Skifahren mit Kind

Statt “Schneepflug” sagt der Skilehrer heute “Pizzaschnitte” - und auch sonst hat sich einiges verändert, seit den Tagen als Mama und Papa zum ersten Mal auf Brettln den Idiotenhügel hinunterschlitterten: Bessere Ausrüstung, Helmpflicht, oft geschmalzene Preise... typischich.at hat mit Sportpädagoge Volker Lauss über Skifreuden für Kinder gesprochen.

Ab welchem Alter können Kinder skifahren lernen?

Volker Lauss: Das kommt auf die Zielsetzung an. Will ich nur ein bisserl die Piste runterrutschen, ist es ganz egal. Da reicht es auch, als 8 oder 9jährige/r anzufangen. Wenn es aber Überlegungen gibt, die in Richtung Leistungssport gehen, dann sollte man so früh wie möglich, am besten mit 3, 4 Jahren beginnen. In jedem Fall ist das Lernen durch die neuen Carving Ski viel leichter geworden als früher. Kinder haben sehr schnell heraus, wie's geht.

Worauf muss ich bei der Ausrüstung achten?

Das Wichtigste ist, dass die Schuhe gut passen und bequem sind. Der Helm sollte nicht drücken und über eine gute Belüftung verfügen, weil die Kinder sonst zu arg darin schwitzen. Die Länge der Ski und Stöcke muss der Körpergröße angepasst sein, aber da gibt es Spielraum: Mit kürzeren Skiern tun sich die Kinder am Anfang leichter, mit längeren hat man später mehr Halt auf der Piste. Eltern kaufen gerne längere Ski, weil die Kinder ja eh hineinwachsen und man dann nicht jedes Jahr neue Ski braucht... Das ist bei Carvern auch kein Problem. Die Kinder kommen damit zurecht.

Stimmt, Kinder wachsen schnell aus ihrer Ausrüstung heraus. Wäre ausborgen nicht von vorn herein besser als kaufen?

Wenn man die Möglichkeit hat, günstig Ski auszuborgen, ist das sicher gut, weil man einfach mehr variieren kann. Aber in den meisten Sportgeschäften zahlt man bald mal 150.- Euro Leihgebühr für eine Woche. Da stellt sich die Frage, ob kaufen nicht billiger ist... kommt auch drauf an, wie oft man fährt...

Stichwort Helm: Brauche ich wirklich schon am Babyhang einen Helm? Mein Kind beschwert sich immer, weil es sich nicht am Kopf kratzen kann...

Ich würde auf jeden Fall einen Helm nehmen. In Skikursen ist er inzwischen Pflicht. Und selbst, wenn ein Kind nur ganz langsam am Babyhang rutscht und eigentlich selber keinen bräuchte, kann man ja nicht vorhersehen, wie sich die anderen Fahrer verhalten. Da ist schnell was passiert... Also Helm: Von Anfang an. Skifahren ist risikoreich.

... und es ist auch teuer! Öfter als einmal im Jahr kann sich das kaum eine Familie leisten. Reicht das aus, um den Sport zu lernen?

Ja, da geht schon ein bissl was weiter. Ich bin als Kind sicher auch nicht öfters als ein Mal pro Jahr gefahren, aber der Körper speichert sich's trotzdem ab, weil man ja innerhalb dieser einen Woche sehr viel Zeit auf der Piste steht. Und es ist letztlich nicht so eine wahnsinnig komplexe Bewegung...

Besser im Kinderskikurs lernen oder von Mama/Papa?

Ein Schikurs hat andere Mittel zur Verfügung, sprich: anderes Know-How und spaß-betontes Equipment (für Parcours, Stationenspiel etc.) - das macht einfach mehr Spaß. Also: Wenn es die Möglichkeit gibt, dann profitiert das Kind von einem Schikurs sicher!
Und letztlich auch den Eltern, die in ihrem Urlaub vielleicht auch nicht den ganzen Tag mit einem Kind zwischen den Beinen am Babyhang kurven wollen...

Danke für das Gespräch!

Volker Lauss stand bereits mit 14 Jahren als Vorturner im Turnsaal. Folgerichtig hat er seinen Beruf gewählt und Sportwissenschaften bzw. Sportmanagment studiert. Derzeit ist er in Bildungskarenz, davor war er Leiter eines Fitnesscenters, kümmerte sich für Fit-at-Work um Firmenfitness und war Projektleiter bei der Entwicklung von “Turn 10”, dem neuen Österreichischen Turnprogramm für Schulen.

Sein Verein ferienfun.at bietet in der schulfreien Zeit Sportkurse (Segeln, Fussball, Schifahren etc.) für Kinder an.
 

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