Sei ein*e LGBTQ+-Verbündete*r: Wie verwendest du die richtigen Pronomen?

Und wie kannst du das auch üben, wenn es sich schwierig anfühlt?

Richtige Pronomen verwenden

Unsere Namen und Pronomen begleiten uns tagtäglich und in vielen Gesprächen verweisen die Pronomen (sie, er) auf das Geschlecht einer Person. Wenn diese Person sich aber nicht dem Geschlecht zugehörig fühlt, das man auf den ersten Blick annehmen würde, kann die Verwendung falscher Pronomen für diese Menschen eine Verletzung sein. Das Geschlecht kann einer Person nicht angesehen werden, weshalb es sich immer mehr etabliert, dass man sich mit seinen Pronomen vorstellt (Hallo, ich bin Lisa und ich verwende weibliche Pronomen) und diese in den Social-Media-Accounts oder auch in E-Mail-Signaturen angibt.

Menschen, die nonbinär (sich also keinem Geschlecht zugehörig fühlen) sind, verwenden neben den Pronomen in der Einzahl zum Teil auch Mehrzahl-Pronomen. So ist es im Englischen gängig, dass man die Pronomen they/them verwendet. Auf Deutsch gibt es noch keine gleichwertige Lösung und immer mehr Menschen wünschen sich, dass auch im Deutschen they/them verwendet wird.

Das fühlt sich als nicht-betroffene Person schwierig an und du hast Angst etwas falsch zu machen? Wir haben ein paar Tipps für den Alltag, wie man am besten das Thema Pronomen behandelt, sodass sich alle gewertschätzt und wohl fühlen:

Frag nach

Wie oben erwähnt, kannst du das Gespräch beim Kennenlernen beginnen, indem du dich mit deinen Pronomen vorstellst und dann nachfragst, welche Pronomen die zweite Person verwendet. So bringst du eine Person, bei der du dir nicht sicher bist, nicht in eine seltsame Position. Hast du noch nicht erfahren, welche Pronomen die Person verwendet, verwende vorerst nur den Namen und höre genau zu, wie andere oder sie selbst über sich spricht.

Fehler passieren

Gerade wenn man jemand schon lange kennt, bei dem man bisher andere Pronomen verwendet hat, kann es passieren, dass man mal einen Fehler macht. Das kann passieren. Entschuldige dich einfach für die falsche Ansprache. Achte dabei darauf bei der Entschuldigung kein großes Ding daraus zu machen, dich zu rechtfertigen oder die Person bloßzustellen. Aussagen wie "Ja, das ist auch kompliziert, dass du das jetzt verändert hast oder das sieht man dir einfach nicht an" haben hier nichts verloren.

Hinweis, keine Kritik

Jeder Mensch hat das Recht, dass er gesehen und wertgeschätzt wird und das bezieht mit ein, dass diese Person mit dem richtigen Namen und den richtigen Pronomen angesprochen wird. Wenn du also drauf hingewiesen wirst, dass du den falschen Namen oder die falschen Pronomen verwendet hast, sei nicht beleidigt oder nimm es nicht persönlich. Das ist ein gut gemeinter Hinweis, der dir hilft zu lernen.

Weis andere darauf hin

Wenn du weißt, dass jemand einen anderen Namen oder Pronomen verwendet und du merkst, dass Menschen im Umfeld das immer wieder falsch sagen, dann weis sie darauf hin. Aber sei diskret und versuch wieder die Person, über die gesprochen wird, nicht bloßzustellen oder zu outen. Wenn du jemand schon lange kennst und weißt, dass diese Person früher einen anderen Namen oder andere Pronomen verwendet hat, behalte das für dich. Es ist nicht dein Platz, diesen Menschen zu outen.

Übung verändert Gesprächskultur

Vor wenigen Jahren hätte ich mir nicht gedacht, dass ich irgendwann beim Schreiben gendern würde, ohne darüber nachzudenken. Doch je mehr man das übt, umso einfacher wird es und inzwischen passiert es automatisch.

Und ähnlich ist es auch, wenn es darum geht, die richtigen Pronomen zu verwenden oder eine Gruppe anzusprechen. Möchtest du beispielsweise jemand fragen, ob er mit Freund*innen unterwegs war und dabei nicht nur über ein Geschlecht sprechen, so mache einfach eine Pause dort, wo der Stern geschrieben ist. Damit lässt du Platz für alle, die sich bei Freund oder Freundin nicht angesprochen fühlen. Das fühlt sich anfangs seltsam an, wird dir aber wenn du bewusst darauf achtest irgendwann automatisch über die Lippen kommen.

Ähnlich ist es mit Pronomen. Üb daheim beim Duschen, Kochen oder Bügel einfach, wie du jemand richtig ansprichst, wenn du dir schwertust und Angst hast es falsch zu machen. Wenn du es dann doch mal nicht richtige hinkriegst, entschuldige dich und versuch es beim nächsten Mal richtig zu machen.

Noch ein wichtiger Hinweis: Das Geschlecht, dem sich eine Person zugehörig fühlt, sagt nichts über deren sexuelle Orientierung aus. Das eine ist die Identität und das andere die sexuelle Orientierung. Mach hier also keine voreiligen Schlüsse.

 

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