So katastrophal reagierte der ÖSV auf Missbrauchsfälle

Letzte Woche verlangte der ÖSV von Nicola Werdenigg noch eine Namensnennung zu den Missbrauchsvorwürfen, jetzt relativiert ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

Die ehemalige Ski-Rennläuferin Nicola Werdenigg machte vor einer Woche im STANDARD massive sexuelle Übergriffe und Gewalt und eine Vergewaltigung durch einen Teamkollegen öffentlich. In der ZIB 2 sprach sie ein paar Tage später von einem weiteren Übergriff im ÖSV-Team im Jahr 2005, von dem sie wisse und von dem auch das ÖSV-Führungspersonal in Kenntnis gesetzt worden war - ohne Folgen.

ÖSV stellte Werdenigg ein Ultimatum

Die Tiroler Tageszeitung berichtete darauf, dass ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel ein juristisches Nachspiel wegen übler Nachrede andenke. Der ÖSV schrieb Werdenigg einen Brief und forderte sie auf, bis Ende November Namen zu nennen. Für Viele klangen diese Forderungen mehr nach einer Drohung. Anstatt auf Werdeniggs Berichte einfühlsam zur reagieren, flüchte sich der ÖSV in eine Täter-Opfer-Umkehr.

Im Gespräch mit dem STANDARD beschwichtigt Schröcksnadel am Sonntag: "Wir haben nie mit Klage gedroht." Im Brief habe man Werdenigg sehr freundlich um Namensnennungen zum Vorfall aus 2005 gebeten, ein Ultimatum sei er nicht gewesen. "Aber wenn sie nicht sagt, wer den Übergriff begangen hat, können wir nichts unternehmen. Wir wollen proaktiv handeln. Wenn sich da etwas bestätigt, fliegt derjenige sofort hinaus. Aber das Problem ist ja, dass so eine ganze Gruppe diskreditiert wird."

Staatsanwaltschaft ermittelt, ÖSV sieht keinen Handlungsbedarf

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt inzwischen gegen Unbekannt. Schröcksnadel sieht das positiv, entweder werde so "der faule Apfel gefunden, oder es kommt heraus, dass es keinen faulen Apfel gegeben hat." Über weitere Schritte denke der ÖSV nicht nach. "Der Staatsanwalt ermittelt ja eh", sagt Schröcksnadel.

Er betont, dass der ÖSV die LäuferInnen frühestens ab dem Alter von 16 oder 17 Jahren betreue. Für Vorfälle in Vereinen, Schulen oder Internaten sei man nicht zuständig. Das Land Tirol hat unterdessen eine Erstanlaufstelle für frühere Opfer von Übergriffen in Landeseinrichtungen eingerichtet. Ehemalige InternatsschülerInnen des Skygymnasisums Stams und der Skimittelschule Neustift können sich an Werktagen von 9:00 bis 11:30 per Telefon unter 0512 / 508 37 95 melden.

Laut STANDARD haben sich in Neustift schon mehre ehemalige SchülerInnen gemeldet und Werdeniggs Schilderungen bestätigt.

 

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