Serie: Finanzielle Absicherung trotz Teilzeitarbeit

Scheidungsanwältin Mag. Katharina Braun rät Frauen auch mit Kindern finanziell möglichst unabhängig zu bleiben. Eine Teilzeitarbeit führt nicht nur zu einem Abhängigkeitsverhältnis zum Mann, sondern kann bei einer Trennung oder später in der Pension, zur Armutsfalle werden. Ihre Tipps, wie Sie sich mit Teilzeitjob absichern können.

Kinder müssen nicht das Ende der finanziellen Unabhängigkeit bedeuten. Wer auf eigenen Beinen stehen will, hat einige Möglichkeiten sich schon vorab abzusichern und sollte folgende Punkte beherzigen:

  • Information. Wer Teilzeit arbeiten möchte, sollte sich bei der Arbeiterkammer gut über die Folgen informieren. So kommt es durch den Verdienstentgang logischerweise auch zu einer geringeren Pension.
  • Sicherheit bei einer Ehe. Für den Fall, dass eine Zeit lang Teilzeit gearbeitet wird, sollte bereits in einem Ehevertrag für den Fall einer Scheidung eine Ausgleichsverpflichtung des Ehemannes von den Einkommenseinbußen der Frau festgehalten werden. Ausgeglichen werden sollten die Einbußen, die mit der Kinderbetreuung verbunden sind oder einer erschwerter Jobsuche beim Wiedereinstieg nach einer Karenz aufgrund des fortgeschrittenen Alters zum Zeitpunkt der Scheidung.
  • Infrastruktur. Schon bei der Wahl der Wohnung sollte auf eine gute Infrastruktur geachtet werden, damit ausreichend Auswahl an(Kindergärten und Schulen mit arbeitsfreundlichen Öffnungszeiten in der Nähe sind.
  • Mut. Frauen sollten sich nicht scheuen, sich finanziell auf eigene Beine zu stellen. Auch eine Selbständigkeit ist möglich.
  • Freiwilliges Pensionssplitting. Seit dem Jahr 2005 besteht die Möglichkeit, dass der Elternteil, welcher die Kinder nicht überwiegend erzieht und einem Erwerb nachgeht, für die ersten vier Jahre des Kindes nach der Geburt 50 Prozent seiner Teilgutschrift auf das Pensionskonto des anderen Elternteils übertragen lassen kann.

Eine derartige Vereinbarung basiert auf der Freiwilligkeit des „Abtreters“. Die Übertragung muss bis zur Vollendung des 7. Lebensjahres des Kindes beantragt werden, und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Zudem ist die Übertragung an weitere Voraussetzungen geknüpft: So ist diese nur dann zulässig, wenn noch keiner der Elternteile Anspruch auf eine Pension aus einer eigenen Pensionsversicherung hat und darf die Jahreshöchstgrenze nicht überschritten werden. Teilzeitgutschriften, die nicht auf eine Erwerbstätigkeit zurückgehen (z.B. Arbeitslosengeld) dürfen nicht übertragen werden. Geregelt ist das freiwillige Pensionssplitting in § 14 des Allgemeinen Pensionsgesetzes.

In der Praxis kommen derartige Vereinbarungen kaum vor. Laut den aktuellen Zahlen der PVA gab es 2005 sowie 2006 überhaupt keine Anträge, 2007 waren es 3, 2008 9, im Jahr 2009 dann 23 Anträge, 2010 bis jetzt folgten dann noch weitere 11 Anträge. Insgesamt kam es daher bis dato zu 47 Abtretungen einer Teilgutschrift. Grund für das mangelnde Interesse dürfte jener sein, dass bei den Betroffenen (meist eher jüngere Eltern) die Entwicklung ihrer Pension noch nicht bzw. nur schwer abschätzbar ist, da diese noch zu weit in der Zukunft ist. Von der Politik wurde mangels Attraktivität auch zuletzt die Einführung eines verpflichtenden Pensionssplittings abgelehnt.

Zum Thema Absicherung der Pension ist zudem zu sagen, dass diese nun dadurch erschwert wurde, dass der Rückkauf von Schul- und Studienzeiten seit Anfang des Jahres 2011 drastisch verteuert worden ist. So kam es vor dem Jahreswechsel 2011, als diese Gesetzesänderung bekannt wurde, zu enorm vielen Anträgen auf Rückkauf der Schul- und Studienzeiten, nunmehr sind diese Anträge so gut wie kein Thema mehr.

Was Staat und Gesellschaft noch für Frauen tun können:

  • Aufklärung. Frauen sollten über Gefahren und Risiken, die mit einer Teilzeitbeschäftigung verbunden sind, besser aufgeklärt werden.
  • Verständnis. Arbeitende Frauen sollten sich nicht damit konfrontiert sehen als "Rabenmutter" bezeichnet zu werden. Auch Vollzeitmütter gute Mütter sind bzw. die Anzahl der Arbeitsstunden sagt allein nichts über die Qualität als Mutter aus.
  • Angebot. Es müssen mehr Kindergärten und Schulen mit Ganztagesbetreuung eingerichtet werden - vor allem außerhalb der Hauptstadt.
  • Verpflichtendes Pensionssplitting. Zu überlegen wäre - vergleichbar mit Deutschland - ein verpflichtendes Pensionssplitting. Dort tritt der Mann verpflichtend der Frau für einen gewissen Zeitraum der Kinderbetreuung einen Teil seiner Pensionszeiten ab.
  • Unterhalt für Lebensgefährtinnen. Ebenso wäre zu überlegen (auch dies gibt es in Deutschland) in Österreich für Lebensgefährtinnen für einen gewissen Zeitraum einen Betreuungsunterhaltanspruch der Frau einzuführen. In Österreich bekommt die unverheiratete Partnerin zwar natürlich einen Kindesunterhalt, aber eben keine dem Ehegattenunterhalt vergleichbare Leistung- auch nicht wenn Kinder ganz klein sind.
  • Elternteilzeit. Weiters wäre anzudenken - nach dem schwedischen Modell - die Einführung einer Elternteilzeit, welche eben nur vom Vater in Anspruch genommen werden kann und nicht auf die Mutter übertragbar ist. Dies um eben mehr Männer in den Elternurlaub zu bekommen.
Mag. Katharina Braun

Die Expertin

Mag. Katharina Braun ist Scheidungsanwältin in Wien.

Web: www.rechtsanwaeltin-braun.at

Lesen Sie morgen im 3. und letzten Teil der Serie, wie andere Länder Frauen mit Kindern fördern.

 

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