Show and Sound

Melodische Mode-Töne und viel Bass: Das Berliner Sound-Duo Blitzkids stattete Wien erst kürzlich einen klangvollen Besuch ab. Doch nicht nur musikalisch sind die Newcomer am Vormarsch - auch modisch hat man was zu bieten. Und genau darüber unterhielten wir uns mit den Beiden ....

Sie liebt es an ihren Bühnenoutfits zu basteln, er schraubt am Sound heraum. So oder ähnlich könnte man die kreative Aufteilung fernab der Bühne von Blitzkids mvt. in Worte fassen. Natürlich, ihre - also die von Sängerin NOMI - erste Leidenschaft ist die Musik, aber dennoch wird ihre Liebe zur Mode gleich beim ersten Anblick ersichtlich ... Er, der Produzent PETONE, verfügt über ein eher "gefährliches Halbwissen" was Mode betrifft - sagt er zumindest. Und dennoch ist das mit verzerrten Stimmen und brubbelndem Bass arbeitende Musiker-Duo ein lebendes Gesamtkunstwerk - und hier kommt die Silbe "mvt." (steht für movement) zum Einsatz: eine Bewegung eben.

Blitzkids Talk Berlin laesst

Zuerst gelang es Blitzkids mvt. mit ihrem Vorentscheid für den Eurovision Song Contest auf sich aufmerksam zu machen. Jetzt folgt ihre Debüt-Platte: "Silhouettes". Ebenfalls ein musikalisches wie modisches Statement.


Doch jetzt zum Interview mit dem Berliner-Sound-Duo:

Kate Fronius: Mode spielt bei Euch anscheinend eine tragende Rolle. Wie nützt ihr den Synergie-Effekt aus Mode & Musikk, oder welchen Stellenwert hat diese Stil-Kombination für Euch?

NOMI: Naja, ich sag mal, es ist kein Muss und kein Künstler muss klamottentechnisch durchdrehen ... je nachdem, ob es zu einem passt. Und zu uns passt es einfach. Ich glaube auch nicht, dass man es mir hätte verbieten können (lacht) ... also klar, die erste Liebe ist die zur Musik, aber ich habe schon vorher angefangen in der Modebranche zu arbeiten und das macht mir einfach tierisch Spaß. Jetzt habe ich ja auch wirklich die Möglichkeit, all das zu machen, oder fast alles, worauf ich Bock habe.

K.F.: Du warst früher als Stylistin tätig, richtig?

NOMI: Genau. Und klar, man muss am Ende schon mit ein paar Leuten Absprache halten und kann hier nicht sein einziges Egoding durchziehen ...

PETONE: Würdest du gerne - ha! ... Kannst du aber auch (lacht) - ich habe dir auch noch nie was verboten?!?

NOMI: ... (lacht) das stimmt allerdings! Ja, ich selber finde es auch einfach wahnsinnig inspirierend. Wenn ich zum Beispiel auf ein Roísín Murphy Konzert, oder zu Björg, oder was auch immer, gehe und nicht nur einen geilen Sound zu hören bekomme, sondern auch tolle Kostüme und ein tolles Licht.

K.F.: Aber wie schwierig ist es eigentlich, als recht neue Band, seinen eigenen Stil zu finden - manchmal hört man ja Vergleiche wie: Du bist die Deutsche Lady Gaga usw.?

NOMI: Ich ... ja... ich weiß ja, woher das rührt (grinst). Für jemanden, der sich nicht mit Mode beschäftigt, gehört das alles irgendwie zusammen. Bei all jenen, die einen Schnall davon haben, ist es sofort klar, das es da sehr wohl Unterschiede gibt... Außerdem gibt es ja viele Musiker, die immer mit krassen Kostümen aufgetreten sind wie beispielsweise David Bowie, und das war sicherlich vor Lady Gaga. (lacht) Ja, deswegen ist der Vergleich für mich so... ja, naja...

"Wenn wir ein neues Video drehen, kucke ich immer zuerst auf totemfashion.com - das ist super inspirierend."
von NOMI, Sängerin von Blitzkids mvt.

K.F.: Und wie würdest Du dann deine Linie beschreiben?

NOMI: Was mir einfach immer sehr wichtig ist - und was beispielsweise auch ganz anders ist als bei Lady Gaga - ist: ich steh' halt viel mehr auf einen androgynen Look. Ich muss gar nicht soviel zeigen und finde es auch gar nicht so notwendig. Wie beispielsweise die Armis, die mit Sexyness überzeugen müssen - hier am besten noch was 'rein, da noch mehr raus usw. Erstens könnte ich das gar nicht und außerdem finde ich es viel interessanter, mehr angezogen zu sein.

K.F.: Petone, wie gehst Du eigentlich mit Mode um?

PETONE: Naja, nicht so expressiv (grinst) - ich mag Sachen, in denen ich mich wohlfühle und wenn ich so ein Teil gefunden habe, kaufe ich mir gleich mehrere Stück davon und trage sie laufend.

K.F.: Aber gibst Du auch Inputs, was Eure Auftritte betrifft?

PETONE: Ne, ne,... das ist Nomis Sache! "ir sprechen uns zwar ab und sie fragt mich dann: "Wie findest du das, wie findest du das?", aber warum soll ich mich so auf Krampf, wenn ich so ein gefährliches Halbwissen habe, da noch einmischen. Deswegen: Nö, da vertraue ich ihr. Das ist ihr "Part of the Game".

NOMI: Dafür sitzt du dann nachts im kleinen Studio und schraubt die Beats zusammen...

PETONE: Genau (grinst!). Aber Musik und Mode hat bei uns, würde ich sagen, wirklich jeweils einen 50/50-Stellenwert. Es ist live einfach auch wahnsinnig wichtig ...

K.F.: Blitzkids Movement war ja wirklich mal, wie das Wort schon sagt, eine Bewegung. Wie seit ihr zu dem Namen gekommen, steckt hier auch eine versteckte Stilnote dahinter?

PETONE: Hmmm.... anfangs war es in erster Linie die Phonetik des Wortes, dann kamen noch rechtliche Aspekte hinzu - deshalb das "mvt.". Aber wir haben irgendwann auch festgestellt, dass wir einen festen Kern an Leuten haben, mit denen wir zusammenarbeiten und das drückt das auch irgendwie aus - den fester Kern... das ist zwar bei jeder Band so, nur bei den Meisten wechseln die Leute stetig. Bei uns bleibt das bestehen. Und ich glaube eben auch, weil das so ist, hat das seine Begründung.

NOMI: ... aber gar nicht so beabsichtigt. Es gehört natürlich schon dazu und ja, das ist so und vervollständigt alles.. es hat sich einfach so entwickelt.

PETONE: ... ist zusammengewachsen!

K.F.: Noch eine Modefrage zum Abschluss an Dich, NOMI: Was war bis dato dein schrägstes Outfit, das Du je getragen hast?

NOMI: Hmmm ... über die Grenzen bin ich, glaube ich,
noch gar nicht gegangen. Aber mein liebstes war das für den Eurovision Song Contest, weil es irrsinnig viel Aufwand war. Es war das erste, dass ich in Auftrag gab, weil hier endlich mal Geld da war, damit ich es nicht selbst machen musste - so wie hier diese Jacke (lacht). Das Spiegelkostüm, das trage ich auch heute. Wir haben damals zwar alles aufgezeichnet, aber das selbst zu machen, wäre viel zu schwierig gewesen - ich bin auch viel zu ungeduldig. ... und als es dann ankam, war ich wirklich so: „freu!", "juhu", ich glaube das werde ich auch für immer behalten.

Abschließend noch etwas zum Ansehen - der Song mit dem Blitzkids mvt. die Eurovision Song Contest-Vorentscheidung rockte:

 

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