So killst du dein Liebesleben - und merkst es nicht einmal

Oder: Warum ein Stromausfall manchmal ein Segen ist.

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Was haben der große Stromausfall in New York City im Jahr 1965, das Oklahoma City Bombing in 1995, die Terrorangriffe in NYC am 11. September 2001 und die tropischen Stürme in Florida in 2004 gemeinsam? Die Presse in den USA berichtete jeweils etwa neun Monate nach diesen Ereignissen von steigenden Geburtenzahlen. Tatsächlich gibt es Studien, die einen Zusammenhang zwischen einem Anstieg der Geburtenrate und Katastrophensituationen fanden, andere wiederum konnten keine Verbindung herstellen.

Eines ist jedenfalls klar: Ist der Strom weg, haben auch Internetzugang, Laptop und Handy Pause. Stattdessen kommen Kerzen und Taschenlampen zum Zug und Menschen müssen plötzlich wieder miteinander interagieren - auch körperlich.

Bei Netflix fehlen die Werbepausen, das Internet steht 24/7 zur Verfügung. Unser Leben ist voll mit digitalen Ablenkungen, immer griffbereit auf unseren mobilen Geräten. Statt das Smartphone abzudrehen, drehen wir den Kontakt zu unseren Partner*innen ab.

Es wäre nicht das Jahr 2020, wenn es für dieses Verhalten nicht auch einen Namen gäbe: "Phubbing" oder "die Praxis, Mitmenschen zu ignorieren und stattdessen zum Smartphone oder anderen mobilen Geräten zu greifen".

"Heute nicht, Schatz, ich hab so Netflix"

Vor allem das Online Streaming von Serien und Filmen gilt als größer Lustkiller unserer Zeit. Eine Studie aus dem Jahr 2017, die im US-Journal Archives of Sexual Behavior veröffentlicht wurde, kam zum Schluss, dass US-Amerikaner*innen dank Netflix und Co. weniger Sex haben. Die führende Autorin der Studie, Dr. Jean Twenge, verglich die alten Tage des linearen Fernsehens und seinen Werbeunterbrechungen mit den heutigen non-stop Streamingdiensten. In einem Artikel im Wall Street Journal meinte sie: "Wenn Sie heute eine Serie streamen, ist die nächste Folge unmittelbar danach verfügbar, und es gibt keinen Werbeblock, während dem man zur Seite schaut und sagt: 'Schatz, du siehst süß aus heute'."
Im Artikel wird auch eine 36-jährige Studienteilnehmerin zitiert: "Wir machen es uns mit unseren Decken gemütlich, dazu ein Glas Wein, und es endet für gewöhnlich damit, dass eine*r von uns einschläft."

"Netflix, Instagram oder Prime?" - "Wie wär's mal mit Sex?

Wir haben es uns mit unseren Smartphones und Social Media Accounts und Streamingdiensten so gemütlich gemacht, dass wir glauben, es läge uns dadurch die Welt zu Füßen. Tatsächlich sollten wir endlich unseren Hintern hochkriegen und nicht nur von der Couch aufstehen, sondern auch, um uns umzuschauen: Welche Bedürfnisse habe ich, hat mein*e Partner*in, unsere Beziehung?

Ja, dafür muss man sich Zeit nehmen und manchmal fühlt sich's ganz schön anstrengend an. Ziemlich sicher wird sich die Mühe lohnen, versprochen.

 

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