Sexistischer Tatort in Köln "Kartenhaus"

Der Kölner Tatort am Sonntag war ein wunderbares Beispiel für Vergewaltigungskultur und zeigt das fragliche Frauenbild des Autoren.

„Was ist das für ein Auto?“ Laura kommt aus sehr gutem Hause und ihr größtes Talent ist, Fragen zu stellen, deren Antwort offensichtlich ist. (Es war gestohlen). Der Kölner Tatort von letztem Sonntag entblößte nicht nur ein sehr fragwürdiges Frauenbild des Drehbuchautoren Jürgen Werner, man kann es getrost auch als Teil unserer Vergewaltigungskultur bezeichnen. In der Geschichte drehte es sich um den jungen Adrian Tarrach, der aus sehr schlechten sozialen Verhältnissen kommt und sich in Laura verliebt. Laura wiederum würden alle Möglichkeiten offen stehen, leider tendiert sie dazu zu lügen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. In den Medienberichten und auf Twitter wurde vor allem der „Bonnie und Clyde“-Charakter der Handlung hervorgehoben, da das enthemmte Liebespaar gemeinsam flüchtet nachdem Adrian Lauras Stiefvater umgebracht hat, weil der Laura vergewaltigt haben soll. Alles eine Lüge, wie sich herausstellt, es ist nicht das erste Mal, das Laura Vergewaltigungen erfindet. Laura lügt nicht nur, sie ist auch naiv, hysterisch, impulsiv und muss vom ruhigen und taktisch vorgehenden Adrian immer wieder beruhigt werden. Am Ende hat man fast Mitleid mit dem mittlerweile dreifachen Mörder Adrian: Angesichts seiner aussichtslosen Situation bringt er sich um. Dabei wäre er so klug gewesen: Die Kommissare erwähnen, dass er in der Schule als sehr intelligent auffiel, aber leider die Kurve nicht gekratzt hat.

Tatort bestärkt Vergewaltigungskultur

Hier ist das Problem mit dem Tatort „Kartenhaus“: Falschanzeigen über Vergewaltigungen passieren genauso häufig oder selten, wie Falschmeldungen über alle anderen Verbrechen. Sie bleiben im einstelligen Bereich, je nach Statistik zwischen 2 und 8 Prozent. Der einzige Unterschied ist, dass bei Vergewaltigungen viel öfter davon ausgegangen wird, dass das Opfer lügt. In weiterer Folge werden Frauen, manchmal auch Männer, beschimpft und degradiert, meist werden die Vergewaltiger freigesprochen. Nur 17 Prozent der angezeigten Täter von Vergewaltigungen in Österreich werden verurteilt. Das ist es, was wir meinen, wenn wir von „Vergewaltigungskultur“ sprechen, eine Kultur, die die Täter schützt und die Opfer beschuldigt. Die Annahme, dass falsche Vergewaltigungsbeschuldigungen häufig vorkommen, wird durch Darstellungen wie im Tatort gefestigt. Sie gibt Frauen das Gefühl nicht ernst genommen zu werden und macht es umso schwieriger für sie, die Täter auch tatsächlich anzuzeigen.

Diese Grafik zeigt eindrucksvoll, dass nicht Falschanzeigen, sondern nicht angezeigte und nicht verurteilte Vergewaltigungen das eigentliche Problem sind.

Dieses Frauenbild hält Opfer davon ab, Vergewaltigungen anzuzeigen

Natürlich ist Tatort eine fiktive Geschichte in der auch seltene Einzelfälle behandelt werden können, aber mediale Frauenbilder beeinflussen auch unsere Wahrnehmung von der Realität. In diesem Fall bestärken sie das Bild von regelrecht hysterischen Frauen, die Vergewaltigungen erfinden und damit sachlich agierenden Männern das Leben schwer machen. Neben der weiblichen Protagonistin kommen nur noch 2 weitere Frauen im Köln-Tatort vor, die beiden Mütter der Täter. Beide wirken auch eher labil, Lauras Mutter zum Beispiel reagiert komplett unbedarft, als sie gefragt wird ob Laura in psychologischer Behandlung für ihr Lügenproblem war. Die Folge reiht sich perfekt ein in das Frauenbild des Tatort: Bei weiblichen Kommissarinnen wird unentwegt ihr Aussehen thematisiert, wenn es überhaupt welche gibt. Ein rein weibliches Team steht generell noch aus. Der Österreich-Tatort brilliert außerdem meist mit wunderbar rassistischer Handlung: Als Täter wird jedes Mal eine andere ausländische Bevölkerungsgruppe ausgewählt. Und am Ende kriegt immer irgendein Ausländer eine von Harald Krassnitzer in die Fresse gehauen.

 

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