Serien im Bett schauen? Lass das mal lieber!

Raubt uns Serien-Schauen die Nachtruhe? Ist schlechter Schlaf ein "First World Problem"? Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter kennt die Antworten.

Netflix im Bett?

WIENERIN: Was stört unseren Schlaf?

Hans-Peter Hutter: Zunächst einmal Sinnesreize wie Lärm, Licht oder starke Gerüche; dann natürlich Stress und körperliche Krankheiten.

Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Welche Auswirkungen haben Smartphone und Co?

Dazu gibt es einige Überlegungen. Wir wissen aus Studien, dass Mobilfunkstrahlen die Hirnaktivität zumindest beeinflussen können. Ich selbst würde mir daher aus Vorsorgegründen kein empfangsbereites Smartphone aufs Nachtkasterl legen und drehe auch den WLAN-Router nachts ab. Zur guten Schlafhygiene gehört auch, nicht kurz vor dem Einschlafen noch elektronische Medien zu nutzen.

Wie schaffe ich ein Umfeld, in dem ich gut schlafe?

Schlafzimmer und die darin herrschenden Umgebungsbedingungen dienen der Regeneration. Das Bett sollte nur zum Schlafen und für Sex genutzt werden, aber nicht, um darin auf dem Laptop zu arbeiten, Serien zu schauen oder am Handy zu surfen. Auch Fernseher haben im Schlafzimmer und auch im Kinderzimmer nichts verloren.

Im Bett sollten Sie nur schlafen und Sex haben.

von Umweltmediziner Hans-Peter Hutter

Wie sieht eine gute Schlafhygiene aus?

Erwachsene sollten sich wie Kinder ein Einschlafritual schaffen, das hilft, mit dem Alltag abzuschließen. Sorgen Sie auch für angenehmes Ambiente: Lüften Sie den Schlafraum, investieren Sie in gute Matratzen und Bettwäsche. Man sollte schon etwas Geld für sein Bett ausgeben.

In der westlichen Welt klagt fast jeder über Schlafstörungen. Ist schlechter Schlaf ein "First World Problem"?

Ich denke nicht. Einer der größten Verursacher von Schlafstörungen ist Stress, und Stress haben auch Menschen in Slums. Wer in furchtbaren Behausungen lebt oder von Existenzangst geplagt wird, schläft sicher auch nicht gut.

Sommerzeit abschaffen - ja oder nein?

Die jährliche Zeitumstellung finde ich weniger problematisch als die zunehmende Lärmbelästigung.

Wie gehe ich mit Jetlag um?

Für jede Stunde Zeitverschiebung brauchen Sie einen Tag Gewöhnungszeit. Bei Kurztrips nach New York würde ich mich - wenn möglich - gar nicht umstellen. Wichtig ist es, tagsüber viel im Freien zu sein, denn Licht blockiert das Schlafhormon Melatonin.

Als Umweltmediziner beschäftigt sich Hans-Peter Hutter unter anderem mit den gesundheitlichen Auswirkungen von von Umwelteinflüssen rund um die Themenfelder Klimawandel, Luftverunreinigungen (Innenraum- und Außenluft), elektromagnetische Felder (Mobilfunk, Freileitungen), Green Spaces sowie Lärm und Gerüche Lärm, Geruch etc.

 

Aktuell