Sexistische Produkte, die für einen Negativ-Preis nominiert sind

"Der goldene Zaunpfahl" ist ein Negativpreis für besonders absurdes Gendermarketing.

Buben mögen blau, Mädchen mögen rosa. Bagger und Puppen, Fußball und Pferde. Frauen mögen Diäten und Schminke, Männer mögen Fleisch und Autos. Werbung bedient sich immer noch besonders gerne ausgelutschter Geschlechterklischees. Weil das nicht nur überholt ist, sondern unsere Gesellschaft auch nachhaltig beeinflusst, zeichnet der Negativ-Preis Goldener Zaunpfahl besonders sexistische Werbung aus.

2017 hatte der Goldene Zaunpfahl seine Premiere, am 18. April 2018 wird der Preis zum zweiten Mal vergeben. Und bei den Nominierten könnte es ganz schön knapp werden.

Die Nominierten des Goldenen Zaunpfahls 2018:

Papa & Me

Sigikid 2017

Papa & me

"Eine Kollektion speziell für Super Papas" verspricht der Sigikid-Shop und präsentiert eine plüscherne Spieluhr in Bohrmaschinen-Form. Von Papa für seinen Sohn, versteht sich: "Dieses Spielzeug lässt das Herz jedes passionierten Heimwerker-Vaters höher schlagen: die erste kleine Bohrmaschine für seinen Sohn!" So wird auch gleich was für die Vater-Kind-Bindung getan, denn nach Herstellerangaben handle es sich bei der Bohrmaschine um ein Produkt, "das sich speziell an den Mann wendet und ihm den Kauf von Spielsachen für sein Baby erleichtert."

Die Jury sieht das ein bisschen anders: "Hatten Väter bisher tatsächlich Hemmungen, mit ihrem Baby zu spielen, weil sie sich ohne Stoffhammer und Kuschelbohrer nicht zu helfen wussten? Und wenn schon Kuschelwerkzeug (… Srsly?), warum soll es speziell für Söhne und nicht auch für das Spiel mit einer Tochter geeignet sein?"

Herren des Feuers

Edeka 2017

Werbung für Grill-Artikel, die "aus Knaben Männer macht". Denn Männer, das muss klar sein, mögen Fleisch. Im voller Pathos vorgetragenen Reim kürt der Sprecher den zum "Schöpfungskönig, der die größte Feuerkraft besitzt" und bedauert, was aus Grillabenden geworden ist: "Ein Puppenfest, ein Barbie-Q. Was wird dabei nicht alles angericht': Salat, Brot und noch Dips dazu."

Ein wahrer Skandal also. Der zum Grillmeister überzeugte Mann bestätigt dann Fleisch als männlich konnotiertes Grundnahrungsmittel: "Denn am Ende steht einzig, was von Natur gegeben man als Mann nur will."

Die Jury hält nichts davon, in "Männergrillen" und "Frauengrillen" zu untescheiden und winkt mit dem Goldenen Zaunpfahl.

Barbie-Experimentierkasten

Kosmos Verlag 2017

Barbie-Experimentierkasten

"Mit dem ersten Barbie® Experimentierkasten entdecken Mädchen ab sechs Jahren, wie viel Spaß in MINT-Themen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) steckt", tönt es in der Presseinformation des Kosmos Verlages und das klingt eigentlich ganz gut. Das Gefühl vergeht, wenn man sieht, was Mädchen entwerfen sollen und dürfen: "sieben verschiedene Modelle, z.B. einen drehbaren Kleiderständer, ein rotierendes Schuhregal oder eine Waschmaschine."

Die Jury ist sich einig: "[...] das sind keine geeigneten Beispiele, um das physikalische und teschnische Selbstbewusstsein von Mädchen zu fördern".

JAKO-O-Katalog

Herbst / Winter 2017

JAKO-O-Katalog

Dass man in Schulen seit geraumer Zeit nicht mehr in "Buben-Werken" und "Mädchen-Werken" unterscheidet, dürfte an JAKO-O spurlos vorrüber gegangen sein: Männliche Kreativität wird mit einer Werkbank angepriesen, weibliche mit einer Nähmaschine.

Während dann noch ein Vater und ein Sohn in einen See pinkeln, was JAKO-O zu "maskulinen Natur der Sache erklärt", träumt auf einer anderen Katalogseite ein kleines Mädchen im weißem Kleid von ihrer Hochzeit.

Die Jury erinnert sich: Bereits 2017 war JAKO-O für die klischeehafter Darstellung einer Spielküche nominiert. Das sei nicht repräsentativ für den ganzen Katalog, konterte man. Bitteschön, 2018 ist der gesamte Katalog nominiert.

Die Bibel für Frauen und Die Bibel für Männer

SCM R. Brockhaus-Verlag, 2017

Die Bibel für Frauen und Die Bibel für Männer

Weil Religion mit Sexismus noch zu wenig am Hut hat, haben die Menschen vom Brockhaus Bibeln für Frauen und Männer veröffentlicht. Stilecht in maskulinen (mit Stahl) und femininen (mit Blümchen) Designs.

Darin werden Artikel aus biblischer Sicht aufbereitet. Für Frauen bedeutet das vor allem die Sorgen über das Leben und Mutter und ein bisschen um politische Verantwortung. Bei Männern geht es um das Treffen von Entscheidungen, erfolgreiches Scheitern, Zeit, Sex, Geld, Alkohol und Sport. Für besonders Wilde gibt es noch zehn biblische Komplimente für Frauen. Halleluja.

Die Jury hingegen war der Meinung, dass die in der Kirche früher übliche Trennung der Geschlechter längst überwunden sei. Amen.

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