Sind Frauen die besseren Kapitalistinnen?

Frauen sind bessere Leader, ihre Firmen gehen nicht pleite, in Island haben sie das ganze Land vor dem Ruin gerettet. Kann weibliches Wirtschaften also eh die ganze Welt retten? Das haben wir bei Therese Kaiser, Gründerin des Festivals Business Riot, nachgefragt.

The Future is female

Pleite - das war Island 2008, die Finanzkrise riss das Land in den Abgrund. Aber eben nicht ganz: Es waren Managerinnen, die den Karren wieder aus dem Dreck zogen. Heute gilt Island als Paradies der Gleichberechtigung, Frauen sitzen an den Hebeln der Macht, die Gesellschaft ist über die Ökonomie tatsächlich feministisch geworden. Ist also die erfolgreiche Kapitalistin ein gutes Role Model?

Frauen können besser wirtschaften, unter weiblicher Führung gehen Firmen nicht pleite, daher mehr Gründerinnen in Start-ups, bitte Wenn man so etwas hört, hat man gleich so ein Superwoman-Bild vor sich. Können Frauen Wirtschaft wirklich besser?

Therese Kaiser: Das ist eine komplizierte Frage, weil es meiner Meinung nach nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun hat. Es geht hier vielmehr um Sozialisierung und darum, mit welchen Herangehensweisen Männer oder Frauen sich in der Wirtschaft zurechtfinden. Firmengründerinnen haben eine realistische Selbsteinschätzung und einen anderen Umgang mit Menschen, darum gehen sie nicht so oft pleite. Die alte Economy, in der es darum geht, ganz schnell viel Geld zu verdienen, ist ja für viele Systeme überfordernd. Dieses schnelle Wachstum, etwa von drei auf 50 Mitarbeiter in einem Jahr, ist bei vielen Start-ups oft das Ende. Frauen planen hier einfach umsichtiger.

Island ist - so hat es der britische Guardian formuliert - das Paradies für Frauen. Das kleine Land musste aber erst von Frauen aus der Finanzkrise 2008 gerettet werden. Man sagte damals, Frauen seien die besseren Kapitalisten - aber ist das echt ein Kompliment?

Nein, das ist es wohl nicht. Wobei es insgesamt -auch bei uns im Business Riot -darum geht, wie sich Wirtschaftssysteme in Zukunft so verändern können, dass sie menschlicher werden und sich nicht mehr negativ auf die ganze Gesellschaft auswirken.

In Island kriegen die Männer kein Elterngeld mehr, wenn sie nicht auch in Karenz gehen. In Österreich ist das anders, da gehen sehr wenige Männer - aktuell 20 Prozent - in Karenz, und es hat keine finanzielle Auswirkung. Planen junge Frauen aus deiner Sicht ihre Karrieren heute bewusst ohne Kinder, weil Mutterschaft eben so hinderlich ist?

Dass sich die Art der Karenzmodelle direkt auf die Gesellschaft auswirkt, ist in vielen Studien beschrieben. In Österreich ist es so, dass vor allem bei Selbstständigen vieles unklar ist, etwa die Rolle der Sozialversicherung. Für Selbstständige sind die ersten ein, zwei Jahre mit Kind eine Katastrophe, hier ist das Thema Vereinbarkeit riesengroß - und wird auch meist von Frauen thematisiert. Wer Kinder möchte, wird natürlich immer eine Möglichkeit finden, aber die Rahmenbedingungen fördern das derzeit meiner Meinung nach nicht. Eine spannende Frage für mich wäre hier, inwieweit sich das ändern würde, wenn man ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen und damit den unmittelbaren ökonomischen Druck von jungen Menschen nehmen würde.

Österreich ist im Unterschied zu Island nicht so paradiesisch für Frauen in der Wirtschaft. Wo sind die größten Baustellen?

Das große Thema sind Ressourcen, also: Wie komme ich als junge Unternehmerin zu Investment oder einem Kredit? Es gibt dazu eine aussagekräftige Studie des Europäischen Parlaments. Zusammengefasst sagt diese, dass es Frauen schwerer haben, an Investorengeld zu kommen - einerseits, weil es eben viel mehr männliche Investoren gibt, die lieber in Männer investieren, und andererseits, weil Innovation von Männern oft anders definiert wird als von Frauen. Dort kriegt man immer noch Geld für etwas, das eine App, ein Roboter oder eine Kryptowährung ist. Dieser Zugang schließt weite Teile der Gesellschaftsentwicklung eigentlich aus.

Du selbst bist Gründerin von Business Riot in den letzten vier Jahren wurden von euch mehr als 3.500 junge Frauen betreut. Du arbeitest hart für dieses Unternehmen -kannst du denn mittlerweile gut davon leben?

Jein. Nach vier Jahren sind wir erstmals kostendeckend, was für mich und uns eine ganz tolle Entwicklung ist - denn wir wollten ja nie reich werden, sonst hätten wir was anderes gemacht. Uns ist wichtig, dass alle Arbeitsstunden fair bezahlt werden. Das haben wir jetzt erreicht.

 

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