So erkennst du psychische Gewalt in deiner Beziehung

Gewalt in einer Beziehung muss nicht immer körperlicher Natur sein.

Ein schiefer Blick, eine kontrollierende Geste, eine "harmlose" Beleidigung: für vieles, was der Partner macht, finden wir Ausreden und versuchen sein Verhalten zu entschuldigen. Doch nicht immer sind solche "Kleinigkeiten" harmlos - psychische Gewalt in Beziehungen ist extrem belastend für die betroffenen Partnerinnen und viele Frauen schaffen es nicht, sich aus diesen Abhängigkeitsverhältnissen zu befreien.

Mag.a Dr.in Bettina Zehetner von der Beratungsstelle "Frauen beraten Frauen" kennt die Sorgen und Ängste der Frauen aus ihrer täglichen Arbeit und erklärt, was frühe Warnsignale sind und wie Frauen aus den Strukturen ausbrechen können:

Wie kann sich psychische Gewalt in einer Beziehung äußern?

Bettina Zehetner: Psychische Gewalt kann sich vielfältig äußern. Beschimpfungen, Demütigungen und Drohungen sind psychische Gewalt.

Gibt es „Warnsignale“, die Frauen beachten können bzw. schon bei frühen Treffen erkennen können?

Oft wird überzogenes Kontrollverhalten am Anfang einer Beziehung noch "aus Liebe" begründet, spätestens wenn es Versuche gibt, Kontakte mit Freundinnen oder Familie einzuschränken, sollte das ein Alarmsignal sein. Auch scheinbar harmlose Sticheleien und Entwertungen sind oft ein Austesten, wie weit kann ich gehen, ohne dass ich eine Grenze gesetzt bekomme.

Was ist die häufigste Form psychischer Gewalt in Partnerschaften?

Äußerungen, die kränken, schwächen und verletzen, die Partnerin nicht ernst nehmen und ihr Selbstvertrauen untergraben sowie Drohungen, wenn du dich nicht so verhältst, wie ich es will, dann mache ich dir das Leben noch schwerer.

Korreliert das auch mit finanzieller Abhängigkeit vom Partner?

Finanzielle Abhängigkeit vom Partner - etwa in Zeiten von Kinderbetreuung - kann die Gewaltsituation verschärfen, wenn der Partner seine bezahlte Arbeit gegen die unbezahlte Arbeit seiner Partnerin ausspielt und Geld als Druckmittel einsetzt.

Warum bleiben Frauen in psychisch so belastenden Beziehungen?

Frauen, die über längere Zeit hinweg psychische Gewalt erfahren haben, zweifeln an sich, ihren Fähigkeiten und ihrer eigenen Wahrnehmung, sie werden unsicher, was "normal" ist und übernehmen die Sichtweise ihres Partners, der ihnen einredet, sie wären ja selbst schuld an allem, was er ihnen antut. Tatsache ist: Es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt, die Verantwortung liegt beim Täter, nicht beim Opfer.

Wie können sie sich daraus befreien? Welche Strategien gibt es?

Ein eigenes Einkommen sowie die gerechte Aufteilung der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit bietet die Basis für ein Machtgleichgewicht. Ein gutes soziales Netzwerk, regelmäßige Kontakte zu Freundinnen, Aktivitäten, die Freude machen - all das stärkt das Selbstbewusstsein und bewahrt davor, sich Spielregeln unterzuordnen, die krank machen. Dies ist auch enorm wichtig als Modell für Kinder.

Finden Sie, dass genug über dieses Thema geredet wird und Frauen dafür sensibilisiert sind, psychische Gewalt zu erkennen?

Gewalt in Beziehungen ist immer noch ein sehr schambesetztes Thema. Viele Frauen, die zu uns in die Beratungsstelle kommen, haben jahrelang versucht, die Beziehung zu verbessern, alles richtig zu machen, um endlich nicht mehr den Beleidigungen und Entwertungen durch ihre Partner ausgesetzt zu sein. Darum meine Botschaft an alle Frauen: Sie haben das Recht auf ein Leben ohne Gewalt! Vertrauen Sie Ihrem Gefühl, wenn Sie den Eindruck haben, hier läuft etwas nicht so wie es soll, ich werde nicht unterstützt, sondern belastet, das Verhalten meines Partners kränkt mich. Nehmen Sie unsere anonyme Onlineberatung in Anspruch oder vereinbaren Sie einen Gesprächstermin (LINK). Gemeinsam finden wir neue Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten.

Mag.a Dr.in Bettina Zehetner ist psychosoziale Beraterin der Frauenberatung Wien, zertifizierte Onlineberaterin, Initiatorin der Onlineberatung frauenberatenfrauenONLINE (ausgezeichnet mit dem Mobilkom Award für digitale Kommunikation 2009) und Lehrbeauftragte an den Instituten für Philosophie und Soziologie der Universität Wien.

 

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