Self-Care: Wie Schwarze Menschen in der besonders schwierigen Zeit auf sich schauen können

Systemischer Rassismus existiert und tötet nicht erst seit George Floyds Tod, aber das Thema ist dadurch aktuell präsenter. Das ist zwar gut, für Schwarze Menschen aber besonders anstrengend. Das kannst du tun, um diese Zeit für dich und deine Schwarzen Freund*innen ein bisserl leichter zu machen.

Selfcare

Audre Lordes hatte Recht: "Caring for myself is not self-indulgence, it is self-preservation, and that is an act of political warfare." Zu Deutsch: Self Care ist ein politischer Akt. Self Care ist wichtig.

In Zeiten wie diesen ist es wenig verwunderlich, dass dir die Wut, die Trauer, die Angst und überhaupt alle Gefühle, die dir grad durch den Kopf gehen, zu viel werden. Und nein, Self-Care-Rituale werden nicht systemischen Rassismus bekämpfen, aber sie sind notwendig, um weiterkämpfen zu können. Daher: Schau auf dich – und vielleicht geben dir diese Self-Care-Tipps ein wenig Erleichterung in diesen auslaugenden Zeiten:

1. Sprich mit anderen Schwarzen Menschen.

Klar, kann es dir helfen, mit weißen Freund*innen über deine aktuellen Gefühle zu reden. Vielleicht laugen dich Gespräche mit ihnen aber auch noch mehr aus. Kein Wunder, schließlich musst du Vieles erst erklären, einordnen, greifbar machen. Ganz nachvollziehen wie du dich fühlst, werden sie aber trotzdem nie – das weißt du. Tausche dich in diesen Zeiten vor allem mit anderen Schwarzen Menschen aus, denen du vertraust und bei denen du dich öffnen kannst. Auch Podcasts oder Artikel Schwarzer Menschen zu konsumieren, kann dir helfen, dich verstanden zu fühlen.

2. Versuche, deinen Nachrichten-Konsum anzupassen, zu minimieren – soweit das geht.

Vielleicht fühlst du dich verpflichtet, jetzt die ganze Zeit die Nachrichten zu checken und auf dem neuesten Stand zu bleiben. Das kann ganz schön belasten. Wenn du merkst, dir wird alles zu viel, gönn' dir ruhig eine Pause.

3. Schau Filme und höre Musik von Schwarzen Menschen.

Ständig Bilder und Videos zu sehen, in denen Schwarze Menschen misshandelt oder gar ermordet werden, schlägt auf die Psyche. Musik, Filme oder Serien von und mit Schwarzen Personen zu konsumieren, kann dir dabei helfen, dich mit deinem Schwarzsein wieder wohler zu fühlen, es als etwas Schönes zu empfinden und dich als Teil einer Community zu verstehen, die sich gegenseitig supportet.

4. Ziehe klare Grenzen – vor allem jenen Menschen gegenüber, die glauben, dich und deine Erfahrungen nun als Wissensressource nutzen zu können.

Freund*innen und Bekannte stellen dir momentan viele Fragen und verlangen deine Einordung zu Themen wie Rassismus und Solidarität. Du freust dich über ihr Interesse und versuchst, alles so gut du kannst zu beantworten - manchmal kommst du dabei aber auch an deine Grenzen? Denke immer daran: Es ist nicht dein Job, diese Personen zu bilden. Wenn du merkst, es geht grad einfach nicht mehr oder du einfach keinen Bock hast, dich zum hundertsten Mal zu wiederholen, dann gib das den anderen auch so zu verstehen. Ein paar Links mit interessanten, lehrreichen Artikeln parat zu haben, kann von Nutzen sein.

5. Feel. All. The. Feels

Wut, Unsicherheit und Verzweiflung sind wahrscheinlich nur ein Bruchteil der Gefühle, die du momentan verspürst. Das ist nur verständlich. Achte darauf (soweit es deine Gegebenheiten ermöglichen), deinen Emotionen genug Raum zu geben und versuche nicht, sie zu unterdrücken. Therapeut Ryan Howes empfiehlt im Gespräch mit VICE, seine Gefühle zum Beispiel mithilfe von Bewegung zu verarbeiten.

 

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