"Sie vergewaltigen Frauen, sie verbrennen Leichen und werfen sie in den Nil wie Ungeziefer" - Was gerade im Sudan passiert

Nachdem der Militärrat im Sudan zivile Proteste brutal niedergeschlagen hat, eskaliert die Situation weiter. Die Kommunikation zur Außenwelt ist erschwert. In den sozialen Medien aber solidarisieren sich gerade Unzählige. Sie fordern die Welt auf, hinzusehen.

Eine junge Frau in weißen Gewändern steht mitten in einer Demonstration auf einem Auto, skandiert gemeinsam mit anderen Frauen gegen eine repressive Regierung - das Bild der 22-jährigen Studentin Alaa Salah aus Khartum, der Hauptstadt des Sudan, ging im April dieses Jahres um die Welt. Es ist zum Symbol der Protestbewegungen gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Hasan Ahmad al-Baschir geworden. Am 11. April 2019, nach mehr als 30 Jahren Diktatur, wurde der bisherige Machthaber bei einem Militärputsch festgenommen und abgesetzt. Seitdem protestieren die Menschen im Sudan friedlich für Demokratie und Freiheit.

Die nun herrschende Armee aber geht seit vergangener Woche brutal und gewalttätig gegen die Protestbewegung vor. DemonstrantInnen werden ermordet, gefoltert und vergewaltigt. Allein bei der gewaltsamen Räumung von Straßenblockaden in der letzten Woche starben nach Angaben des Zentralkomitees sudanesischer Ärzte mehr als 100 Menschen. Das Gesundheitsministerium sprach hingegen von lediglich von 61 Toten landesweit, wie Die Zeitberichtet. Genaue Angaben zur Opferzahl sind ob der Mediensperre aber kaum möglich.

Der UNO-Sicherheitsrat kritisiert die Gewalt an ZivilistInnen und hat die Militärführung aufgefordert, die Menschenrechte zu beachten. Die Opposition hatte ihren Streik am Sonntag unterbrochen und erklärte sich zu erneuten Verhandlungen mit der Militärführung bereit. Mitte Mai hatten sich beide Parteien grundsätzlich darauf geeinigt, dass ein gemeinsamer Übergangsrat das Landes in den kommenden drei Jahren in die Demokratie führen soll. Seither herrschte aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll - mit Gewalteskalationen.

Solidarität für den Sudan und blaue Profilbilder

Am Wochenende schreibt die in New York lebende InfluencerinShad (@hadyouatsalaam) auf Instagram: "In meinem Heimatland Sudan geschieht gerade ein Massaker, seit vier Tagen gibt es eine Mediensperre und das Internet wird zensiert." Sie berichtet von Gewalt und Erniedrigung, von Folter und Morden. Frauen würden vergewaltigt, Menschen ermordet und ihre Körper verbrannt werden. "Die verbrannten Leichen werfen sie [die Militärs, Anm.] in den Nil, wie Ungeziefer." Auf einem der Fotos dazu weint sie.

Fast eine halbe Million Menschen liken das Posting. Sie zeigen sich solidarisch, teilen die Geschichten aus dem Sudan und machen auf die menschenrechtsverletzende Situation aufmerksam. Viele ändern ihr Profilbild auf das Blau, das zur Symbolfarbe der Protestbewegungen geworden ist. Die Aktivistin Remaz Mahgoub Khalaleyal (@reresolve_) hat in einem Posting dazu aufgerufen. Damit die Stimmen der sudanesischen Bevölkerung gehört würden, bräuchte es die Aufmerksamkeit der Welt: "Du musst nicht aus dem Sudan sein, oder Schwarz oder aus Afrika, du musst auch nicht muslimisch sein - weil es reicht, ein Mensch zu sein um zu verstehen, dass das Leiden dieser Menschen dein Leiden ist."

 

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