Skateistan

Skateboarding gilt seit Dekaden als fixer Bestandteil unserer Jugendkultur. Doch nicht überall - in Afghanistan galt der Sport bis vor wenigen Jahren als unbekannt. Bis ein Australier eine Organisation gründete und jungen Mädchen und Burschen eine neue Zukunftoption bietet.

Was haben Skateboards mit Gleichberechtigung und Bildungsarmut zu tun?

Wenn es nach dem australischer Skateboarder Oliver Percovich geht, sehr viel!

Er hat mit seiner Initiative "Skateistan" eine Organisation in Afghanistan aufgebaut, die Mädchen und Jungen von der Straße holt und hilft, Selbstbewusstsein aufzubauen und ihnen eine Schulbildung ermöglicht.

Afghanistan: Unterdrückung und fehlende Bildung

In einem Land wie Afghanistan, wo Frauen, aufgrund religiöser Auffassung, immer noch als nicht gleichwertig gelten, ermöglicht Skateboarden ihnen einen Ausweg aus dem Alltag.

Da das Skateboarden zur Zeit der Gründung seiner NGO in Afghanistan überhaupt nicht bekannt war, war es den Mädchen erlaubt, die Sportart auszuüben. Denn im Gegensatz zu Radfahren und Fußball, wird das Boarden nicht als Männersport angesehen und daher von der Männerdomäne toleriert.

Afghanistan zählt zu dem Land mit den meisten schulpflichtigen Kindern weltweit. 68 Prozent
der Afghanen sind 25 Jahre oder jünger, fünfzig Prozent sind jünger als 17 Jahre. Das sind insgesamt 15 Mio. Kinder und Jugendliche, von denen viele keine Möglichkeit haben, sich sportlich zu betätigen, viele Schulen haben nicht einmal einen Spielplatz.

Mädchen war es bis vor wenigen Jahren überhaupt verboten in der Öffentlichkeit Sport zu machen, in westlichen Ländern kaum vorstellbar.

Skateistan

Gestern 8, heute 1500

Ollie Percovich erklärt im Interview mit Marie Claire, er habe die Organisation damals, 2008, mit 8 Schülern begonnen. Heute sind es 1500 - 40% davon sind Mädchen.

In der Schule arbeiten mittlerweile 70 Mitarbeiter, viele davon sind selbst Schüler gewesen. Skateistan ermöglicht den besten aus den eigenen Programmen ("Back to School" und "Scate and Create") an einem "Youth Leadership" Kurs teilzunehmen und so Führungskompetenzen zu lernen.

Die Kurse sind kostenlos für alle Schüler, es wird nur eine Registrierung verlangt und regelmäßiges Erscheinen in den Kursen ist Pflicht.
Die Organisation spricht nicht nur die besonders benachteiligten Jugendlichen Kabuls an, sondern Jungen und Mädchen aller ethnischen und sozio-kulturellen Hintergründe. Es geht darum Respekt über Klassen- und Geschlechtergrenzen hinweg zu lernen.

Skateboarding als Sprungbrett

Für viele Kinder hat die Skateboard-Schule ihr Leben verändert. Mehrere der weiblichen Studentinnen hielten bereits Reden im afghanischen Parlament, bei der Ted X Konferenz in Kabul oder dem World Urban Forum der Vereinten Nationen.

Angesichts der angespannten politischen Lage und der dauerhaften Unterdrückung und Geringschätzung von Frauen, ist das eine sehr große Errungenschaft.

Frauen werden in dem Camp gleich behandelt, sie können ihr Leben und ihre Freizeit aktiv gestalten. Ein Umstand, der für viele Mädchen ein Wunschtraum ist und den Skateistan versucht zu unterstützen und zu fördern.


Hanifa, eine der Studentinnen, erzählt in einem Video:

"Mein Leben hat sich durch Skateistan gewendet. Früher habe ich auf der Straße gearbeitet und die Leute haben mich beschimpft. Jetzt fühl ich mich gut, denn hier kann ich Kinder unterrichten. Wenn mich die Schüler 'Lehrerin' nennen, macht mich das sehr glücklich. Ich denke, wenn ich eine guter Skaterin werde, kann ich mir eine bessere Zukunft schaffen."

Hier geht's zum Video.

Selbst Skateboard Legende Tony Hawk unterstützt das Projekt. Die Organisation erhielt in den letzten Jahren außerdem zahlreiche Preise wie den "NGO of the Year Award" oder den „Innovation through Sport“ Jurypreis bei den Beyond Sport Awards.

 

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