Selbstschutz

FBI-Profiler haben jetzt ermittelt, wie das „ perfekte“ Opfer aussieht. Und erklären hier, was Sie tun sollten und müssten, um nicht ins Visier von Verbrechern zu geraten.

Sind Sie das "perfekte Opfer"? Finden Sie es heraus:

1. Opferprofil

Was FBI-Profiler tun, kann man allabendlich am Fernsehschirm verfolgen. Doch die Experten erstellen nicht nur Täterprofile. Sie ermitteln auch, was Opfer zu Opfern macht. „Die meisten Verbrecher wählen nicht per Zufall jemanden aus, sondern sehr gezielt. Sie suchen sich leichte Beute, Menschen, die ängstlich, beeinflussbar, leichtgläubig und wehrlos wirken“, erklärt Volkan Topalli, Kriminologe an der ­Georgia State Univer­sity. Täter sind Meister im Lesen von Körpersprache. Opfer hingegen können (nonverbale) Signale schlechter deuten als der unbehelligte Durchschnitt – und geraten daher eher in gefährliche Situationen. „Das heißt aber nicht, dass Opfer eine Schuld an dem trifft, was ihnen zustößt“, betont Topalli. „Es hilft aber zu wissen, was man tun und was man lassen sollte, um nicht zur Zielscheibe zu werden.“

2.Beuteschema

Wonach halten Verbrecher Ausschau? Betty Grayson und Morris I. Stein fanden in einer ­Videostudie mit verurteilten Kriminellen heraus, dass diese wie Raubtiere ihre Umgebung nach dem schwächsten Mitglied scannen. Rasse, Geschlecht oder ­Alter spielen dabei keine ­Rolle. Vielmehr werden Menschen, die vermitteln: „Mit mir hast du leichtes Spiel“ zur Beute auserkoren. Deutlich erkennbar sind sie an einem langsamen Gang, einem Blick, der mehr dem Boden, dem Handy oder einem Stadtplan gilt denn der Umgebung, und Kleidung, die signalisiert: „Ich bin gar nicht hier.“ Psychologe David Buss rät daher: „Gehen Sie dynamisch und aufmerksam die Straße lang. So sind Sie automatisch nicht mehr das schwächste Tier im Revier. Pfefferspray oder Selbstverteidigungs­kurse braucht es nicht unbedingt, sie führen oft zu gefährlicher Selbstüberschätzung.“

3. Begleitschutz

Angreifer wollen so wenig Gegenwehr wie möglich. Dabei kommt es nicht darauf an, wie Superrwoman aufzutreten. David Buss empfiehlt eher die clevere Aufrüstung: „Schon ein kleiner Hund auf dem Arm schreckt ab, er könnte schließlich Lärm machen. Bei Frauen, die alleine leben, schreckt oft schon ein paar Männerstiefel vor der Tür potenzielle Täter ab.“ Studien haben auch gezeigt: Ein paar Straßenlaternen oder Menschen mehr, ein paar Verbrechen weniger.

Kurz: Manchmal lohnt sich ein kleiner Umweg. Aber Achtung: „Wer nach dem Weg fragen muss, weist sich als Opfer aus“ , betont Buss. Wer sich nämlich in ein Gespräch mit Fremde verwickeln lässt, lässt den Täter abtesten, ob man sich als Ziel „eignet“. Wenn man sich verlaufen hat, empfiehlt er: „Gehen Sie in ein Geschäft oder ein Lokal und fragen Sie dort einen Angestellten.“

4. Falsche Signale
„Für viele ist zur Schau gestellter Wohlstand ein Affront. Sie fühlen sich vom Leben benachteiligt und sehen es als ihr Recht an, sich ,ihren Anteil zu nehmen‘“, erklärt Richard Wright, Autor von Armed Robbers in Action. Das bedeutet nicht, die teuren Lieblingsstücke für immer einzumotten. Wohl aber, bei einem Ausflug in düstere oder unbekannte Stadtviertel seinen Auftritt zu überdenken. Sollten Sie ein teures Auto fahren, stellen Sie es vor allem abends nicht auf der Straße, sondern in bewachten Garagen oder in einem belebten Viertel ab – zu seinem und Ihrem Schutz. „Halten Sie zudem immer die Schlüssel parat. Nichts zieht dunkle Gestalten mehr an als eine abgelenkte Person, die nach dem Türöffner kramt.“

5. Was tun im Ernstfall?
Gegen einen kleinen Prozentsatz von Tätern hilft leider auch die beste „Ich bin kein Opfer“-Haltung nichts. Was tun, wenn man sich plötzlich doch in einer brenzligen Situation befindet? Kooperieren, sagen Experten. „Den meisten Verbrechern ist nicht daran gelegen, ihre Opfer zu verletzen, solange sie nicht ,müssen‘“, sagt James Arey, Polizeipsychologe. „Je eher sie bekommen, was sie wollen, desto schneller ist es vorbei.“ Geben Sie Ihrem Angreifer also, was er will – auch wenn es Ihr Ehering ist. „Der mag zwar einen sentimentalen Wert haben, das Leben aber ist unbezahlbar, das kann Ihnen niemand wiederbeschaffen.“ Den Rest schon.

 

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