Shake it, Baby!

Gekonnt die Brust-Troddeln kreisen lassen wie Dita von Teese – das wär’s doch, dachte sich WIENERIN-Autorin Julia Wilczok und lernte in der New Yorker School of Burlesque die Kunst des erotischen Nippeltanzes.

Es gibt Szenen, die sich ins Hirn einbrennen. Etwa jene aus dem Kultfilm "Die Reifeprüfung", in der eine Stripteasetänzerin wie wild die Fransentroddeln auf ihren Brüsten rotieren lässt und den blutjungen Dustin Hoffman zum Schwitzen bringt. Mit 13 war ich davon sehr beeindruckt. Und spätestens seit Dita von Teese in den frühen Nullerjahren ihre funkelnden Nippelschilde im Gleichklang kreiste, gehört diese Disziplin der Burlesque, der Kunst des erotischen Entblätterns, sowieso zu jenen Partytricks, die ich gern beherrschen würde. Also buchte ich einen Kurs in der New Yorker School of Burlesque.

Und links herum!

Die erste Lektion: Glamourös ist anders. Der Kursort, eine Turnhalle im Stadtteil SoHo, riecht muffig und aus dem Ghettoblaster ertönt Fahrstuhlmusik. Lehrmeisterin Jo Weldon, Spitzname „Boobs", ist knapp 1,60 m. Immerhin: Sie hat rotgefärbtes Wallehaar, eine Wespentaille und einen alle natürlichen Proportionen sprengenden Vorbau. In Amerika ist es nicht unüblich, seinen „girls", also den Brüsten, Namen zu geben. Die von Pamela Anderson heißen zum Beispiel „Pancho und Lefty" - schließlich kann man zu Dingen, die man benennen kann, eine engere Beziehung aufbauen. Ob Jos „Mädels" Namen haben? Wir üben zunächst das „tassle twirling" (frei übersetzt: „Quastl-Wirbeln") links herum, rechts herum, auf und ab - allerdings nicht oben ohne, sondern im T-Shirt. Strippen mit Alltagskleidung ist so ähnlich wie Sex am Strand: in der Vorstellung ganz prickelnd, in der Umsetzung eher mau. Das Ganze sieht eher aus wie schnelle Kniebeugen bei der Skigymnastik. „Immer schön die Knie weich lassen!", ruft Boobs denn auch. Ich fühle mich wie diese Knick-Giraffen, die man früher in Zahnarztpraxen bekam. Und meine imaginären Troddeln purzeln eher, als dass sie wirbeln.

Neckisch.

Frau ist eben nicht von Geburt an eine vollendete „Stripteaserin". „Tease" bedeutet necken, und wir lernen gleich, dass genau dieses „Teasen" der wichtigste Faktor des kunstvollen Ausziehens ist: Reißverschluss auf, ein bisschen den BH blitzen lassen, und - zipp! - Reißverschluss wieder hoch, schnell alles einpacken. Die Erfolgsformel der Verführung nach Boobs: „Biete es ihm erst kurz an. Und nimm es ihm dann sofort wieder weg." Auch ein vielversprechendes Rezept: „Shake what your mama gave you!" Wir schütteln uns, wir rütteln uns, die junge Frau neben mir steckt sich den Zeigefinger in den Mund, um mit dem angefeuchteten Finger anschließend wild in ihrem eigenen Dekolleté herumzuwurschteln. Sexy sieht das zwar nicht aus, aber Boobs kommentiert den Versuch mit einem „Wow, grrreat!" Es klingt, als knurre mein alter Kater. Ich starre geradeaus in den Spiegel, um nicht lachen zu müssen, und arbeite konzentriert an der Verbesserung meines Linksschwungs. Zum Finale greift Boobs zur Perlenkette, schnürt ihre Brüste damit zu kleinen Paketen - um mal zu zeigen, was frau damit eigentlich alles anstellen kann. „Wenn Sie daheim keinen Mann haben, dann üben Sie einfach vor Ihrer Katze", rät Boobs. „Aber Vorsicht, die schnappen gern nach langen Brusttroddeln!" Ein Glück: Mein Kater ist viel zu faul und hat außerdem keine Zähne mehr.

Scharfe Mieze.

Am Ende der Stunde sind wir bereit für unseren ersten Auftritt in „einer richtigen Burlesque-Show". Behauptet jedenfalls Jo. Ich werde lieber noch ein bisserl vor dem Kater üben. Von dem kann ich vielleicht noch das laszive Knurren lernen. Grrr!

Oh, là là!
Die „Marianne“ ist Nationalsymbol der Französischen Republik und steht als Büste in jedem Rathaus. Dem Bürgermeister eines Dorfes war seine Marianne zu großbusig – er ließ sie austauschen.

Drüsentrieb
Die Brustwarze ist nicht eben, sondern weist kleine Verdickungen auf, 10 bis 15 Stück dieser „Montgomeryschen Drüsen“ hat jeder Warzenhof, die Talg und Duft absondern.
 

Aktuell