So einfach könnt ihr schlechte Gewohnheiten abtrainieren

Nägelbeißen, schlampig Abschminken, wenig Bewegung. Es gibt Dinge, die können wir uns einfach nicht abtrainieren - oder? Das "Nudging"-Phänomen verspricht, schlechten Angewohnheiten den Kampf anzusagen.

Vergisst du immer aufs Abschminken? Hättest du gerne schönere Nägel oder Zähne? "Lasch sein" ist kein Schicksal - eingeschliffene Verhaltensweisen können umprogrammiert werden. Mit "Nudging" schaffen wir es.

Warum lieben wir Gewohnheiten?

Wir alle sind Gewohnheitstiere und tun uns extrem schwer, uns einfach so zu verändern. Das liegt daran, dass unser Gehirn eingespielte Verhaltensweisen liebt.

Wann haben Sie zum letzten Mal darüber nachgedacht, wie Sie die Zahnbürste halten? Welches Auge sie zuerst tuschen? Eben! All das sind automatisierte Kleinstprogramme, die das Gehirn auf Schlüsselreize hin automatisch abspult. Grundsätzlich ist das auch gut so: Müssten wir tagtäglich über das Halten der Bürste oder den Weg nach Hause grübeln - wir würden uns völlig überfordern. Etwas so zu tun, wie es schon einmal funktioniert hat, entlastet das Gehirn und vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Für Kinder erfüllt übrigens die Gutenachtgeschichte diesen Zweck. Der immer gleiche Wortlaut der Geschichte führt zur Entspannung.

Was ist Nudging?

Nudge (Stupser, Anstoß) - so heißt die Strategie, mit der man sich oder andere dazu bewegt, diese Kleinstprogramme zu überschreiben und künftig bessere Entscheidungen zu treffen. Wichtig ist es, dies auf eine Weise zu tun, bei der wir uns rundum wohlfühlen. Dann stehen nämlich die Chancen gut, dass unser Hirn versucht, auch aus dem Neuen über kurz oder lang eine Gewohnheit zu machen. Die Strategien dorthin heißen Vorbilder, Belohnungen, gezielte Anreize und können durchaus spielerisch sein. Bekannt ist das Beispiel mit dem Bild einer Fliege im Pissoir öffentlicher Toiletten, das Männer erfolgreich zum zielgenauen Pinkeln animierte. Eine Nudge-Aktion, die die Sauberkeit öffentlicher Herrentoiletten um 80 Prozent verbesserte.

So funktioniert "Nudging"

Schöne Veränderungen mit sichtbarer Wirkung. Raus aus der Routine!

Beispiel 1: Zahnseide

Ziel: Zahnarzt rät, ZAHNSEIDE ZU VERWENDEN.

So läuft es meistens: Man macht es nach dem Zahnarztbesuch ein einziges Mal, dann nie wieder.

Nudge-Lösung: Weg der kleinen Schritte: Mal nach dem Zähneputzen nur einen Zahn flossen, dann nach und nach mehrere, bis die Benützung von Zahnseide zur neuen Gewohnheit wird.

Beispiel 2: Regelmäßig Sport machen

Ziel: Man will regelmäßig YOGA oder SPORT machen.

So läuft es meistens: Man geht ein paar Mal ins Studio, dann schiebt man Zeitmangel vor.

Nudge-Lösung: Die Motivation erhöhen Online-Challenges (yogawithadriene.com) sowie Communitys mit Gleichgesinnten. Gut zu wissen für alle, die faule FreundInnen haben: Auch Apps (Yoga. com, Runtastic, Seven - 7 Minute Workout Challenge) binden sie in eine Community ein.

Beispiel 3: Nägel-beißen beenden

Ziel: Man hätte gerne SCHÖNERE NÄGEL, nimmt sich aber nicht die Zeit dafür; neigt zum Nägelbeißen.

So läuft es meistens: Ich weiß, ich habe hässliche Nägel -ist halt so.

Nudge-Lösung: Nagelpflege auf dem Couchtisch positionieren und sich angewöhnen, diese beim Serienschauen zu verwenden. Sich selbst Belohnungsreize setzen, z. B. sich nach fünf wöchentlichen Maniküren mit einem neuen Nagellack belohnen.

Beispiel 4: Haare wachsen lassen

Ziel: HAARE /PONY rauswachsen lassen.

So läuft es meistens: Man gibt auf, sobald die Haare nerven.

Nudge-Lösung: Konkretes Ziel ins Auge fassen: Ich will diese und jene Frisur haben! Mit dem Friseur eine Strategie entwickeln. Übergangsfrisuren auf Pinterest finden. In Haaraccessoires investieren und die Übergangszeit als kreative und modische Herausforderung sehen.

Beispiel 5: Abschminken. Und zwar jeden Abend

Ziel: Regelmäßig ABSCHMINKEN.

So läuft es meistens: Man schläft auf der Couch ein und schleppt sich dann unabgeschminkt oder nach einer Katzenwäsche ins Bett.

Nudge-Lösung: Neues Ritual. Ein entspannendes Reinigungsritual entwickeln und dieses gleich absolvieren, wenn man abends nach Hause kommt. (Natur-)Kosmetik kaufen und die neuen Produkte mit allen Sinnen genießen. Das Gehirn soll lernen, dieses Ritual nicht als lästige Verpflichtung zu speichern, sondern mit Wohlbefinden zu verbinden.

Beispiel 6: Endlich schöne Haut

Ziel: Reinere HAUT.

So läuft es meistens: Da kann man halt nichts machen. Ist vererbt.

Nudge-Lösung: Trigger erkennen: Pickelausdrücken oder Im-Gesicht-Rumkratzen dient oft dem Spannungsabbau. Professionelle Verbündete suchen, z. B. HautärztIn oder KosmetikerIn, und danach eine Strategie entwickeln (bessere Hygiene: z. B. Kopfpolsterbezug täglich wechseln, Ernährungsumstellung, neue Pflege wie z. B. Heilerde-Masken integrieren). Ein Skin-Care-Tagebuch führen und sich selbst für die Einhaltung der Miniziele belohnen (Massage, Friseurbesuch).

 

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