Sexismus pur: "Post von Jeannée" an Chris Lohner

Sexismus ist keine Meinung, lieber Herr Jeannée! Die Kolumne des Krone-Autors ist unser verdienter "Fail der Woche".

Dass Michael Jeanées Krone-Kolumne "Post von Jeannée" jede Menge Zündstoff bietet, ist ja bekanntlich nichts Neues. Das, was sich der Kolumnist nun aber gegenüber Chris Lohner erlaubt hat, hat nichts mehr mit Meinung zu tun - und schon gar nicht mit Kritik.

Herr Jeannée sieht sich in seiner aktuellen Kolumne dazu "gezwungen", an Schauspielerin und Autorin Chris Lohner Kritik zu üben. Das muss man nicht gut finden, lesen muss man die Krone aber schließlich auch nicht. Problematisch wird es erst, wenn aus der Kritik Respektlosigkeit wird und das ganze dann auch noch mit einer ordentlichen Prise Sexismus aufgetischt wird.

Zur Vorgeschichte: Chris Lohner hatte sich vergangene Woche in einem offenen Brief an den österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen gewandt und ihn zum Handeln gegen die türkis-blaue Regierung aufgefordert. Es sei "unerträglich geworden, täglich von Rechts- und Menschenrechtsverletzung, Verhetzung, verdrehten Tatsachen und dem steten Versuch, das Volk dieses Landes zu spalten, zu hören und zu lesen", so Lohner in einem Posting auf Facebook.

Frauen ernstzunehmen kann soo schwer sein

Jeannée reagierte in seiner Kolumne am Wochenende nun auf Lohners Brief und elaborierte zeilenweise darüber, warum Lohner mit ihrer Meinung so falsch liege. Wer an dieser Stelle erwartet, dass sich Jeannée zu einer stichhaltigen Argumentation Lohners Kritikpunkte hinreißen ließ, muss an dieser Stelle enttäuscht werden. Es folgten Sätze, die stellenweise nicht nur respektlos, sondern zutiefst sexistisch sind: Lohner wird gleich zu Beginn als "ÖBB Stimme" zum verniedlichten, nicht-ernstzunehmenden Objekt degradiert. Danach folgen gleich mehrere Angriffe auf das Aussehen der Schauspielerin, die mit einer inhaltlichen Kritik ihres Briefs nun wirklich gar nichts zu tun haben.

Ein Verhalten, dass im Übrigen nicht nur bei Jeannée System hat: nicht von ungefähr gibt es mittlerweile zahlreiche Studien, die zeigen, dass Frauen in Streitigkeiten oft den Kürzeren ziehen - weil sie nicht ernstgenommen werden. Während man als Frau schnell einmal als "hysterisch" oder "irrational" abgestempelt wird, können Männer mit den gleichen Argumenten die Lorbeeren einsammeln. Michael Jeannée hat es in seiner Kolumne nicht anders gemacht, aber mit seinem unverschämten Sexismus eben noch eine Scheibe draufgesetzt.

Die wahre Größe Jeannées offenbart sich aber zum Schluss, als er seiner Karikatur Lohners mit den Worten "halten Sie sich bitte, bitte aus der Politik heraus, denn davon verstehen sie grausig wenig bis gar nichts" den finalen Todesstoß verpasst. Ironischerweise sei an dieser Stelle hinzugefügt, dass man Jeannées eigene messerscharfe Analyse des aktuellen Politgeschehens im ganzen Text verzweifelt zu suchen vermag.

Lieber Herr Jeannée, wenn Sie tatsächlich nicht fähig sind, ein einziges stichhaltiges Gegen-Argument zu finden, dann sind es vielleicht Sie, der "grausig wenig bis gar nichts" von Politik versteht und sich doch bitte, bitte aus der Politik raushalten soll. Mit Politik hat ihr sexistisches Geschwafel nämlich nichts zu tun!

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

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