Sich selbst in Boudoir-Shooting sexy finden: Unfeministisch oder selbstermächtigt?

Sind die stilvollen Unterwäschefotos ein Push für das eigene Selbstbewusstsein oder für 2022 überholt? Die Meinungen in der Redaktion gehen dazu auseinander. Wie seht ihr das?

Sich selbst in Boudoir-Shooting sexy finden: Unfeministisch oder selbstermächtigt?

Habt ihr schonmal sexy Unterwäsche-Fotos machen lassen? Sei es für den*die Liebste*n oder nur für das eigene Selbstbewusstsein: Boudoir-Shootings sind im Trend und gerade in Zeiten von Selfies und Sexting findet man auch auf Tiktok oder Instagram vermehrt Anleitungen, wie man selbst zuhause ein paar sexy Fotos hinbekommt. Die sind natürlich aber nicht so schön wie vom Profi.

Unter dem Begriff Boudoir versteht man übrigens Bilder, bei denen man einen Blick ins Ankleidezimmer wirft. Es sind weniger Aktfotos als sinnliche, intime Unterwäsche-Bilder. Als das Thema bei uns in der Redaktions-Sitzung aufkam war schnell klar: Hier gehen die Meinungen auseinander. Während die einen sich dadurch selbstbewusst und empowered fühlen, finden die anderen sie unfeministisch und gar nicht cool. Wie seht ihr das?

Zwei Kolleginnen erklären ihren Standpunkt:

"Ich verliebte mich in meinen Körper"

Den größeren Teil meines Lebens waren mein Körper und ich auf Kriegsfuß. Zu viel an dieser Stelle, zu wenig an einer anderen und die falsche Form an wieder einer anderen. Als ich 18 wurde schenkten mir meine männlichen guten Freunde ein Fotoshooting bei einer Boudoir-Fotografin. Sie wollten mein Selbstbewusstsein pushen. Mich rausholen aus diesem Strudel voller Selbstzweifel. Ich fand die Idee furchtbar. Nackt vor einem fremden Menschen posieren, nur damit ich dann Fotos bekomme, wo man all meine Makel sieht? Nein, danke! Schließlich ging ich doch hin. Und auf dem Weg dorthin überlegte ich noch, dass es der gänzlich falsche Zeitpunkt war, weil ich davor noch einige Kilo abnehmen hätte sollen. Und dann passierte etwas sehr Magisches. Die Fotografin sagte mir immer wieder, wie wunderschön ich sei, wie großartig ich wirkte, dass ich gemacht war für die Kamera. Und ich glaubte ihr. Und nicht nur das, die Bilder sagten genau das. Ich verliebte mich dadurch das erste Mal ein bisschen in meinen Körper, weil die Bilder mir Seiten zeigten, die ich so von mir nicht kannte. Ein paar Jahre später buchte ich wieder ein Shooting – und kam diesmal schon selbst mit Ideen und Outfits. Vor etlichen Wochen probierte ich es dann mal selbst daheim nachdem ich so viele Videos von Tiktokerinnen gesehen hatte, dass man das auch allein hinbekommt. Die Bilder wurden nicht so toll wie vom Profi. ABER ich nahm mir Zeit für mich, fühlte mich sexy und gut. Und um mehr geht es dabei doch auch nicht.

"Wieder etwas, das man für Männer tut"

Warum ist es so wichtig, dass man sich sexy fühlt? Was ist der Benefit davon? Richtig. Am Ende geht es doch wieder darum, dass man einem Mann (oder einer Frau) gefällt und für diese*n ein sexuelles Objekt wird. Natürlich kann man nun mit der Diskussion kommen, dass man diese Bilder für sich selbst macht. Weil man sich darin sexy und attraktiv findet. Aber in dem Fall bitte ich kurz darüber nachzudenken: Warum wollen wir uns unbedingt sexy finden? Und warum ist das wichtiger, als wenn wir uns klug, hübsch, mutig oder lustig finden? Am Ende machen wir dieser Bilder vielleicht für uns, sie landen dann schlussendlich aber als Geschenk bei der*m Partner*in, an der Wand um ihn*sie anzuturnen oder Ähnliches. Wir können es natürlich unter dem Mantel der Selbstermächtigung machen, aber wen belügen wir damit eigentlich genau? Am Ende ist es alles eine Folge des Patriarchats. It is what it is und es ist ja auch okay, wenn man das gerne macht. Aber spielen wir es nicht unter dem Namen der Selbstermächtigung.

 

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