

"Offiziell wollte man unverheirateten Frauen den Vortritt lassen, weil sie noch von keinem Mann versorgt wurden," sagt Hoffmann-Ocon. Ab der Heirat war es nämlich sowieso aus mit dem Berufsleben.

 

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