Sendeverbot: Die Realität nach der Geburt ist 'zu grauslich' für die Oscars

Windeln, Schmerzen beim Toilettengang, ein Bauch, der nicht flach ist: Ein Werbespot, der die Realität von Millionen Frauen abbildet, wurde kurzfristig von der Ausstrahlung während der Oscar-Verleihung ausgeschlossen.

Werbung ist "zu anschaulich" für die Oscars

Natürliche menschliche Prozesse sind für die Oscars auch im Jahr 2020 offenbar noch zu viel: Ein Werbespot der Marke Frida für Körperpflegeprodukte für Mütter und Babys durfte bei den diesjährigen Academy Awards nun doch nicht gezeigt werden. Der Grund: Der Spot wäre "too graphic", also "zu anschaulich“. Eine andere Übersetzungsmöglichkeit ist noch drastischer: "graphic" kann im Zusammenhang mit Bildern und Szenen auch "grausam" bedeuten.

Was ist zu sehen?

Der Werbespot zeigt eine junge Mutter in den ersten Tagen nach der Entbindung: ihren postpartalen Bauch, Krankenhausunterwäsche, ihre Schwierigkeiten und Schmerzen beim Klogang und die große Einlage, die sie tragen muss, weil sie nach wie vor blutet – das alles während im Hintergrund ein Neugeborenes weint. Der Spot endet mit den Worten "Genesung nach der Geburt muss nicht so schwer sein" und der Einblendung von Frida Mom-Produkten.

Werbung enthält weder sexuelle Inhalte noch Gewalt

Frida teilte den einminütigen Werbespot via Social Media. Unter dem Posting ist zu lesen: "Der Spot, den ihr hier seht, wurde von ABC & den Oscars von der Ausstrahlung während der diesjährigen Preisverleihung ausgeschlossen. Dabei ist er weder 'gewalttätig’, 'politisch’ noch 'sexuell’. Unsere Werbeeinschaltung ist nicht 'religiös oder unzüchtig’ und zeigt keinerlei 'Waffen oder Munition’. 'Frauenhygiene & Hämorrhoidenlinderung’ sind offenbar Tabuthemen. Zu sehen ist lediglich eine junge Mutter, die zum ersten Mal mit ihrem Baby und ihrem neuen Körper zu Hause ist. Dennoch wurde der Spot abgelehnt. Und wir fragen uns, warum sich junge Mütter unvorbereitet fühlen.“ Frida bittet Follower, den Post zu verbreiten und mit jeder neuen Mutter zu teilen, denn: "Sie hat es verdient, vorbereitet zu sein.“

User*innen feiern den Spot

Obwohl die Werbung nie im Fernsehen lief, wird sie nun vielfach für ihre realistische Darstellung des postpartalen Prozesses gelobt. So schreibt etwa eine Userin auf Youtube, sie habe den Werbespot "geliebt“, da er so "real" und "raw“ sei, genau wie die Wochen nach der Geburt selbst.

Seit der Verbreitung des Werbespots, zeigten sich zahlreiche Menschen empört darüber, dass er Oscar-Zuschauer*innen nun vorenthalten wurde darunter auch Schauspielerin Busy Philipps. Auf Instagram teilte sie: "Ich bin davon überzeugt, dass es unserer Kultur und Gesellschaft umso besser gehen würde, je mehr wir die KÖRPERERFAHRUNGEN EINER FRAU IN DEN MEDIEN NORMALISIEREN. Ihr zuckt wahrscheinlich nicht mal mit der Wimper, wenn ein Werbespot zu erektiler Dysfunktion läuft, aber DIESEN WERBESPOT VERBIETET IHR?! Ich finde, dass es sich hier um eine großartige Werbung handelt, die etwas zeigt, das Millionen von Frauen genau so kennen“. Sie fährt fort: "Ich habe es so satt, in einer Gesellschaft zu leben, in der der Akt, einfach eine Frau zu sein, von den Torhütern der Medien abgelehnt wird."

 

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