Sexismus-Skandal bei Nike aufgedeckt

Eine geheime Umfrage unter Mitarbeiterinnen führte dazu, dass die frauenfeindliche Arbeitssituation ans Licht kam.

Mitarbeiterinnen beklagen in einer geheimen Umfrage das sexistische Betriebsklima bei Nike.

Doch das ist eigentlich gar nicht so neu. Denn der Sport-Riese Nike kämpft schon länger mit Image-Problemen. Nun legt eine groß angelegte Recherche der New York Times nach. 50 aktuelle und ehemalige Angestellte berichteten in einer geheimen Umfrage über regelmäßige sexuelle Belästigung und frauenfeindliche Umstände im Nike Headquarter, im US-amerikanischen Beaverton. Als Frau soll die Arbeit dort "unerträglich" sein, wie einige Betroffene erzählen. So auch die ehemalige Mitarbeiterin Francesca Krane. Sie meinte gegenüber der New York Times: „Ich habe irgendwann realisiert, dass ich als Frau in dem Unternehmen keine Karriere machen kann“. Sie arbeitete fünf Jahre für Nike, bevor sie 2016 kündigte. Sie hielt es nicht mehr aus, dass Männer stets gleich oder besser qualifizierteren Frauen vorgezogen wurden. Eine weitere berichtet, ihr Vorgesetzter hätte seine Autoschlüssel auf sie geworfen und sie als „dumme Schlampe“ beschimpft.

Beschwerden wurden ignoriert

Doch das waren keinesfalls Einzelfälle. Auf Beschwerden sei die Personalabteilung aber nie eingegangen. Und das wundert auch kaum, beachtet man die patriarchalen Strukturen, über die die Befragten erzählten. Demnach endeten Mitarbeiterbesprechungen in Stripclubs, Vorgesetzte gaben mit Kondomen an und küssten Mitarbeiterinnen gegen ihren Willen. Auch vulgäre Bemerkungen über Brüste und andere Geschlechtsteile seien ganz normal gewesen. „Viele meiner Kolleginnen und ich haben eine Kultur erlebt, die unbequem war, gestört, bedrohlich, unfair, Männer bevorteilend und sexistisch“, beklagt eine ehemalige Mitarbeiterin gegenüber der NYT.

Sechs Manager wurden entlassen

Und obwohl Beschwerden und Hinweise bisher ignoriert wurden, hat sich nach den jüngsten Vorwürfen endlich etwas getan. Nikes Markenchef Trevor Edwards musste im März zurücktreten. Jayme Martin, der für das globale Geschäft zuständig war, ebenso. Auch der Chef des Basketball-Geschäfts wurde gegangen. Außer ihnen hat man noch weitere drei Manager entlassen.

Hört sich zwar so an, als hätten die Verantwortlichen endlich verstanden, dass so eine Unternehmenskultur ein wirkliches Problem ist - bewusst scheint es ihnen trotzdem nicht zu sein. Denn auf Nachfrage der NYT antwortete Nike, dass die Vorfälle „auf eine begrenzte Gruppe von Managern“ beschränkt seien, „die sich gegenseitig geschützt und weggesehen haben“. Das soll laut der zahlreichen Berichte aus der geheimen Umfrage jedoch nicht der Fall sein.

Wir haben Nike Österreich/Deutschland um ein Statement gebeten, erhielten aber bis dato keine Antwort. Sollte wir noch eine Reaktion erhalten, veröffentlichen wir es an dieser Stelle.

Mit einem Umsatz von 36 Milliarden Dollar ist Nike der größte Sportartikelhersteller weltweit und beschäftigt 74.000 MitarbeiterInnen. Knapp die Hälfte davon sind Frauen. Aber wie so oft in der Wirtschaft: in der Führungsebene finden sich kaum Frauen.

Aktuell