Sex: Frauen sind flexibel

Kaum eine Seifenoper kommt ohne die Geschichte aus: Eine Frau liebt plötzlich eine Frau. Um später doch wieder mit Männern zu turteln. Eine Studie belegt: Das ist mehr als eine wilde Phase. Denn der Sex von Frauen ist flexibel. Warum frau manchmal hin- und herwechselt und trotzdem nicht lesbisch oder bisexuell ist.

Dass Frauen Frauen lieben, ist nicht neu. Dass jedoch viele Frauen Frauen lieben, schon. Zumal sie sich selbst weder als lesbisch noch als bisexuell bezeichnen würden. Sie betonen vielmehr, dass sie „auf Männer stehen, aber auch gern mal mit Frauen ins Bett gehen (würden)“. „Ja, was denn nun?“, fragen nicht nur Sexualforscher. Denn: Auch wenn es als „in“ gilt, gleichgeschlechtliche Erfahrungen zu machen (und sei es nur, weil wir am Ende unserer Tage nicht bereuen möchten, es nicht ausprobiert zu haben), bleibt doch die Frage offen, wie diese erotischen Abenteuer einzuordnen sind. Wurde uns nicht eingebleut, die sexuelle Orientierung eines Menschen sei etwas Fixes? Etwas, was sich nicht einfach so verändere und schon gar nicht hin- und herwechsle?

In wen sich Frauen verlieben, hat wesentlich weniger mit dem Geschlecht ihres Schwarms zu tun als bisher angenommen.
von Lisa Diamond, University of Utha

Verliebt in die Persönlichkeit, nicht das Geschlecht.

Dass genau das der Fall ist – dass die sexuellen Neigungen nämlich doch flexibel sind –, zeigen nun neue Studien. Zwar hatte schon Alfred Kinsey im Jahr 1948 darauf hingewiesen, dass es nicht nur hetero, homo oder bi gäbe, sondern auch eine Menge dazwischen. Doch erst jetzt hat eine Psychologin und Genderforscherin von der University of Utah in Langzeitstudien belegen können: Vor allem die weibliche Sexualität ist ein Kontinuum. „Was nicht bedeutet, dass wir alle bi sind“, betont Lisa Diamond. „Es zeigt nur: In wen sich Frauen verlieben, hat wesentlich weniger mit dem Geschlecht ihres Schwarms zu tun als bisher angenommen. Vielmehr sind es die Persönlichkeit und die jeweilige Situation, die eine Person sexuell attraktiv machen. Frauen suchen bei der Wahl des Sexualpartners nach einer emotionalen Verbindung.

OH Nein? OH Doch!

Schauspielerin Cynthia Nixon – Miranda aus "Sex And The City" – hat ihre Gefühlsverbindung gefunden. Nach 15 Jahren Beziehung und zwei Kindern verließ sie ihren Mann, Englischprofessor Danny Mozes, um fortan mit Christine Marinoni zu leben. „Ich war mein Leben lang nur mit Männern zusammen und hatte mich nie in eine Frau verliebt“, sagte Nixon bei Bekanntwerden der Sache. „Doch jetzt ist es passiert und ich finde das nicht seltsam. Ich bin nach wie vor ich. Eine Frau, die – im Moment – eben eine andere Frau liebt.“

Für viele ist die Entdeckung ihrer „sexualfluidity“, wie es Genderforscherin Lisa Diamond nennt, aber kein derartiger „Aha“-Moment. Es ist eher ein „Oh nein“-Erlebnis. Denn obwohl sich immer mehr Frauen zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen, ist das „Flex Sex“-L(i)eben alles andere als einfach. Wir haben mit Experten über eine neue Sicht auf die weibliche Sexualität gesprochen und Frauen auf ihrem Weg in eine Liebe begleitet, die wirklich blind ist – und zwar hinsichtlich des biologischen Geschlechts des Traumpartners.

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