So geht es Müttern, die nicht stillen können oder wollen

Eine aktuelle Studie aus Island beschäftigt sich mit dem Druck auf Mütter, stillen zu müssen.

Stillen ist noch immer ein gesellschaftlich heiß umkämpftes Thema: von Frauen, die in der Öffentlichkeit stillen, bis hin zu jenen, die nicht stillen können oder wollen - jeder hat eine Meinung dazu.

Wie es um die gesellschaftliche Debatte rund ums Stillen wirklich steht, hat die Soziologin Sunna Símonardóttir von der University of Iceland kürzlich untersucht. Die Studie, die im The Sociological Reviewveröffentlicht wurde, hat sich angesehen, wie dominante Diskurse über das Stillen mit der Vorstellung vom "guten Muttersein" zusammenhängen. In 77 Interviews erzählten Frauen, warum Stillen für sie zum Problem wurde.

Wenn die Brust nicht das Beste ist

Island gehört zu den Ländern mit sehr hoher Stillrate, Frauen würden unter einem großen Druck stehen, stillen zu müssen, so die Autorin. Mütter, die dem Baby das Fläschchen geben, werden nicht gern gesehen, besagt die Studie - und sie hätten auch ein schlechtes Gewissen. Die befragten Mütter haben das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen und beim Muttersein zu versagen. Die Formulierung, das Stillen "aufzugeben" würde das bereits implizieren.

Frauen, die nicht stillen, haben laut Studie ein "Manko", das behoben werden muss - so die gesellschaftliche Sicht. Das führe auch dazu, dass die Mutterrolle naturalisiert wird, und dass das Nicht-Stillen als "unnatürlich" gilt. Frauen würden unter Druck gesetzt werden, zu stillen - und erst "aufzugeben", wenn es wirklich nicht mehr geht.

Auch Väter haben Verantwortung für Ernährung

Was in der Debatte jedoch gänzlich fehlt, seien die Väter, meint die Studienleiterin. Ihre Verantwortung für die Ernährung des Babys werde komplett außen vor gelassen. Dabei könnten sie eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Mütter spielen - etwa indem sie das Still-Dogma infrage stellen.

Símonardóttir möchte mit der Studie zeigen, dass nicht alle Frauen stillen können oder wollen - und dass sie auch gehört werden müssen: "Ihre nicht-stillenden Körper werden öffentlich kommentiert und infrage gestellt, und sie müssen sich dafür rechtfertigen - vor Freunden, Familie und sogar Fremden." Ihre Forderung: eine "kulturelle Veränderung".

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