So erkennt ihr Mobbing im Job

Gehässige Bemerkungen, üble Gerüchte, Ausgrenzung und Intrigen – für zwei Drittel der ÖsterreicherInnen ist Mobbing am Arbeitsplatz nichts Fremdes. Wir sprachen mit einer Psychotherapeutin darüber, wie man aus der Negativspirale wieder rauskommen kann.

Elisabeth Knizak ist Psychotherapeutin und Leiterin der Mobbingberatungsstelle Work & People (workandpeople.at) in Wien. „Grundsätzlich kommt Mobbing überall vor“, erklärt Knizak. „Wo wir es besonders häufig beobachten, ist überall, wo starke Hierarchien herrschen und wo der Druck hoch ist – das ist ein Nährboden für Mobbing.“

WIENERIN: Was ist der Unterschied zwischen Mobbing und quasi „normalen“ Konflikten oder Antipathien?

Elisabeth Knizak: Konflikte, Antipathien, irgendwelche Schwierigkeiten sind vollkommen normal. Zum Mobbing wird es dann, wenn ein Konflikt, quasi von der Sachebene auf die persönliche Ebene gehoben wird. D.h. wenn es nicht nur um eine Sache geht, sondern darum, der Person zu vermitteln: „Du bist nicht ok.“ Wenn ich nicht versuche, das Problem zu lösen, sondern die Person das Problem wird. Von richtigem Mobbing spricht man wenn dann versucht wird, eine Person, systematisch, über einen längeren Zeitraum vom Arbeitsplatz auszuschließen, sie in ihrer Position zu schwächen, um letztlich den Ausschluss herbeizuführen.

Kann man Mobbernins Gewissen reden?

Es gibt keine Patentrezepte! Was in einem Fall super funktioniert, kann im anderen Fall voll ins Auge gehen. Grundsätzlich kann ich raten, die Dinge mal anzusprechen. Zu erkennen zu geben, „Ich lasse mir das nicht gefallen“. Mobbing ein Phänomen der permanenten Grenzüberschreitung. Und wenn ich mich jetzt überhaupt nicht wehre und mir denke „Das ganze wird schon von selber aufhören“ – damit stärke ich nur den Mobber.

Und was ist von aktiven Gegen-Mobbing zu halten? Soll man „zurückmobben“?

Würde ich jetzt sagen nein. Wenn jetzt zwei Menschen gegen einander Intrigen spinnen und Hacken schmeißen, ist dann die Frage, was ist das jetzt eigentlich? Ist das jetzt Mobbing oder ist das ein eskalierter Konflikt? Leute, die auf Krieg mit Krieg reagieren, die können sich eh gut wehren.

Welche Rolle spielen Chefs und Vorgesetze? Können die das unterbinden?

Ein Chef hat natürlich sehr, sehr viel Einfluss auf die Entwicklung so einer Situation. Ich muss nicht immer alles lösen, wenn ich es mir nicht zutraue – ich bin ja auch nicht unbedingt dafür ausgebildet. Aber auch ein Vorgesetzter hätte die Möglichkeit, sich Hilfe von außen zu holen durch Supervisoren, Mediatoren, Betriebsrat. Vielleicht gibt es einen Mobbing-Beauftragten in der Firma. Aber einfach nur zuschauen und nix tun und warten, dass sich das von selber beruhigt – das spielt’s praktisch nie.

Was ist, wenn das Mobbing „von oben“ kommt – also von ChefInnen und Vorgesetzten?

Es gibt auch die Mobbing-Fälle, die oft sehr wohl klar geplant und überlegt sind, nämlich aus wirtschaftlichen Gründen – wo es einfach drum geht, Stellen abzubauen. Was letzten Endes auch nicht wirtschaftlich ist. Man spricht hier statt von Mobbing auch von Straining.

Was unterscheidet Straining von „klassischem“ Mobbing?

Straining bedeutet „anspannen“ und geht fast immer von Vorgesetzten aus. Dabei werden gezielte Handlungen gesetzt, um die Lebensqualität am Arbeitsplatz zu verschlechtern und Mitarbeiter loszuwerden: Kompetenzen werden weggenommen, Aufgaben umgeändert, Personen „degradiert“. Es gibt viele viele Möglichkeiten. Mobbing muss laut Definition wöchentlich über sechs Monate stattfinden. Bei Straining reichen einige wenige Handlungen, um eine Person zu schwächen und auszustoßen.

Warum ist es so schwierig, dagegen vorzugehen?

Der Begriff Straining ist bei uns noch weitgehend unbekannt. Diese Betroffenen haben häufig das Problem – wenn sie sagen „Ich werde gemobbt“ – dass das dann eben nicht unter die klassische Definition fällt. Man kann derzeit nur schauen, ob arbeitsrechtlich Verfehlungen passieren – und den Begriff Straining bekannter machen.

Was würden Sie Angehörigen von Mobbingopfern raten?

Wichtig ist es als Angehöriger dran zu arbeiten, dem Betroffenen zu vermitteln: „Du bist in Ordnung, du bist gut. Ich nehmt dich so wie du bist, auch wenn es dir nicht gut geht, ich wende mich von dir nicht ab." Aber ich werde jetzt auch nicht grantig, wenn du meine Ratschläge nicht umsetzt. Ich stehe hinter dir. Und vielleicht auch zu sagen: "Hey, geh doch wo hin, lass dich vielleicht mal beraten."

 

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