"Sklavenauktion" in Libyen schockt die Welt

Der EU-Afrika-Gipfel hatte ein bestimmendes Thema: die "Sklavenauktion" in Libyen - und warum die EU so lange zugesehen hat.

"Empörend" und "grauenhaft" - so werden die jüngsten Berichte rund um "Sklavenauktionen" in Libyen von MenschenrechtlerInnen beschrieben. Ein Bericht des US-SendersCNN zeigte Mitte November, wie Menschen in Camps für jeweils mehrere hundert Dollar als Landarbeiter auf einer Auktion verkauft werden.

Die Aufnahmen aus einer nicht namentlich genannten libyschen Stadt zeigen laut dem Sender einen jungen Mann aus dem Niger, der als "starker Bursche für Feldarbeit" angepriesen wird.

Es sind schockierende Bilder - und sie waren auch das Hauptthema auf dem EU-Afrika-Gipfel am Mittwoch und Donnerstag. Der französische Präsident Emmanuel Macron sprach von einem "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". 5000 Delegierte waren in die ivoirische Wirtschaftsmetropole Abidjan gekommen, unter ihnen etwa 80 Staatschefs aus Afrika und Europa, sowie hohe Vertreter der Afrikanischen Union (AU) und der EU.

"Wir können nicht so tun, als hätten wir nichts gewusst"

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International (AI) werfen den PolitikerInnen jedoch "Heuchelei" vor, da die Vorwürfe längst bekannt seien. ""Seit Jahren dokumentieren wir, wie Flüchtlinge und Migranten in Libyen willkürlicher Verhaftung, Folterung, Mord, Vergewaltigung, Erpressung und Ausbeutung ausgesetzt sind", sagte John Dalhuisen von AI.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) wies in Berichten bereits im April auf die Existenz von Sklavenmärkten in Libyen hin. Menschenhändler würden MigrantInnen kaufen, um diese dann in ihren Gefängnissen so lange zu quälen, bis sie von ihren Verwandten für Lösegeld freigekauft würden. Wenn die Familie kein Geld aufbringen kann, werden die Menschen an den Arbeitsmarkt verkauft. Die Präsidentin der internationalen Organisation Médecins Sans Frontières, Joanne Liu, sagte: "Wir können nicht so tun, als hätten wir nichts gewusst."

 

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