"Sebastian Kurz ist einfach ein wahnsinniger Ehrgeizler"

Wie ticken Österreichs Jungpolitikerinnen? Wir trafen die Wiener VP-Politikerin Elisabeth Olischar zum Interview und sprachen mit ihr über Frauenquoten in der Politik, fehlenden weiblichen Nachwuchs in der ÖVP und ihr Vorbild Sebastian Kurz.

In unserer Reihe "Jungpolitikerinnen im Gespräch" treffen wir auf Österreichs einflussreichste Politikerinnen unter 30. Heute: Elisabeth Olischar, designierte VP-Klubchefin im Wiener Gemeinderat.

Was Gleichberechtigung betrifft, gibt es bei der ÖVP noch einiges zu tun. Das haben auch die Ereignisse der letzten Tage deutlich gezeigt. Da werden Frauen gerne mal hinten angeschoben, wenn es darum geht, niederösterreichische Landesinteressen zu vertreten.

Was bleibt ist eine einzige Frau in der VP-RegierungsMANNschaft (die ausgerechnet für das Thema Familien zuständig ist) und die Frage: Was bleibt eigentlich von "stark, schwarz, weiblich"?

Anlässlich unserer Jungpolitikerinnen-Interviews begaben wir uns auf die Suche nach erfolgreichen Politikerinnen unter 30 - quer durch die bunte Parteilandschaft.

Elisabeth Olischar zählt zu den vielversprechendsten Jungpolitikerinnen der Wiener ÖVP. Mit 27 Jahren blickt die Döblingerin auf knapp zehn Jahre Politerfahrung zurück. Anfangs noch in der Jungen ÖVP Döbling aktiv, ist die studierte Landschaftsarchitektin heute Gemeinderätin im Wiener Gemeinderat und übernimmt demnächst den Klubchef Posten von Manfred Juraczka.

Die WIENERIN.at traf sie zum Interview.

Sie sind ja schon sehr früh in die Politik eingestiegen. Wie kam es dazu?

Olischar: Angefangen habe ich im 19. Bezirk und bin damals über einen guten Bekannten der Familie dazugekommen, der mich schon lange kannte und deswegen das Gefühl hatte, dass mich das interessieren könnte. Damals war die Junge ÖVP - sagen wir mal so - in meinem Bezirk eigentlich nicht vorhanden und es hat mir irrsinnig Spaß gemacht dort etwas Neues aufzubauen und mich einzubringen. 2008 waren dann die ersten Wahlen, bei denen ich als Kandidatin angetreten bin. Da habe ich aus dem Stand ein sehr schönes Vorzugsstimmen-Ergebnis erreichen können, das natürlich viele wachgerüttelt hat.


Gibt es jemanden, der damals oder jetzt Ihr Vorbild war?

O.: Hmm, schwierig (kurze Pause). Vorbild? Naja es ist natürlich -vom politischen Verständnis her- sicher Sebastian Kurz. Ich sehe mich nicht in der Position, dass ich jetzt Außenminister werden will. Aber ich finde es beeindruckend, was er tut und wie er es macht. Es ist sicher etwas, was sich jeder zum Vorbild nehmen kann. Die Art und Weise, wie er Politik versteht und wie er die Leute mit einbezieht und versachlicht – ich hoffe, dass mich das auch auf meinem weiteren Weg begleitet.


Der Aufstieg eines Sebastian Kurz war ja fast kometenhaft. Glauben Sie, dass seine jetzige Position auch etwas damit zu tun hat, dass er ein Mann ist und dadurch einfacher in Machtpositionen gehoben wurde?

O.: Nein, das glaube ich nicht. Wir sind ungefähr gleichzeitig eingestiegen und er ist einfach ein wahnsinniger Ehrgeizler und schon immer ein politisches Talent gewesen. Er ist engagiert und fleißig und wenn er sich etwas vornimmt, dann gibt er Gas. Diese Art und Weise hat ihn natürlich auch weit gebracht und er hat sich auch ein Thema besetzt, das bis dato noch nicht so wirklich in dieser Sachlichkeit vorgekommen ist.

Gibt es vielleicht auch eine weibliche Politikerin, die Sie als Vorbild sehen?

O.: Es gibt so viele Frauen in der ÖVP, die ich bewundere. Beispielsweise Ingrid Korosec, die Seniorensprecherin, die es auch mit viel Disziplin und Engagement durch Vorzugsstimmen in den Gemeinderat geschafft hat. Und dann natürlich auch Veronika Mickel, Bezirksvorsteherin der Josefstadt. Mit den urbanen Themen, die sie behandelt, geht sie auch stark in meine Richtung: die Nachhaltigkeit.

Wir haben mit allen Jungpolitikerinnen auch über Ihre Zukunftswünsche gesprochen. Ein Job als Bundeskanzlerin – Wäre das etwas für Sie?

O.: Nein, nein! Ich fühle mich in meiner jetzigen Rolle sehr wohl Es ist ja gar nicht so lange her, dass ich in die neue Rolle als Gemeinderätin geschlüpft bin und möchte mich hier verwirklichen und Politik gestalten. Ich möchte jetzt noch gar nicht nach Nächstem streben. Ich bin jetzt glücklich damit, wie es ist. Für mich ist die Politik nicht die einzige Richtung, in die ich gehen will. Ich lasse mich vom Leben überraschen. Fast ein bisschen romantisch (lacht).

Also gibt es nichts in näherer Zukunft, das sich ergeben könnte?

O.: Die nächste Aufgabe wartet ja schon auf mich als designierte Klubobfrau im Wiener Gemeinderat. Ich wurde bereits als Klubobmann-Stellvertreterin von Manfred Juraczka gewählt, den ich in der Halbzeit der Legislaturperiode als Klubobfrau ablösen werde.

Schön, dass einmal eine Frau als Chefin nachkommt. Wenn man nach Oberösterreich blickt, ist das ja eher nicht der Fall ...

O.: Ja, das ist wirklich ein absolut falsches Zeichen. Aber wir haben als ÖVP Wien einen sehr guten Frauenanteil im Wiener Gemeinderat, mit 4 von 7 Abgeordneten. Also mehr als 50 Prozent. Noch dazu zwei starke Frauen, die über die Vorzugsstimmen hineingekommen sind. Also das darf man nicht unterschätzen.

Wie beurteilen Sie die Situation in oberösterreichischen Landesregierung hinsichtlich des Frauenanteils?

O.: Für mich ist es ein vollkommen falsches Zeichen und definitiv nicht zeitgemäß! Es gibt genug tolle Frauen in der ÖVP.

Also sehen Sie das Problem nicht im fehlenden weiblichen Nachwuchs in der Partei?

O.: Sicher nicht. Vielleicht drängen sie aber nicht automatisch in die erste Reihe. Ich glaube, man kann auch in der zweiten Reihe sehr gute Dinge verwirklichen und das ist für manche wohl auch ganz reizvoll. Hier braucht es Motivation.

Würden vielleicht Frauenquoten helfen?

O.: Also ich persönlich möchte keine Quotenfrau sein, wir haben mit unserer Parteireform selbst ein Reißverschlusssystem in der ÖVP Wien verankert – damit mehr Frauen in politische Funktionen kommen.

Und in der Wirtschaft? Die Prozentzahl der Frauen in Führungspositionen ist dort ja immer noch eklatant niedrig. Etwas, dass sich in den letzten 20 Jahren auch nicht geändert hat.

O.: Also ich muss ehrlich sagen, dass ich dem nicht wahnsinnig viel abgewinnen kann. Ich möchte keinen Job bekommen, nur weil ich eine Frau bin. Aber auch das Gegenteil darf nicht der Fall sein. Jedem Unternehmen müsste es selbst wichtig sein, gute Frauen in Führungspositionen zu haben. Die Quote ist für mich eigentlich kein Thema. Also da gibt es sicher auch andere Möglichkeiten: Aus Eigenverantwortung und Selbstverpflichtung.

Und was wären das für Möglichkeiten?

O.: Gerade in der Wirtschaft bin ich kein Experte. Das muss man sich genau anschauen und sich auch mit kreativen Ansätzen beschäftigen. Aber über eine aufgezwungene Quote würde ich das nicht machen. Ich glaube nicht, dass Zwang der beste Weg ist.

Nicht gut aus Sicht der Frauen oder aus Sicht der Wirtschaft?

O.: Ich kann es nur aus meiner Perspektive sagen, dass ich nicht wahnsinnig glücklich mit einer Einstellung wäre, die nach dem Schema abläuft „Naja wir nehmen dich halt, weil du eine Frau bist“. Ich möchte aufgrund meiner Leistungen und aufgrund meiner Erfahrungen qualifiziert sein.

Aber reicht es, immer nur darauf zu hoffen, dass sich diese Einstellung ändern wird? Es gibt auch heute schon sehr viele gut qualifizierte Frauen, die bei der Beförderung übergangen werden…

O.: Ich glaube, dass es eine Frage der Zeit ist, da die Frauen ja schon im Vormarsch sind. Auch auf den Unis hat die Anzahl der Frauen die der Männer bereits überholt. Ich denke, dass sich das sukzessive auch wenden wird. Wo früher mehr Männer studiert haben, sind diese jetzt in Führungspositionen. Es gibt starke Frauen, die sich auf jeden Fall durchsetzen werden und dazu beitragen können, dass sich Auswahlkriterien verändern. Es braucht vielleicht noch Zeit, aber wir sind schon auf einem guten Weg.

Wenn Sie in die nächsten Jahre blicken: Wo sehen Sie den Fokus in der Frauenpolitik? Welche Themen sollte man angehen?

O.: Sicher flexible und individuelle Kinderbetreuung. Einfach um hier Möglichkeiten zu schaffen, sich flexibel zu bewegen. Lösung A ist nicht für jeden die richtige und wenn wir wollen, dass sich Frauen und Familien verwirklichen können, dann müssen auch gerade die Kinderbetreuungsplätze flexibel und individuell sein. Ich versuche dieses Thema natürlich auch auf meine Schwerpunkte thematisch herunterzubrechen. Das gilt beispielsweise im Bereich Stadtentwicklung puncto kürzere Wege für Familien und Ausbau der Infrastruktur. Familien- oder frauentechnisch gibt es sicher noch einiges zu tun.

 

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