Sky Ferreira im miss-Interview

Mit 15 wurde sie vermarktet als „Britney meets Lolita“, doch die Erfahrungen, die Sky Ferreira (20) im Popbusiness gemacht hat, waren ernüchternd. Deshalb macht sie heute, was sie will – mit großer Klappe und großen Zielen.

„Es geht mir so auf den Arsch, wenn die Leute über mich sagen: ‚Sie ist ein Flop!'", sagt Sky Ferreira. Ihr kunstvoll zerzaustes Haar umrahmt ein etwas angespanntes Gesicht, das zu viele negative Blog-Kommentare über sich selbst gelesen hat. „Was zur Hölle machst du dann? Es ist ja nicht so, dass ich gescheitert bin, zumindest habe ich versucht. Ich habe es versucht, und ich bereue es nicht, weil der einzige Weg, um etwas zu erreichen, ist eben, es zu versuchen."

Damals, mit 15, bekam sie einen Plattenvertrag, wurde angekündigt als „Britney meets Lolita". Sie veröffentlichte zwei Singles, bevor das ganze Ding zusammenbrach, als sie wegen ihres verruchten Images öffentlich angegriffen, von Katy Perry als „Schock-Lolita" bezeichnet und ihr Debütalbum in Folge verschoben wurde. Gelangweilt davon, auf die Veröffentlichung zu warten, kämpfte sie sich aus ihrem Vertrag frei. Heute ist ihr erstes Album längst fertig.

Sky Ferreira

Die Art und Weise, wie Ferreira über ihre erste Erfahrung als Popstar spricht, lässt einen sich fragen, warum sie nicht ihre Sachen gepackt hat und auf einen Bauernhof gezogen ist. „Das Label sagte mir, wenn ich das und das tue, dann kann ich später alles machen, was ich will, aber das war nicht wahr".

Dazu kam, dass sie so hart arbeiten musste, dass sie während Interviews einschlief. „Die Leute dachten, ich hätte einen Sekundenschlaf, als ob ich auf Drogen wäre." Sie wurde ermutigt, sich nicht zu weit von der gängigen Popstarschiene wegzubewegen, sollte aber eine eigene Persönlichkeit haben. „Ich sollte dieser gesunde Teenager aus L.A. sein, aber natürlich auch sexy, was aber schwierig war, weil ich damals noch minderjährig war", erzählt sie mit einem Achselzucken. „Sie wollen ihre Popstars ausdruckslos, aber auch fromm. Die wollen, dass du das Girl next door bist, das man einordnen kann, aber eben nicht zu offensiv. Irgendwann war ich an dem Punkt angelangt, an dem ich nichts mehr damit zu tun haben wollte. Ich wollte das alles nicht."

Also zog sie sich zurück. Etwas, das sie seit ihrer Kindheit kennt. „Ich war immer sehr zurückgezogen als Kind, war krankhaft schüchtern", sagt sie und vermeidet Blickkontakt, als wolle sie ihre Aussage untermauern. „Ich hasse es, dazu gezwungen zu sein, Dinge zu tun. Ich hasse Leute, die mir sagen, was ich tun soll, weil ich dann das genaue Gegenteil mache. Das ist ein bisschen selbstzerstörerisch manchmal. Es ist in letzter Zeit ein bisschen besser geworden, aber früher? Vergiss es. Die Leute haben mir das dann immer ausgelegt, als wäre ich eine Bitch oder besonders arrogant."

Sky Ferreira

In der Schule ging es Ferreira ähnlich. „Ich habe die Strukturen in der Schule gehasst. Wenn du nicht mit den richtigen Leuten befreundet warst, hatte man schon verloren. Es war bizarr. Als ich bei meinem ersten Label unterschrieben habe, hat mich das total an die Highschool erinnert. Es war wie: ‚Ich mache Musik, um da rauszukommen - und ende erst wieder genau da, bei Menschen mit schlechten Egos und schlechten Angewohnheiten."

Ihre Schüchternheit war auch der Grund dafür, dass sie ihre wöchentlichen Besuche bei der Poplegende Michael Jackson (ihre Großmutter war sein Frisör) ein Geheimnis blieben. „Ich habe selten davon erzählt. Mir war auch nie das Ausmaß seiner Berühmtheit klar. Ich wusste, er ist Sänger, aber ich schätze, ich war einfach an ihn gewöhnt." Sie erinnert sich gerne an jene Tage, die sie bei Jackson auf der Neverland Ranch verbrachte, mit ihrer Großmutter, bei der sie aufwuchs und die sie oft als Mutter bezeichnet.


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Sky Ferreira
Alles geschieht aus einem Grund. Heute bin ich in einer viel besseren Position als früher. Vielleicht habe ich nicht den Millionen-Dollar-Deal an Land gezogen, aber das Album ist etwas, auf das ich wahnsinnig stolz bin


Es ist dieses Bündel von kühnem Ehrgeiz, lähmender Schüchternheit und starker Unabhängigkeit, das Ferreira so faszinierend macht, obwohl manche Stimme von einem konstruierten Image spricht, wenn man sich die Sky von vor fünf Jahren und die von heute ansieht. „Die Leute denken oft, ich bin ein Marketing-Betrug. Aber dann wäre ich die beste Schauspielerin, die es je gab. Manchmal denke ich, dass ich mit 15 einfach noch nicht wusste, wer ich bin. Aber ich glaube auch nicht, dass du bist, was du bist für ein Leben lang, vor allem nicht mit zwanzig. Manchmal würde ich gerne die Fotoalben der Leute hernehmen und sagen ‚Du bist ein Fake! Du bist nicht mehr dieselbe Person, du hast deine Haare gefärbt", sagt sie lachend. „Leute regen sich auf, dass ich meine Haare blondiert habe. Aber ich bin die gleiche Person. Die gleiche Person, die ihr schon vorher gehasst habt", sagt sie und lacht laut auf, bevor sie sich grinsend bremst und sagt: „Nur ein Scherz!"


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Ferreiras neue Videos, inklusive der Single „Everything Is Embarrassing", hat sie sich übrigens durchs Modeln finanziert, mit Kampagnen für Calvin Klein, adidas und Yves Saint Laurent. Das führte dazu, dass die Website „Pitchfork" sie als „klassisches Innenstadt-It-Girl" bezeichnete. Ein Attribut, das Ferreira nicht zusagt. „Es impliziert, dass du nur der Teil eines Moments bist, aber kein Talent hast", sagt sie. „Ich hasse es, wenn die Leute mich eine Prominente nennen, denn du musst Geld haben, um eine Prominente zu sein, und das habe ich nicht. Und nur, weil ich auf Partys gehe, bin ich plötzlich ein wildes Partygirl? Es gibt viele Leute, die viel härter Party machen als ich! Soll ich zu Hause bleiben und stattdessen Kinder kriegen? Ich meine, leben wir im 18. Jahrhundert?"


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Wir sprechen über die Entstehung des derzeit noch namenlosen Debütalbums. Ferreira ist nervös, wenn Leute es anhören, weil es so persönlich ist und sie stark in den Songs zu finden ist. „Ich weiß, dass ein Hype kommt und geht. Sie finden immer wieder eine neue Person", sagt sie ruhig. „Jeder sucht immer „the next big thing", obwohl sie gerade erst „the last big thing" gefunden haben. Das setzt die Leute unter Druck, ständig neue Mixtapes anzubieten. Manchmal ist weniger einfach mehr." Und was wäre passiert, wenn eines der drei Album von früher veröffentlich worden wäre? „Ich glaube, ich wäre irgendwo hängengeblieben, wo ich nicht hängenbleiben wollte", meint sie nachdenklich. „Alles geschieht aus einem Grund. Heute bin ich in einer viel besseren Position als früher. Vielleicht habe ich nicht den Millionen-Dollar-Deal an Land gezogen, aber das Album ist etwas, auf das ich wahnsinnig stolz bin."

 

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