Sneakers haben High Heels endgültig abgelöst

Laut der internationalen Modesuchmaschine Lyst sinkt die Nachfrage bei High Heels, steigt hingegen bei Sneakern an. Feministische Bewegungen sollen Turnschuhe salonfähig gemacht haben.

Sneakers

Mitte letzten Jahres „warnte“ der Business Insider die Modebranche vor einem „Schuhtrend unter Millennials“, der „bekannten Marken schaden“ könnte – und sprach damit von dem sich stetig verändernden Umsatzzahlen im Segment der Frauenschuhe, denn: „Unsere Daten zeigen, dass Freizeitmode durchaus im Trend ist. Frauen suchen lässigere, bequemere Schuhe“, wurde Erin Wallace, Brand Director des Online-Resalers ThredUp weiter zitiert.

Nikes statt Louboutins

Traditionelle High-End-Marken waren also plötzlich nicht mehr die Hersteller von Irgendwann-leist-ich-mir-das-mal-Produkten. Sie brauchten neue Zugänge, um die junge Zielgruppe zu erreichen. Chanel setzte hierfür bereits 2014 den ersten Schritt, indem Karl Lagerfeld alle Models in Turnschuhen über den Laufsteg schickte.

Aufstieg der Sneakers als Konsequenz feministischer Bewegungen

Der Einsatz von Sneakern in der Chanel-Show wurde aber als vielmehr als ein geschickter Marketing-Schachzug gedeutet. Er sei ein weiterer Schritt und nur die logische Konsequenz feministischer Bewegungen gewesen: Morgane Le Caer, Fashion Insight Reporterin bei Lyst zeigt sich gegenüber BBC überzeugt davon, dass sich die junge Generation von der sexistischen und diskriminierenden Idee, Frauen müssten im Büro Absätze tragen, gelöst hat. Laut Le Caer sei es auch kein Zufall, dass Sneakers genau mit der neuen Welle des Feminismus einen Aufschwung erleben. Die Turnschuhe seien zu einem Symbol unserer Zeit geworden.

Von Kristen Stewart bis #KuToo

Dass Sneakers mittlerweile bei nahezu allen beruflichen Anlässen erlaubt sind, geht schließlich nicht zuletzt auf feministische Proteste zurück – bis heute: Aktuell kämpfen japanische Frauen gegen die High-Heels-Pflicht am Arbeitsplatz. Anfang Juni wurde die Petition unter dem Namen #KuToo eingebracht (das japanische Wort "kutsu" heißt so viel wie Schuh, "kutsuu" bedeutet Schmerz). Auch Kristen Stewart setzte vergangenes Jahr auf den Filmfestspielen in Cannes ein öffentlichkeitswirksames Zeichen: Mitten am Red Carpet zieht sie ihre High Heels aus und tritt stattdessen barfuß vor die Kameras – aus Protest gegen die Vorschrift der Veranstaltung, laut derer Frauen unbedingt Schuhe mit Absatz tragen müssen.

Sneakers bei Frauen gefragter denn je

(Auch) Aktionen wie diese sorgen dafür, dass Sneakers heute zu den beliebtesten Schuhmodellen zählen. Schon vergangenes Jahr zeigten die Zahlen des weltweit größten Online-Resalers ThredUp, dass High Heels in drei Monaten einen Anstieg um 38 Prozent verzeichnet haben, Sneakers im gleichen Zeitraum aber um ganze 46 Prozent. Das US-amerikanische Marktforschungsinstitut NPD bestätigt den Trend ebenso: Der Absatz von High Heels ging 2017 um 11 Prozent zurück, der Absatz von Damenschuhen allgemein stieg im gleichen Zeitraum allerdings um 37 Prozent. Aktuell ergänzt die Modesuchmaschine Lyst diesen Trend mit den aktuellsten Zahlen: Mittlerweile sind Sneakers sowohl bei Frauen als auch bei Männern der am stärksten nachgefragte Modeartikel.

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Und das wohl ganz zum Ärger von weißen, männlichen Designern wie Christian Louboutin. Gegenüber dem Spiegel hat er die Frage, was Männer so attraktiv an Frauen in High Heels finden, wie folgt beantwortet: „Ein hoher Absatz verleiht einer Frau Macht, aber sie wird durch ihn auch fragil: Sie muss langsamer gehen, sie steht nicht mehr so stabil, auf Kopfsteinpflaster bietet man ihr den Arm an. Es ist diese Mischung von stark und verletzlich, die so sexy ist.“ Und die Autorin des BBC-Berichts über das Ende der High Heels hat die perfekte Antwort darauf, derer wir uns gerne anschließen: „Wenn High Heels ein patriarchales Instrument sind, um eine Frau zu bremsen, so ist der Aufstieg des Sneakers die perfekte Absage daran.“

 

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