Serena Williams wird wegen ihrer Tennis-Babypause "bestraft"

Jahrelang war sie die Nummer 1 im Tennis. Nach der Babypause behandelt die World Tennis Association Serena Williams wie eine Außenseiterin.

In der ersten Runde des WTA-Tennis-Turniers in Miami besiegte die Japanerin Naomi Osaka die Nummer 491 der Weltrangliste. Das klingt erstmal nicht besonders spannend. Aber: Die aktuelle Weltnummer 491 heißt Serena Williams.

Serena Williams hat 23 Grand-Slam-Titel gewonnen. Das sind drei mehr als Roger Federer, der erfolgreichste männliche Tennisspieler. Sie war 319 Wochen lang die Nummer eins der Welt. Dann hat sie ein Baby bekommen. Töchterchen Alexia Olympia ist inzwischen fast 7 Monate alt und ihre Mama zurück in ihrem Job. Nur: Die World Tennis Association macht es ihr dabei nicht leicht.

Serena Williams Babypause hat die gleichen Auswirkungen wie eine Sperre wegen Dopings

Freilich ist Williams nach ihrer Schwangerschaft, der Geburt und der Pause nicht wieder auf ihrem früheren Leistungsniveau. "Es ist noch viel Verbesserungspotenzial vorhanden", wird sie von der NZZ zitiert. Die Regelungen der WTA tun ihr Übriges. Williams wird gleich behandelt wie Maria Schwarapowa nach der Rückkehr aus der Dopingsperre.

Zusammengefasst sieht das so aus: Williams ist bei keinem Turnier fix gesetzt, hat aber für acht Turniere ein geschütztes Ranking, die Qualifikation bleibt ihr also erspart.

Wegen der langen Pause ist Williams auf Weltrang 491. Bei Turnieren heißt das, dass sie bereits in der ersten Runde auf Topfavoritinnen trifft. Vor drei Wochen, bei ihrem ersten Turnier in Indian Wells, traf sie schon in der dritten Runde auf ihre Schwester Venus und verlor. Im Miami Turnier spielte sie in der ersten Runde gegen die Turniersiegerin aus Indian Wells und schied aus.

Diese Regelung macht es Williams jedenfalls schwer, wieder voll in ihren Sport zurückzukehren. Das kritisierte auch der Turnierdirektor in Miami, James Blake, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: "Es ist eine Art Bestrafung für Serena Williams. So etwas sollte es nicht geben. Wer eine Babypause macht, sollte geschützt werden." Sie sei weder verletzt gewesen noch hätte sie die Lust am Tennis verloren. "Sie hat ein Kind bekommen, das sollten wir feiern. Es sollte eine Gnaden-Phase geben, in der sie gesetzt ist."

Ist die Regelung der WTA mütterfeindlich?

Blake fordert nun, dass das Regelwerk der WTA angepasst wird. Die derzeitige Weltranglistenerste, Simona Halep, sieht das genau so: "Ein Kind zu bekommen, ist das Beste auf der Welt. Das ist mehr als Sport. Ich finde, sie hätte als Nummer eins gesetzt werden müssen an diesem Turnier", sagte sie vor Williams' erstem Turnier in Indian Wells.

Haleps Coach Darren Cahill twitterte vor dem Turnier der beiden Williams-Schwestern: "Dieses Match sollte es in einer 3. Runde nicht geben. (...) Frauen sollten für eine Geburt nicht bestraft werden und wieder bei Null anfangen müssen."

Gegenwind kommt von unerwarteter Seite, der ehemaligen Weltnummer 66, Mandy Minella. Sie hat im Oktober 2017 eine Tochter geboren und ist seit Februar wieder aktiv. "Die Regel soll so bleiben, wie sie ist", sagt sie der BBC. "Ich glaube nicht, dass wir über das Thema sprechen würden, wenn es nicht um Serena gehen würde." Minella argumentiert, dass, würde Williams für Turniere gesetzt werden, sie einer anderen Spielerin, die hart dafür gearbeitet habe, den Platz wegnehme.

Die WTA selbst schiebt die Schuld an der Regelungen auf die Spielerinnen. CEO Steve Simon sagte der New York Times: "Als wir die Regel vor einem Jahr festgelegt haben, sagten die Spielerinnen, sie wünschten nicht, dass eine Spielerin gesetzt wird, wenn sie von einer langen Pause zurückkehre - egal aus welchem Grund."

Die WTA überlege nun aber, die Regel 2019 zu überarbeiten.

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