Sexistische Attacken und Drohungen gegen Milborn nach Hofer-Talk

Gestern hat PULS4-Moderatorin Corinna Milborn den Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer interviewt. Unzählige Attacken auf ihre Person folgten.

Geahnt hat Corinna Milborn es ja bereits - und hat schon im Vorfeld ihres PULS4-Interviews mit dem FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer auf Twitter gepostet, dass sie jede "einzelne Mord- oder Vergewaltigungsdrohung, Rufschädigung und Beleidigung" zur Anzeige bringen würde:

Dass das leider mehr als notwendig war, zeigen die Reaktionen auf das gestrige Einzelinterview mit Norbert Hofer beim Sender "Puls 4".

Die - oftmals sexistischen Kommentare - reichten von Postings über ihr Äußeres, über ihren Charakter und ihre Intelligenz. Da stehen etwa Sachen wie "So ein mieses Miststück und Dummerl", oder "Eine Hetzerin" und "Stock deppert". Aufrufe zu Gewalt sind ebenso dabei.

Auch auf der Facebook-Seite des FPÖ-Chefs HC Strache überschlugen sich die hasserfüllten Kommentare. Sätze wie "Es wird einen speiübel wenn man der Funsn zuhört. Intelligenzniveau eines Stück Brot!" oder "Diese frau ist sogar für den stall (die armen kühe) eine zumutung keinen dunst von der materie und sitzt mit ihrem dämlichen grinsen noch vor der kamera" sind nur einige Beispiele.

Selbst FPÖ-Abgeordnete scheuten sich nicht davor, Milborn in aller Öffentlichkeit sexistisch anzufeinden. So schrieb FPÖ-Nationalratsabgeordneter Gerhard Deimek, Milborn sei "sehr blond":

Nach dem Interview, das von vielen auch als kritisch und augenöffnend gelobt wurde, schrieb Milborn auf Twitter: "Liebe Hater, Einschüchterung funktioniert nicht. Weder moderiere ich ein Duell deshalb parteiisch, noch führe ich ein Interview anders." Auch auf Facebook veröffentlichte die Journalistin ein Statement:

"Da einige gefragt haben: Das Klima mit Norbert Hofer selbst war nach dem Interview wie immer sehr freundlich und professionell. Erstaunt bin ich über die Reaktion auf anderen FPÖ-Seiten - Heinz Christian Strache postete noch BEVOR das Interview zu sehen war, dass "Hetze gegen Norbert Hofer" zu erwarten sei; auf Twitter tauchten gestern über 25 neue Accounts ohne Profilbild und ohne Follower auf, die meine Interview-Führung kritisierten. Was sowas an Hass-Nachrichten nach sich zieht, kann sich vermutlich jeder vorstellen.

Ich frage mich, ob es sich da um gezielte Einschüchterung von Journalisten handelt - aber auch wenn es so sein sollte, werde ich sicher nicht die Fragen, die ich in einem Interview stelle, danach ausrichten. Ebensowenig wie nach den Rufen der Hofer-Gegner, man solle das Thema Rechtsextremismus nicht ansprechen, denn "das nützt nur dem Hofer". Wem ein Interview im Wahlkampf nützt, und wie ein Mob reagieren könnte, kann nie der Leitfaden für die Interviewführung sein. Ich nehme mir also heraus, auch weiterhin die Fragen zu stellen, die meinen Sehern und mir wichtig scheinen und Antwort darauf einzufordern."

Andere JournalistInnen zeigten sich solidarisch - und machen auf das grundlegendere Problem von Hass im Netz gegen Journalistinnen aufmerksam:

 

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