Shitty Mom

Ein neuer, frecher Mütterratgeber lässt aufhorchen: Die Autorinnen von "Rabenmütter" propagieren einen radikalen, mütterlichen Schongang in Sachen 24 Stunden-Kinderbetreuung. Wir haben den genialen US-Bestseller zwischen Realsatire und Kinder-Komödie auf seinen Wahrheitsgehalt getestet ...

Laurie Kilmartin, Karen Moline, Alicia Ybarbo und Mary Ann Zoellner sind berufstätige Mütter wie du und ich. Nur eines unterscheidet sie grundlegend von anderen: Sie gestehen sich offen ein, dass Kinder - und alles was mit ihnen zu tun hat - anstrengend sind. Und wie begegnet man jeder Form von Anstrengung im Alltag? Mit Humor natürlich!

Und so lernt die von Gewissensbissen geplagte mütterliche Leserin von Laurie & Co, dass auch andere Mütter Sportveranstaltungen für Kinder und langweilige Zootiere furchtbar finden, dass Kindergeburtstagspartys für die veranstaltenden Mütter die Hölle auf Erden bedeuten und dass es keine Nicht-Mama es jemals wirklich ernst meint, wenn sie sagt „Bring dein Kind ruhig mit - das wird sicher lustig!".

Zur Entspannung gibt es haufenweise Tipps und Tricks aus dem reichen Erfahrungsschatz der Autorinnen gewürzt mit Slapstick-Einlagen für Berufskomikerinnen und Statisten. Kurz, wer dieses Buch liest und sich nur ansatzweise mit dem Erzählen identifiziert, biegt sich schon bei den ersten Seiten vor Lachen.

Spätestens nach dem „Rabenmütter-Quiz" und den daraus gewonnenen (Selbst)Erkenntnissen gehört man selbst zu den „sh*tty Moms" also zu den „lausigen Müttern" wie sich die Verfasserinnen von „Rabenmütter" in der englischen Originalfassung augenzwinkernd nennen.


Situation Nr. 1

„Mit Kindern unterwegs". Man multipliziere seine schlimmsten Befürchtungen mit tausend und addiere zehn Millionen dazu.

Trotz perfekter Vorbereitung (Ausrüstung mit Wasserflaschen, Apfelscheiben, Käsebroten, Büchern, Buntstiften, DVD-Player) treiben die in den dunklen Künsten der Selbstunterhaltung ungeübten Kids ihre Chauffeurin in den Wahnsinn. Ein Albtraum zwischen ungeplanten Pinkelpausen, Kotzeimern und Routensuche bei Kindergebrüll.

Die Tipps der Expertinnen:

  • Die Kinder schmoren lassen (unter Androhung das Fahrzeug sofort zu wenden).
  • Aufgeben und wenden.
  • Skypen statt Reisen.

Unser Urteil: 100 % Wahrheitsgehalt.

Situation 2

„Endlich kann ich mit meinen Kindern im Restaurant essen. Danke, Angry Birds!"

Der Widerstand gegen Computerspiele wird gern aufgegeben, wenn im Lokal das Essen serviert wird.

Die Tipps der Expertinnen beim „Lügen in der digitalen Welt":

  • „Mama checkt nur ihre E-Mails!" wenn die Rabenmutter am bildschirmfreien Sonntag surft.
  • „Sorry, mein Akku ist leer/mein Gerät ist kaputt/kann mein Handy nicht finden!" um den überflüssigen Gebrauch von elektronischen Geräten durch das Kind einzuschränken ohne das Gesicht zu verlieren.

Unser Urteil: 100 % Wahrheitsgehalt.

Situation 3

„Wie man sein krankes Kind - von den Erzieherinnen unbemerkt - im Kindergarten abliefert."

Das kranke Kind wird morgens zur Stoßzeit im Kinderarten abgeliefert und das Handy abgestellt, damit die Erzieherinnen die verantwortungslose Mutter nicht vom Schlussdienst von der Arbeit nach Hause rufen kann.

Unser Urteil: Wahrheitsgehalt: 20 %. Hier sind wir auf die Tricks der Sh*tty Moms ausnahmsweise nicht scharf. Für solche Notfälle gibt es im österreichischen Arbeitsrecht den Pflegeurlaub.

Jede der vier Autorinnen ist - so der Klappentext des Buches - auf ihre eigene Weise eine gute Rabenmutter.
Laurie Kilmartin ist eine Stand-up-Comedian und lebt mit ihrem Sohn in Los Angeles.
Karen Moline ist Journalistin und Autorin.
Alicia Ybarbo und Mary Ann Zoellner sind TV-Produzentinnen.
 

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