Sind Menstruationskappen tatsächlich gesünder als Tampons?

Menstruationskappen boomen - aber was steckt wirklich dahinter? Ist der neue Trend in der Gesundheitshygiene ein Lifestyle-Produkt?

Während in Finnland bereits 10-20% aller Frauen Nutzerinnen einer Menstruationskappe sind, boomt das Produkt als gesunde Alternative zu Tampons erst seit Kurzem in Österreich und Deutschland. Aber wie gesund sind Menstruationskappen wirklich?

Was ist eine Menstruationskappe?

Menstruationskappen sind kleine Becher aus Silikon oder TPE-Kunststoff. Sie werden wie Tampons eingeführt und können je nach Modell bis zu 30 ml Flüssigkeit fassen. Durch das größere Fassungsvermögen können Menstruationskappen im Gegensatz zu Tampons bis zu 12 Stunden getragen werden. Anschließend wird das Blut einfach in die Toilette entleert, die Menstruationskappe gereinigt und wieder eingeführt. Der größte Vorteil: Da sie mehrere Jahre wieder verwendbar sind, sparen sie Geld und den Müll von bis zu 2000 Tampons.

Sind Menstruationskappen tatsächlich gesünder als Tampons?

Produkt und Handhabung sind entscheidend. Menstruationskappen haben den Vorteil, dass sie die Scheide nicht austrocknen, da sie lediglich das Menstruationsblut auffangen und sich im Gegensatz zu Tampons nicht mit Scheidenflüssigkeit vollsaugen. Außerdem bleiben keine Fasern im Körper zurück, die bei konventionellen Tampons noch dazu Kunststoffbestandteile beinhalten können. Im besten Fall kann eine Menstruationskappe also auch dazu beitragen, Intiminfektionen vorzubeugen. Eine Umfrage der erdbeerwoche ergab etwa, dass 90 % der Menstruationskappen-Nutzerinnen sehr zufrieden mit dem Produkt sind. Laut einer Studie unter 1.500 Probandinnen haben sich Probleme wie Scheidentrockenheit sogar bei über 65% gebessert. Allerdings gilt: Menstruationskappen sind nur dann wirklich gesünder, wenn auf die Qualität des Materials und die richtige Handhabung geachtet wird.

3 Tipps für den Umstieg auf eine Menstruationskappe:

  • Auf Material und Herkunft achten: Da das Produkt in letzter Zeit massiv an Beliebtheit gewonnen hat, gibt es immer mehr Anbieter von Menstruationstassen. Nicht nur im Internet, sogar im Einzelhandel können Menstruationskappen vielfach schon erworben werden. Dabei ist besondere Vorsicht geboten, warnt erdbeerwoche-Geschäftsführerin Annemarie Harant: "Wie bei Lebensmitteln und Kosmetik sollte hier genau auf die Inhaltstoffe und die Herkunft geachtet werden. Mittlerweile sind Menstruationskappen aus bedenklichen Kunststoffen bzw. aus nicht zertifiziertem medizinischen Silikon erhältlich. Hier ist höchste Vorsicht geboten, da das Produkt über mehrere Jahre direkt an der empfindlichsten Stelle des Körpers getragen wird. Menstruationskappen aus TPE-Kunststoff sind unserer Erfahrung nach im Vergleich zu solchen aus Silikon weit weniger widerstandsfähig. Besonders problematisch sind hier Billigprodukte aus Fernost: In einer in China produzierten Menstruationskappe eines bekannten Herstellers wurde bereits Formaldehyd gefunden. Bei der erdbeerwoche nehmen wir die Materialien der verschiedenen Hersteller genau unter die Lupe und nehmen nur Menstruationskappen in unseren Onlineshop auf, die aus zertifiziertem, gesundheitlich unbedenklichem Silikon bestehen und in Europa gefertigt wurden."


  • Hygiene ist das oberste Gebot: Gerade weil es sich um ein wiederverwendbares Produkt handelt, ist Hygiene essentiell. Vor jedem Entfernen der Menstruationskappe sollten daher die Hände mit Seife gewaschen werden. Zur Reinigung der Menstruationskappe selbst genügt das Auskochen vor und nach jeder Regelwoche mit bloßem Wasser. In jedem Fall sind aggressive Seifen und Waschlotionen zu vermeiden.


  • Auf die richtige Handhabung kommt es an: Bis frau sich mit einer Menstruationskappe richtig angefreundet hat, dauert es meist 1-2 Zyklen. Wichtig dabei ist, dass vor jedem Entfernen der Menstruationskappe der Unterdruck gelöst wird, mit dem die Menstruationskappe ihre Dichtheit erzeugt. "Dafür drückt frau mit dem Zeigefinger direkt gegen den Bauch der Menstruationskappe und zieht sie anschließend vorsichtig heraus. Auf keinen Fall soll einfach am Stiel gezogen werden," erklärt erdbeerwoche-Geschäftsführerin Bettina Steinbrugger. Antworten auf alle häufigen Fragen zur Menstruationskappe finden Frauen auch im erdbeerwoche-Ratgeber bzw. in diesem Erklärvideo.


Neues Thema auch für viele Gynäkologen

"Wir merken, dass selbst für viele Frauenärzte die Menstruationskappe noch relativ neu ist und hier zum Teil die Erfahrungswerte fehlen. Wir bieten daher auch Information und Aufklärung für Gynäkologen, damit bald alle Frauen objektive und umfassende Informationen zu diesem Thema vom Arzt ihres Vertrauens erhalten können," so Harant. Im Gynäkologen-Netzwerk der erdbeerwoche findet sich etwa auch Dr. Eva Lehner-Rothe, die zur Verwendung der Menstruationskappe meint: „Sehr viele Frauen leiden unter immer wiederkehrenden Vaginalinfektionen bzw. Scheidenpilzerkrankungen. Viel häufiger als man denkt ist die falsche Monatshygiene mit der Verwendung billiger Tampons bzw. Binden schuld daran. Betroffene sollten daher auf jeden Fall nachhaltige Monatshygiene (Biotampons, Menstruationskappen) ausprobieren, vor allem auch weil sie damit nicht nur ihrer Gesundheit sondern auch der Umwelt was Gutes tun.“

 

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