Single in Corona-Zeiten: 7 Tipps von der Kuscheltherapeutin

Stell dir vor, es ist Corona und du hast niemanden zum Kuscheln. Wir fragen die Kuscheltherapeutin nach ihren Tipps für Singles in der Zeit der Selbstisolation.

Tipps von der Kuscheltherapeutin

Nicht jeder und jede kann die Isolation der letzten Tage und kommenden Wochen und Monate gleich gut wegstecken. Social Distancing trifft alleinlebende Menschen und Singles besonders hart. Welche Folgen die soziale Isolierung für die körperliche und psychische Gesundheit haben kann, haben wir die Kuscheltherapeutin Elisa Meyer gefragt. Sie lebt in Leipzig, ist Autorin des Buchs "Berührungshunger" und vernetzt auf ihrer Homepage cuddlers.net Kuschler*innen in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz. Aufgrund der aktuellen Maßnahmen kann sie ihren Beruf derzeit nicht ausüben.

"Biologisch gesehen sind wir ja auf Berührungen angewiesen", erklärt Elisa Meyer. "Man kann sich das wie einen Tank beim Auto vorstellen. Wenn der leer wird, funktioniert das Auto nicht mehr perfekt." Hier ihre sechs Tipps für die Corona-Zeit:

1. Sich selbst beobachten

"Das wichtigste in einer solchen Krisensituation ist, den Kontakt zu sich selbst nicht zu verlieren", rät Elisa Meyer. "Wie geht es mir eigentlich? In welcher Verfassung bin ich gerade?" Die Symptome von Berührungsmangel beschreibt die Kuscheltherapeutin so: "Es fängt erst mit kleinen Sachen an. Man versucht seinen 'Tank' sozusagen mit was anderem zu füllen – man stopft sich z.B. Essen rein oder kifft mehr. In dieser erste Phase macht man ganz viele Ersatzhandlungen. Der nächste Schritt wäre, wenn man wirklich schon körperlich und psychisch was merkt. Man ist rastlos, ruhelos, man langweilt sich. Man ist schneller gestresst, genervt. Man geht in so eine Richtung ‚Alles ist scheiße‘. Das kann schon in die Depression gehen." Damit es nicht dazu kommt, sollte man etwas für die eigene psychische Gesundheit unternehmen.

2. Kontakt halten

"Skypen und telefonieren ist auf jeden Fall gut – zumindest kurz bis mittelfristig. Weil einen die Freude darüber, den anderen zu sehen auch pusht und man Endorphine ausschüttet und Glücksgefühle empfindet – so nach dem Motto: 'Ah, ich bin doch nicht ganz alleine'. Das verhindern, dass man komplett in die Negativspirale hineinkommt. Aber eben auch nur eine gewisse Zeit."

3. Sich bewegen

Der nächste Tipp der Expertin: "Körperliche Dinge machen, die man zuhause tun kann. Alles, wo man sich und seinen Körper gut spürt: Sport, Yoga, aber auch so was wie Putzen – das ist auch eine sehr körperliche Tätigkeit, das kann auch helfen."

4. Körperpflege nicht vernachlässigen

Klar, wochenlang im Home Office, da kann man schon mal mit fettigen Haaren und der Jogginghose durch die Tage schlurfen. Die Körperpflege ist aber nicht nur wichtig, wenn man rausgeht, so die Kuscheltherapeutin, sondern kann auch einfach guttun: "Also nicht nur duschen, um sauber zu werden, sondern auch so, dass man das genießt. Man hat ja jetzt mehr Zeit, sich mal ohne Stress in die Badewanne zu setzen. Danach kann man sich lange eincremen, das ist quasi wie sich selbst streicheln. Das ist auch für Männer sehr hilfreich."

5. Sich selbst massieren

Eindeutiger Rat der Expertin: An sich selbst Hand anlegen – mit Massagen. "Das ist ganz einfach. Da gibt es auch keine extra Technik, einfach kneten oder drücken, wo es sich gerade verspannt anfühlt. Man kann auch diese ganzen Geräte benutzen, Faszienrollen und diese pieksenden Matten, auf die man sich legen kann. Alles, was man da so zuhause hat."

6. Einfach mal tanzen

"Radio aufdrehen und tanzen. Das macht Spaß und das signalisiert dem Körper: Hey, es ist alles gut und ich bewege mich frei. Gerne dazu auch singen. Man sagt auch, wenn man singt, dann kann man keine Angst haben. Dann ist das Angstzenzentrum im Gehirn blockiert."

7. Auf Zeit zusammenziehen

"Wenn man alleine zuhause sitzt und es einem ganz schlecht geht und man glaubt, man hält es nicht mehr aus, wäre es z.B. möglich auf Zeit für eine Woche oder so mit einem guten Freund zusammen zu ziehen. Es gibt auch ältere Menschen, die entschieden haben 'Ok, wir alle drei wohnen jetzt bei einer, bis das vorbei ist.' Das muss ja keine romantische Beziehung sein, es reicht auch eine freundschaftliche."

Ein paar Worte gibt sie uns Elisa Meyer zum Schluss noch auf den Weg: "Was mir als Kuscheltherapeutin auch ein Anliegen ist, dass die Leute jetzt mal mitkriegen, wie das eigentlich ist für unsere Kunden. Die sind nämlich eigentlich oft genau so isoliert, wie es jetzt verordnet ist – und zwar unfreiwillig. Und dass man da vielleicht ein bisschen drüber nachdenkt, was man dagegen tun könnte, dass es so isolierte Menschen gibt, z.B. alte Menschen im Altersheim.

 

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