Sexistischer Kalender der Polizei Oberösterreich sorgt für Aufregung

Ein Foto der Polizei in Oberösterreich auf deren Facebook-Seite sorgt für Wirbel: darauf sind Polizisten zu sehen, die an Frauen in Bikinis vorbeigehen.

Ein Foto, das die Polizei Oberösterreich am Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte, sorgt derzeit für Aufregung: Eine Polizistin und ein Polizist spazieren beim Linzer Brucknerhaus vorbei. Rechts davon liegt eine blonde Frau im Sand, oben ohne. Eine zweite Frau sitzt im Bikini auf einer Hängematte. Die Polizistin ermahnt ihren Kollegen mit erhobenem Zeigefinger offenbar dazu, nicht hinzusehen.

Die Polizei OÖ stellte das Bild auf ihren offiziellen Facebook-Account - als Titelbild. Doch nicht nur dort ist das Foto zu sehen: Es ist Teil des offiziellen Kalenders der Landespolizeidirektion Oberösterreich, wie uns eine aufmerksame Leserin mitteilte. Der Bildtext dazu lautet: "Auch wir schauen überall dort hin … wo was los ist, wie hier an der Linzer Donaulände".

Bereits im März habe sich die Leserin, die anonym bleiben will, bei der Polizei beschwert - zurück kam eine "befremdliche und teils unverschämte Antwort von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit."

Sie hatte in ihrer Mail kritisiert, dass das August-Sujet des Kalenders sexistisch sei und die "Grenzen des guten Geschmacks" überschreite. Sie prangerte die objektivierende Darstellung der Frau und die klischeehafte Darstellung des Mannes "als triebgesteuerter, primitiver Mensch" an. "Ich bin der Ansicht, dass Grundsätze, die für private Werbende gelten, umso mehr für jegliche Aussendungen staatlicher Organe gelten müssen. Sie tragen eine ungleich höhere gesellschaftliche Verantwortung in Ihrer Kommunikation", stellte sie in ihrer Mail fest.

Die Antwortmail der Polizei Oberösterreich, die der Redaktion vorliegt, ließ sie ratlos zurück

Die Antwortmail der Polizei OÖ überraschte die Frau zusätzlich. Darin steht etwa geschrieben, dass die Darstellung des polizeilichen Alltags "im Großen und Ganzen sehr gelungen" sei, und weiter:

"Haben Sie schon einmal die „Strandbar“ an der Linzer Donaulände besucht? Dort genießen viele junge Menschen entspannt ihre Freizeit. Mitunter auch „oben ohne“ – Männlein wie Weiblein. Somit zeigt das Foto aus unserer Sicht eine Szene, die für die Donaulände (Gott sei Dank!) ganz normal und selbstverständlich ist: zwei Damen genießen die Sonne, die beiden Polizisten (Mann und Frau) schauen auf die beiden und ihre Wertgegenstände (offene Taschen, etc.)."

Ob die Pose der abgebildeten Frau "lasziv" sei, könne die Polizei nicht beurteilen. "Jedenfalls sind wir keine Orthopäden die über die „Natürlichkeit“ einer Köperhaltung aus medizinischer Sicht urteilen könnten", steht in der Antwortmail geschrieben. "Es braucht daher keine moralischen oder sonstigen Instanzen, die mit erhobenen Zeigefinger wie unter Metternich oder in Orwells 1984 festlegen was „gut“, „schlecht“, „natürlich“ oder (ganz furchtbar!) „wider die Natur“ ist."

Ein pikantes Detail ist der Leserin unter dem Foto auf Facebook ebenso aufgefallen: die Polizei OÖ hat bei einem Facebook-Kommentar, der darauf anspielt, dass Oberösterreich seit der Flüchtlingskrise 2015 nicht mehr sicher sei, auf "Gefällt mir" geklickt:

Das Foto auf Facebook wurde jedoch entfernt, nachdem die Frauensprecherin der SPÖ Oberösterreich, Sabine Promberger, Kritik übte: „Sexistische Werbung ist bei der Polizei fehl am Platz“, teilte sie in einer Aussendung mit. „Das Bild löst bei mir nur Kopfschütteln aus und ist purer Sexismus. Was genau ist die Botschaft, die uns die Polizei damit senden will, wenn Polizeibeamte süffisant lächelnd an halbnackten Frauen vorbeimarschieren? Was hat das mit der Sicherheitsaufgabe der Polizei zu tun?“, so Promberger.

"Für uns war das die Darstellung einer Alltagssituation im Sommer. Wir wollten damit keineswegs sexistische Inhalte transportieren", rechtfertigt Polizeisprecherin Heide Klopf laut "Kurier" das Bild, das insgesamt nur eine Stunde online war.

Die WIENERIN.at hat die Pressestelle der Landespolizeidirektion Oberösterreich ebenfalls um ein Statement gebeten: "Wir haben das Bild offline gestellt, weil es eine einzelne negative Reaktion gab. Bis dahin hatten wir 59 Likes, viele übrigens von Frauen. Bei uns haben sich heute viele Menschen im Netz gemeldet. Niemand von ihnen konnte den Sexismusvorwurf nachvollziehen."

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