Sexismus: Plakatkampagne mit halbnacktem Frauenkörper abgelehnt, mit Männern erlaubt

In Berlin wurde eine Plakatkampagne der erotischen Hörspielplattform femtasy wegen Freizügigkeit abgelehnt. Plakate mit nackten Männern wurden aber problemlos akzeptiert.

femtasy Werbung abgelehnt

Wir leben in einer Welt der Doppelmoral. Weibliche Brustwarzen auf Instagram sind ein Problem und werden zensiert, männliche sind in Ordnung. Nackte Beine von Frauen sind sexy, von Männern existieren sie einfach nur (ganz ehrlich, die wenigsten Menschen haben starke Meinungen zu Männerbeinen). Diese Doppelmoral zieht sich nicht nur durch die gesellschaftliche Wahrnehmung, sondern auch durch die Arbeitsweise von Firmen. So wurde kürzlich eine Plakatkampagne vom Unternehmen femtasyabgelehnt. femtasy ist eine Plattform, die erotische Hörgeschichten anbietet und passend zum Thema wollten sie eine Plakatkampagne rund um das Thema Lustbefreiung veröffentlichen. Die starke Female-Empowerment-Message scheiterte jedoch an den Richtlinien für Freizügigkeit: Mehrere Runden der Plakatentwürfe wurden als zu explizit eingestuft und abgelehnt. Sich leicht abzeichnende Brustwarzen oder weibliche Hüftkurven alles verboten.

Nackte Männer

Das Unternehmen musste also die Plakate komplett neu konzipieren bzw. umplanen und diese zeigen inzwischen nur noch die Schulter und das Gesicht des Models. Spannend an den Richtlinien, aufgrund deren dieses Plakat abgelehnt wurde: Direkt neben dem Plakat von femtasy hängt nun das Plakat einer anderen Organisation, die zwei nackte Männerkörper zeigen, bei denen ein Mann dem anderen in die Unterhose fasst. Das ist ein klares Beispiel davon, wie der weibliche Körper sexualisiert wird, der männliche im Gegensatz nicht.

femtasy 2

Beschwerden?

Gründerin von femtasy, Nina Julie Lepique, wollte mit der Plakatkampagne die sexuelle Lust enttabuisieren und auf das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen in der Hinsicht aufmerksam machen. Konkret spricht sie über den Orgasmus-Gap. Während bei Heterosexuellen etwa 95 % der Männer beim Geschlechtsverkehr zum Höhepunkt kommen, bleiben Frauen mit nur 65 % auf der Strecke.

Dass dieses Thema bzw. die Darstellung abgelehnt wurde, sieht sie als klares Zeichen von Sexismus: "Als Gründe für die Zensur wurde unter anderem angegeben, dass unsere Darstellung erfahrungsgemäß die Beschwerden von Passant*innen nach sich ziehen würde. Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Debatte um selbstbestimmte Sexualität, gerade wenn sie von Frauen angestoßen wird, immer noch ein großes gesellschaftliches Tabu ist. Auf einem der Motive war beispielsweise zu sehen, wie sich ein weiblicher Nippel durch den BH-Stoff drückt. Hier wird die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern sichtbar: Neben dem neuen femtasy-Plakat am Alexanderplatz hängt aktuell eine Darstellung von zwei oberkörperfreien Männern, die sich in die Hose fassen."

"Habe mich wohl gefühlt"

Auch femtasy-Mitarbeitern Shivani Sawant, die für die Plakate als Model zur Verfügung stand, sieht den Umgang als Eingriff bzw. Zensur der weiblichen Lust: "Ich habe begeistert am Fotoshooting teilgenommen, bei dem ich in Kleidung fotografiert wurde, in der ich mich absolut wohl und frei fühlte. Die Zensur, mit der wir konfrontiert wurden, ist eine weitere traurige Erinnerung daran, dass der weibliche Körper immer noch politisiert und sexualisiert wird – nur weil er existiert. Während ich mich persönlich in meinem Körper, sowie mit meiner Sexualität und meinem Verlangen immer wohler fühle, werde ich ständig mit den Bewertungen und Erwartungen der Gesellschaft konfrontiert."

 

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