Sex, damals und heute: Zwei Frauen erzählen

Irmgard ist 72, Jasmin ist 18. Zwei Frauen, zwei unterschiedliche Geschichten von - altersunabhängiger - sexueller Lust und dem Entdecken des eigenen Körpers.

„Mein Onkel hat mich mit 15 entjungfert . Heute kann ich Sex genießen – besonders mit meinem blauen Freund.“ 

Ihre sexuelle Selbstbestimmung musste sich Irmgard (72) hart erkämpfen – Lust auf Sex hat sie aber bis heute. 

"Meine Mutter wurde mit 19 schwanger und hat nie erzählt, von wem meine Schwester war. Das war alles tabu bei uns, und ich musste auf alles, was meinen Körper oder Sex betroffen hat, selbst draufkommen. Als ich 15 Jahre alt war, bin ich zu meiner Oma nach Kärnten gefahren. Dort hatte ich auch einen sehr feschen Onkel, einen Musiker. Nach einem Dorffest haben mir seine Frau und er angeboten, doch bei ihnen zu übernachten, und in dieser Nacht bin ich dann von ihm entjungfert worden. Ich bin früh aufgewacht, der Onkel war schon in der Arbeit, und ich hab nur geschaut, dass ich das Blut aus dem Leintuch rauswasche und schnell aus dem Haus komme, damit ich meiner Tante nicht begegnen muss. Ich hab mich ja so geniert, obwohl der Akt an sich nicht unangenehm war. Mit 17 hatte ich dann meine erste große Liebe und sexuell war ich immer neugierig, aber ich konnte lange zu keinem Orgasmus kommen – erst, nachdem ich mein Kind bekommen hatte. Leider. Ich hatte ja niemanden, mit dem ich darüber reden konnte, und ich hatte auch keine Information, keine Zeitungen oder Bücher, keinen Fernseher. Auch bei Freundinnen konnte man so ein Thema nicht ansprechen. Erst bei meinem zweiten Mann habe ich meine eigene Sexualität entdeckt, und ich habe jetzt auch schon lange meinen „blauen Freund“, wie ich ihn nenne. Der ist so anschmiegsam und mit ihm habe ich innerhalb von drei Minuten einen Orgasmus. Oft denke ich: Es ist doch erstaunlich, dass das mit einem Mann so viel länger dauert!"

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„Ich hab lange mit dem Sex gewartet , und es war gut. Was mich nervt, ist ,dass sich niemand mehr binden will.“

Von ihrer Mutter, einer Gynäkologin, aufgeklärt, den ersten Porno mit zehn Jahren gesehen, fühlt sich Jasmin (18) sexuell frei.

"Meine Mama hat in meiner Volksschule als Gynäkologin die Aufklärung gemacht, bei uns daheim ist also schon viel über Sex oder Verhütung gesprochen worden. Aber nicht in „dem“ Gespräch, sondern ich habe, je älter ich wurde, einfach mehr Fragen gestellt. Und ich konnte und kann bis heute auch mit meiner großen Schwester über alles reden. Sie hat mir auch früh erklärt, dass Sex in Pornos nicht echt ist, dass Menschen so normalerweise nicht Sex haben. Das war wichtig, denn meinen ersten Porno hab ich mit zehn Jahren gesehen. Ich habe wegen des Berufs meiner Mama von Mitschülerinnen aber so arge Geschichten gehört, dass ich selbst voll lange gewartet habe – mein erstes Mal war erst vor einem Jahr. Ich warte einfach lieber, als betrunken dauernd mit irgendwem Sex zu haben. Ich habe erst kürzlich bemerkt, dass ich bisexuell bin, und jetzt finde ich es besonders toll, dass ich mit meiner Schwester, aber auch mit meiner Mama darüber reden kann. Was ich beim Sex genau mag, ist aber trotzdem nicht so leicht zu kommunizieren. Ich erinnere mich, dass ich es echt  gruselig fand, die Hand des Burschen zu nehmen und dorthin zu tun, wo ich sie haben wollte, aber andererseits kann doch niemand Gedanken lesen. Eines aber nervt mich an meiner Generation: Eine Beziehung oder einfach ein bisschen Verbindlichkeit, das ist gar nicht mehr gut angesehen. Alles soll okay sein, alle sollen alles dürfen, und man muss nichts versprechen – das denken heute viele. Ich finde aber, dass die Leute bei all den Möglichkeiten manchmal vergessen, dass sie auch was verpassen, wenn sie eben keine Beziehung eingehen."

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