So findest du den passenden Hund fürs Leben

So findest du den passenden Hund fürs Leben.

Wer sich einen Hund anschaffen will, sollte beachten, wofür die Rasse (oder bei Mischlingen die darin vorkommenden Rassen) ursprünglich genutzt wurde. Denn die allermeisten Hunderassen wurden früher für eine oder mehrere bestimmte Aufgaben gezüchtet, die zum Teil noch heute in ihnen schlummern und ihr Wesen massiv prägen.

Daher bevorzuge ich eine Einteilung in 9 verschiedene Gruppen, die bei der Suche nach dem richtigen Hund für’s Leben, enorm hilfreich sein kann:

1) Haus-, Hof- und Wachhunde

Diese Hunde wurden dafür gezüchtet Häuser, Höfe und Eigentum ihrer BesitzerInnen zu bewachen. Ihr Körperbau ist kräftig und robust, weil sie sich draußen aufhielten und verschiedenste Witterungen aushalten mussten. Da sie Eindringlinge vertreiben mussten, sind sie bis heute Fremden gegenüber eher skeptisch. Dies sollten alle zukünftigen HalterInnen bedenken. Es hilft, die Hunde möglichst früh an verschiedene Menschen zu gewöhnen und gut zu sozialisieren. Es sei denn, sie sollen ihrer ursprünglichen Aufgabe als Wachhund auch wirklich nachkommen.

Rassen: Hovawart, Dobermann, Riesenschnauzer, Bernhardiner u.v.m.

2) Hütehunde

Sie mussten Schäfern bei ihrer täglichen arbeit unter die Arme greifen. Deshalb sind Hütehunde arbeitsfreudig und reagieren schon auf kleinste Signale. Sie lieben die Zusammenarbeit mit Menschen, sind aber durch ihre hohe Reizempfindlichkeit sensibel. Der Deutsche Schäferhund ist ein Allrounder, denn er sollte neben dem Hüten auch auf Mensch und Hof aufpassen. Andere Hütehunde, wie der Border Collie, mussten selbständig arbeiten und über weite Hügel die Herde ganz alleine zusammentreiben. Daher sind nicht alle Hütehunde automatisch als kooperativ zu betrachten. Die Rasse ist aber auch heute noch sehr arbeitsfreudig und muss daher täglich vielseitig ausgelastet werden – nur dann können sie verträgliche, ausgeglichene Begleiter sein.

Rassen: Deutscher Schäferhund, Border Collie, Austrialian Shepherd, Bearded Collie, Lang- & Kurzhaarcollie, Sheltie u.v.m.

3) Treibhunde

Treibhunde waren ursprünglich dazu da, Vieh von der Weide oder vom Markt zu treiben. Meistens hatten sie aber auch noch Zusatzaufgaben wie: Bewachen des Hofes oder das Ziehen von Wägen. Treibhunde sind bis heute robuste Hunde, die sich auch als Familienhund eigenen, sofern die Kinder nicht zu jung sind. Durch ihre geringe Empfindlichkeit, können sie es nämlich gut verkraften, wenn mal ein Kind über sie stolpert. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass diese Tiere früher für harte Arbeit gezüchtet wurden und sie sinnvoll beschäftigt werden wollen.

Rassen: Rottweiler, Entlebucher Sennenhund, Australian Cattle Dog, Welsh Corgie u.v.m.

4) Herdenschutzhunde

Diese, auch Hirtenhunde genannten Rassen, sind bis heute dazu geeignet bei Wind und Wetter, sowie Tag und Nacht auf Schafherden aufzupassen und sie im Ernstfall auch vor Wölfen, Bären oder Dieben zu verteidigen. Ihre Selbständigkeit ist dabei wichtig, schließlich sollten sie auch einige Tage ohne den Hirten auskommen können. Für die Haltung in unserer Gesellschaft ist diese Eigenschaft aber ein großer Nachteil. Auch der stark ausgeprägte Territorialinstinkt lässt ihn als klassischen Familien- und Anfängerhund ausscheiden. Herdenschutzhunde können leider nicht ihrer natürlichen Veranlagung entsprechend ausgelastet werden und sollten tatsächlich nur dort leben, wo sie ihrer Leidenschaft des Bewachens auch wirklich nachgehen dürfen. Achtung: Herdenschutzhunde dürfen keinesfalls mit Hütehunden verwechselt werden.

Rassen: Kuvasz, Kommondor, Kangal, Owtscharka, u.v.m.

5) Jagdhunde

Früher waren Hunde vor allem Jagdpartner: Um ein Tier aus dem Bau zu treiben, Wild aufzuspüren oder geschossenes Wild zum Menschen zu bringen. Jagen wurde aber immer spezieller und Hunde bekamen spezifische Aufgaben. Deshalb entwickelten sich innerhalb der Jagdhunde unterschiedliche Gruppierungen: Gemeinschaftsjäger, Solitärjäger und Meutejäger. Diese sind auch heute noch in ihren Veranlagungen und Eigenschaften für die Hundeauswahl von Bedeutung.

Gemeinschaftsjäger

Diese Rassen bilden die größte Gruppe unter den Jagdhunden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie für die eher enge Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet wurden. Sie sollten dem Jäger die Beute anzeigen (Vorstehhunde), Wild in die Luft scheuchen, damit der Jäger es schießen kann, oder dem Jäger das geschossene Wild bringen (apportieren). Gemeinschaftsjäger müssen vor allem ruhig und nervenstark sein und gut mit dem Jäger kooperieren. Daher eignen sie sich in der Regel auch für Anfänger sowie als Familienhunde - außer sie kommen aus einer jagdlichen Leistungszucht.

Rassen: Golden Retriever, Labrador Retriever, Magyar Viszla, Irish Setter, Pudel u.v.m.

Solitärjäger

Solitärjäger wurden überwiegend für die Baujagd eingesetzt. Sie sollten Fuchs, Dachs und Co. selbständig aus dem Bau treiben oder töten und dementsprechend klein, robust und unempfindlich sein. Da es immer ihre Aufgabe war schnell und eigenmächtig zu handeln, eignen sie sich weniger als Anfänger- oder Familienhund. Durch ihr scharfsinniges Temperament sind sie schnell aufgedreht und neigen dazu selbst Kontrolle zu übernehmen.

Rassen: Dackel, Jack Russell Terrier, Deutscher Jagdterrier, Border Terrier, Fox Terrier u.v.m.

Meutejäger

Meutejäger sollten ursprünglich in einer großen Gruppe Wild hinterherjagen und deshalb untereinander möglichst verträglich sein. Das heißt, dass ihnen relativ egal war, mit wem sie jagen, Hauptsache sie dürfen jagen. Ähnlich kann sich das Zusammenleben mit dem Menschen gestalten: Oft ist ihnen der Halter nicht so wichtig und sie begeben sich selbständig auf die Suche nach Fressbarem. Deshalb ist er für Anfänger und Familien nur bedingt geeignet.

Rassen: Beagle, Basset Hound, Bloodhound, u.v.m.

6) Doggenartige Hunde

Einige dieser Rassen wurden ursprünglich zum Kampf gegen andere Hunde, Bären oder Stiere gezüchtet. Davon kommt auch der leider sehr negativ belegte Begriff „Kampfhund“. Mit diesem Wort wird aber eigentlich nur der ursprüngliche Verwendungszweck erklärt. Die vom Hund gewünschte Aggression richtete sich aber nur gegen das jeweilige Tier im Ring - Aggression gegenüber Menschen war gänzlich unerwünscht und ist bis heute auch selten anzutreffen, es sei denn sie ist explizit gefördert worden. Dennoch ist es wichtig diesen Rassen im Alltag klare Regeln und Strukturen zu vermitteln, denn sonst besteht die Gefahr, dass unerwünschte Verhaltensweisen gezeigt werden, die sehr unangenehm werden könnten.

Rassen: Deutsche Dogge, Bullmastiff, Bullterrier, American Staffordshire Terrier u.v.m.

7) Windhunde

Windhunde wurden ursprünglich zur Jagd in heißen, trockenen Gebieten gezüchtet. Ihr Körperbau wurde perfekt darauf angepasst. Sie lieben es zu sprinten und haben ihre Umgebung als „Sichthetzer“ stets im Auge. Windhunde sind zwar passionierte Jäger, aber unter entsprechender Anleitung auch für AnfängerInnen geeignet. Als Familienhund eignen sich diese sensiblen Vierbeiner nur dann, wenn Kinder schon größer sind und die Bezugspersonen mit ihrem Jagdinstinkt umgehen können.

Rassen: Whippet, Podenco, Afghanischer Windhund, Podenco, Geryhound, u.v.m.

8) Gesellschafts- und Begleithunde

Diese Rassen sind einzig und allein dafür gezüchtet worden, um dem Menschen zu gefallen. Sie sollten keine speziellen Aufgaben übernehmen, sondern sollten einfach nur ein angenehmer Begleiter sein. Daher zeichnen sie sich bis heute durch große Verträglichkeit und wenige Probleme in der Haltung aus. Die meisten eignen sich gut als Anfänger- und Familienhunde. Leider wird oft vergessen, dass auch der kleinste Hund tierische Bedürfnisse hat und nicht vermenschlicht werden sollte.

Vorsicht ist beim Thema Qualzucht gegeben: Einige der Rassen leiden durch das gewollt gezüchtete Kindchenschema mit rundem Kopf, flacher Nase, kompaktem Körper, Falten und großen Kulleraugen unter schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen. Daher unbedingt vorher genau informieren!

Rassen: Mops, Französische Bulldogge, Cavalier King Charles Spaniel, Bologneser, Chihuahua u.v.m.

9) Hunde vom Urtyp

Hunde dieser Kategorie zeigen einen noch sehr ursprünglichen Lebensstil. Alle Instinkte wie das Jagen, der Territorial- und Sexualinstinkt und ihr sozialer Rudelinstinkt sind bis heute noch in starker Ausprägung vorhanden. Ihr Futter erjagten sie meist selbständig. Da man einen Ball nicht essen kann, gibt es für diese Hunde oft keinen Grund ihm nachzulaufen. Diese Hunde sind für Anfänger weniger geeignet, denn es erfordert sehr viel Konsequenz, Disziplin und Geduld sie zu erziehen.

Rassen: Siberian Husky, Akita Inu, Tschechoslowakischer Wolfshund, Eurasier, Samojede u.v.m.

Fazit

Diese Typologie soll eine Hilfestellung sein, gilt aber natürlich nicht für jeden Hund. Denn auch innerhalb der Rassen kann es viele Unterschiede zum Beispiel zwischen „Arbeitslinien“, also Hunden die nach wie vor für Arbeit gezüchtet werden, und „Showlinien“, Hunden die nur mehr als Begleithunde dienen, geben. Aber auch innerhalb eines Wurfes gibt es selbstverständlich immer verschiedene Charaktere, die bei der Hundeauswahl eine erhebliche Rolle spielen. Nicht zu vergessen auch die Bedingungen des Züchters und entsprechende Sozialisierung, die ja bereits dort beginnen sollte.

Daher gilt auf jeden Fall: Lass dir Zeit bei der Auswahl deines Neuen, triff keine voreiligen Entscheidungen und hör auf dein Bauchgefühl.

Professionelle Beratung bietet die Hundeschule Martin Rütter DOGS Wien.

Nach ihrem 2-jährigen Hundetrainer-Studium bei Martin Rütter in Bonn, leitet Conny Sporrer nun seit über 4 Jahren gemeinsam mit ihrem Team ihre eigene Hundeschule nach der Philosophie des „Hundeprofis“ in Wien. Bei DOGS werden aber vor allem die Menschen im richtigen Umgang mit ihren Hunden trainiert – Verständnis und Beziehung zwischen Hund und Halter spielen dabei eine ganz wichtige Rolle. Mittlerweile ist Conny selbst Dozentin für das DOGS Studium und gefragte Referentin und Fachautorin rund ums Thema Hund. www.martinruetter.com/wien

 

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