Sind Emily Ratajkowski Achselhaare eine feministische Kritik?

Auf Instagram zeigt sich das Model Emily Ratajkowski mit behaarten Achseln. Ein Statement für mehr Offenheit in der Entscheidung für oder gegen Körperbehaarung soll es sein - und provoziert gleichzeitig auch feministische Kritik.

Zwar regnet es zum Glück hauptsächlich Herzerl-Emojis und freudige Unterstützungsbekundungen für die in Szene gesetzte behaarte Achseln, ganz ohne frauenverachtende Kommentare geht weibliche Körperbehaarung aber leider doch noch nicht. Die negativen Reaktionen bleiben dabei erwartbar: schirch sei das, unweiblich und grauslich. Das wird nicht wahrer, je öfter man es wiederholt.

Körperbehaarung oder auch nicht - beides ist feministisch

Ratajkowski spielt sowieso gerne mit gesellschaftlichen Anforderungen an Frauenkörper. Regelmäßig fordert sie das Nacktverbot auf der Fotoplattform gerne heraus, immer als Statement formuliert. Sie sieht sich als feministische Aktivistin einer Körperkultur, in der Frauen selbst überlassen bleiben soll, wie sie sich geben: "Gebt Frauen die Möglichkeit, so vielfältig wie möglich zu sein, was immer sie wollen", so Ratajkowski in ihrem Essay. Körperhaare oder rasierte Haut - beides sei gleichermaßen feministisch. "Solange die Entscheidung meine Wahl ist, ist sie die richtige Wahl. Letztendlich liegen die Identität und Sexualität eines Individuums bei ihm und bei niemand anderem."

Feministische Kritik an "Photoshop-Achselhaaren" und "Fake-Essays"

Auch mit behaarten Achseln ist das Model Emily Ratajkowski schön, wie es die Gesellschaft von Frauen erwartet. Das erlaubt ihr, wie es auch bei anderen normschönen Frauen so ist, die Grenzen der Schönheitsnormen ein bisschen auszuweiten. Nutzt Ratajkowski ihr Privileg, um das Verständnis von Schönheit zu verbreitern und eine Diskussion über Tabus anzuregen, kann das letztlich vielen anderen weiterhelfen. Lob und Zustimmung, die berühmte Persönlichkeiten für scheinbar kleine Akte der Revolution bekommen, können aber die mühevolle Arbeit von AktivistInnen schmälern, wenn sie in der Debatte vereinnahmt und nicht gewürdigt werden.

Aus feministischen Kreisen gibt es aktuell auch Kritik für die Aufregung und umfassende Unterstützung von Ratajkowskis Posting. "Sobald jemand wie sie ein Prozent dessen tut, was ich und andere feministische Künstlerinnen leisten, liket und teilt ihr retuschierte Achselhaare und oberflächliche Essays", schreibt die Künstlerin Moshtari in einer Instagram-Story am Wochenende. In ihrer Kunst thematisiert sie häufig weibliche Körperbehaarung, die immer noch ein gesellschaftliches Tabu ist - besonders für Frauen, die nicht weiß und nicht normschön sind.

Sie prangert die schleppende Unterstützung für feministische AktivistInnen und KünstlerInnen an, die tatsächlich daran arbeiten würden, gesellschaftliche Strukturen zu verändern. "Heimlich wollt ihr selbst eine dieser Privilegierten sein, anstatt euch eine radikale Vorstellung einer anderen Welt zu machen." Das sei das Grundproblem in allen Debatten über Schönheitsideale: "Anstatt Schönheit neu zu denken, wollen wir einfach nur von den 'cool kids' der Industrie akzeptiert werden." Und so verändert man eben keine Strukturen.

 

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