So macht ihr Schluss mit Aufschieben

Wer seine Lebensziele und Wünsche immer nur verschiebt, wird unglücklich und frustriert. Damit das nicht passiert, muss man eber erst mal aus seiner Komfprtzone raus. Wir fragten eine Mentaltrainerin, wie das geht.

Irgendwie warten wir doch immer auf den richtigen Zeitpunkt. Um endlich den Beruf zu machen, den wir wirklich machen wollen. Um endlich das Haus bauen, in dem wir leben wollen. Oder die Weltreise durchzuziehen, die wir uns schon immer gewünscht haben. Dabei wissen wir: den genau richtigen Zeitpunkt gibt es eh nicht. Wir haben die Mentaltrainerin Hana Schindler (hanasinspiration.at) gefragt, wie wir aus dem Warten rauskommen und anfangen können, unsere Ziele anzugehen.

Frau Schindler, brauchen wir im Leben Ziele oder lebt es sich leichter ohne?

Hana Schindler: Ziele basieren auf Wünschen, Träumen und Visionen, die unserem Leben Sinn geben und uns wachsen lassen. Wir gestalten unser Leben selbst und warten nicht darauf, dass wir aus heiterem Himmel glücklich werden.

Warum schieben wir unsere Lebens­ziele dann immer wieder auf?

Sich Ziele zu setzen erzeugt in vielen ein Unwohlsein, weil sie Angst vor dem Scheitern haben und wissen, dass sie ihre Komfortzone aufgeben müssen. So verlassen wir uns auf äußere Umstände und leben nicht so, wie wir es uns wünschen. Übrigens: Erfolgreiche Menschen scheitern häufiger als erfolglose. Sie sind nicht unbedingt besser in dem, was sie tun, sondern besser im Weitermachen und Wiederaufstehen.

Warum sollten wir es lieber früher angehen, statt auf den richtigen Moment zu warten?

Je länger wir kontraproduktive Gedanken haben, desto mehr verankern wir sie im Unterbewusstsein. Die Ausreden werden mit dem Alter mehr, und irgendwann resi­gnieren wir, werden unzufrieden und machen immer mehr faule Kompromisse.

Die Ausreden werden mit dem Alter mehr, und irgendwann resi­gnieren wir, werden unzufrieden und machen immer mehr faule Kompromisse.

Und wie kommen wir aus der Komfortzone raus?

Indem wir unsere Gewohnheiten ändern. Für unser Gehirn gibt es aber kaum etwas Schwierigeres, als Gewohnheiten ­abzulegen. Schuld daran sind die Belohnungsstoffe, die unser Gehirn jedes Mal ausschüttet, wenn wir wie gewohnt handeln. Durch diesen Autopiloten wird Energie gespart – stellen Sie sich vor, Sie müssten jedes Mal nachdenken, wie Sie die Tür aufmachen oder Ihre Zähne putzen. Übrigens: Der Autopilot in uns unterscheidet nicht zwischen guter und schlechter Gewohnheit. Er kennt kein richtig und kein falsch.

Und wie ändere ich Gewohnheiten?

Wenn wir unsere neue Gewohnheit in­stallieren wollen, sollten wir sie mit einer Belohnung – also der Vorstellung des erreichten Ziels – assoziieren. Zusätzlich können wir die alte Gewohnheit mit dem unzufriedenen Zustand verbinden. Der effektivste Tipp von mir ist permanente Begeisterung, ständiger Fokus auf das Ziel in Form von Vision-Boards: mentale und echte Bilder von meinem Ziel, etwa Fotos am Handy. Das Unterbewusstsein lernt durch Wiederholung, durch Bilder und durch Emotionen. Auch ein Morgenritual kann hilfreich sein.

Unser Unterbewusstsein lernt durch Wiederholung, durch Bilder und Emotionen.

Wie könnte so ein Morgenritual aussehen?

Die meisten Menschen stellen den Wecker und hetzen dann los: „Okay, da gibt es jenes Problem und diesen Termin, und das muss ich noch erledigen!“ Wir neigen dazu, eher über Probleme zu sprechen als über gute Sachen. Ein Morgenritual könnte also so aussehen, dass man sich vornimmt, sich in der Früh 15 Minuten zu gönnen und bewusst dieses Visualisieren von dem, was man sich wünscht, zu machen – und es ist nachgewiesen, dass das funktioniert. Aber es reicht nicht, wenn man dieses Ritual einmal in der Woche macht. Es muss quasi wie Zähneputzen werden, sodass man das jeden Tag automatisch tut.

Und wie kann ich sehr ressourcenaufwendige Ziele im Alltag unterbringen?

Aussagen wie „Ich habe keine Zeit“ sind Ausreden. Jeder macht wertlose gewohnte Aktivitäten, auf die er verzichten und somit Zeit für seine Ziele gewinnen kann – also zu gewissen Sachen Nein sagen, etwa zu TV-Serien oder dem ständigen Checken von Facebook und Mails. Weniger shoppen, bewusste Ruhephasen einbauen und zu zeitaufwendiger Berieselung Nein sagen – um zu unseren Zielen Ja sagen zu können!

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