Sexisitische Reaktionen auf Femen

Mit subtiler Frauenfeindlichkeit. Das hört keiner gerne, aber Frauenfeindlichkeit gibt es neben seiner Extremform bei Radikalen und Trollen im Feuilleton genauso.

Diesen Samstag unterbrachen zwei Femen-Aktivistinnen die umstrittene Konferenz „Salon Musulman du Val d'Oise“ in Paris. Bei der Konferenz sollte die Rolle der Frau im Islam diskutiert werden, und aufgrund der offenkundigen Frauenfeindlichkeit der Veranstaltung wurde vorab mit einer change.org-Petition dagegen mobilisiert.


Laut Inna Shevchenko, der wohl bekanntesten Femen-Sprecherin, thematisierten die beiden Sprecher gerade, ob man Frauen schlagen sollte, als die beiden Aktivistinnen eingriffen: Sie sprangen auf die Bühne, rissen die Mikrophone an sich und schrien feministische Parolen auf Französisch und Arabisch. Auf ihre nackten Oberkörper hatten sie die Slogans „Niemand ordnet mich unter“ und „Ich bin mein eigener Prophet“ geschrieben. Weiters soll es bei der Konferenz darum gegangen sein, was „legitime“ weibliche Beschäftigungen, wie Kochen und Shoppen, seien.

Tritte für nackte Frauen


Dass man bei radikalen Islamisten und Internet-Trollen mit augenscheinlicher Misogynie* konfrontiert wird, sollte eigentlich niemanden mehr überraschen. Ein Skandal ist es allemal. Noch auf der Bühne wurden die Frauen eingekesselt und getreten, laut Inna Shevchenko reagierten einige der Männer mit Tötungsaufrufen und Beschimpfungen wie „schmutzige Schlampen“. Natürlich folgte der übliche Twitter-Shitstorm, mit dem auf jede noch so kleine feministische Aktion reagiert wird: Beschimpfungen der „Feminazis“, Morddrohungen und Aufrufe zu Gruppenvergewaltigungen. Dass die Femen-Aktivistinnen das wohl schon gewöhnt sind, ist wahrscheinlich das Schlimmste daran. Anonyme Gewaltaufforderungen im Internet sind sowohl in der Flüchtlings- als auch in der Feminismusdebatte zur Tagesordnung übergegangen. Was auch nur leise an dominanten Machtstrukturen kratzt, bedroht Männer so sehr, dass sie zu billigen Gegenschlägen ausholen.

Doofe Facebook-Postings


Dass auch der Chefredakteur der österreichischen Wochenzeitung „Falter“ es für nötig befand, die Aktion als „doofen Protest“ zu bezeichnen**, war wohl weniger erwartbar. In der Diskussion unter seinem Facebook-Posting wird von einer „unangebrachten Aktion von dummen Mädels“, von „Busengehopse“ und von einer „Bullshit-Aktion“ gesprochen. Die Tatsache, dass Youtube das Video für nicht Registrierte aufgrund seiner Nacktheit gesperrt hat, findet Klenk okay – „manche fühlen sich durch Nacktheit gestört“. Von nackten männlichen Oberkörpern fühlt sich Youtube aus irgendeinem Grund nie gestört.

Das Posting wurde mittlerweile gelöscht, wir hatten davor einen Screenshot gemacht.

Süß sind sie, die Frauen


Eine lebendige Zivilgesellschaft lebt von Aktivismus und ich bin ehrlich gesagt froh, dass jemand diesen frauenfeindlichen Radikalen auf die Füße getreten ist. Weiblichen Aktivismus ganz banal mit dem Wort „doof“ zu verniedlichen, ist ein Muster, das einer klassisch patriarchalen Denkstruktur entspringt und sich weigert, Frauen ernst zu nehmen. Der weibliche Körper wurde vor rund 5000 Jahren der männlichen Sexualität untergeordnet und um Machtverhältnisse aufrecht zu erhalten, der Reproduktion zugeordnet. Diese Machtverhältnisse sind bis heute nicht aufgebrochen. Femen holt sich die Macht über ihren eigenen Körper zurück, und instrumentalisiert die Aufmerksamkeit, die man durch nackte Brüste noch immer bekommt für politische Zwecke. Daran ist nichts süß, doof oder dumm.

*Anmerkung: Florian Klenk hat die Aussage mittlerweile als unbedacht bezeichnet und zurückgezogen. Das Posting wurde gelöscht, auch weil die Kommentare darunter entglitten sind.

**Misogynie ist Altgriechisch und bezeichnet den schon in der Antike vorhandenen Frauenhass und Frauenfeindlichkeit in all seinen Facetten, der sich in der Alltagssprache genauso wie in sexualisierter Gewalt gegen Frauen manifestiert.

 

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