"Schwarze erleben Rassismus in Österreich"

Im Interview erzählt jener Austauschstudent, der Österreich nach 4 Wochen verlassen hat, wie unser Land von außen wahrgenommen wird.

Über Albert Amankonas traurige Geschichte haben wir diese Woche schon berichtet: Entgegen der Warnungen von Freunden und Bekannten wollte er unbedingt ein Auslandssemester an der Universität Salzburg machen. In Salzburg wurde er so oft mit Rassismus konfrontiert, dass er sich hier nicht wohl fühlte und nach 4 Wochen wieder die Heimreise angetreten hat. Die Geschichte können Sie auch in seinem Blogpost nachlesen. Wir haben uns mit ihm darüber unterhalten, welche Erwartungen er an Österreich hatte, und was passieren müsste, damit er noch einmal nach Österreich kommt.



Kannst du uns ein wenig von deinem Hintergrund erzählen? Was genau studierst du an der Universität London?


Ich studiere Englische Literatur und Theater an der Universität. Aufgewachsen bin ich in Chiswick, einem Stadtteil von Westlondon. Meine Mutter und ihre Familie kommen aus Nordengland, ihre ganze Familie ist Englisch. Mein Vater kommt aus Westlondon und seine Eltern (meine Großeltern) kommen aus Ghana in Westafrika.


Welche Erwartungen hattest du an dein Auslandssemester?


Ich habe erwartet, dass Salzburg ganz anders als London sein würde. Ich habe erwartet, eine neue Kultur und eine andere Lebensweise kennenzulernen. Ich wollte meine Deutschkenntnisse verbessern, neue Freundschaften schließen und durch Österreich und Zentraleuropa reisen. Ich wollte all das tun, was Menschen, die nach Salzburg und Österreich kommen halt so tun. Ich habe schon erwartet auch mit Rassismus konfrontiert zu werden, aber nicht in diesem Ausmaß.


Warst dir im Vorhinein bewusst, wie sehr Österreich von der Flüchtlingskrise betroffen ist?


Ich hatte mich vorhinein schon stark damit beschäftigt, aber ich habe das Ausmaß nicht erfasst. Ich war schockiert, als ich selbst das erste Mal zum Hauptbahnhof ging. Ich hatte keine Ahnung, wie stark es Österreich – und vor allem Salzburg – trifft.


Wie zufrieden bist du mit der Rolle Großbritanniens in der Flüchtlingskrise?


Ich würde nicht sagen, dass ich glücklich damit bin, wie sich Großbritannien in der Flüchtlingskrise verhält, aber gleichzeitig würde ich nach meinen Erfahrungen in Österreich nicht sagen, dass wir morgen alle Türen aufmachen sollen. Studien und Vorkehrungen sollten getroffen werden, damit – wenn Großbritannien eine größere Rolle in der Krise spielt – die negativen Auswirkungen, die wir in Österreich und Deutschland sehen, minimiert werden können. Ich glaube, man sollte diesbezüglich auch noch einmal erwähnen, dass wir kurz vor einer Volksabstimmung bezüglich unserer EU-Zugehörigkeit stehen. Für viele Briten geht die Entscheidung, ob man Flüchtlingen helfen sollte oder nicht Hand in Hand damit, ob man Pro- oder Anti-EU ist. Ich habe Sorge, dass wenn wir mehr Flüchtlinge aufnehmen, mehr Leute dafür wählen werden, die EU zu verlassen. Und ich will nicht, dass das passiert. Also nein, eigentlich bin ich nicht glücklich mit der Rolle Großbritanniens, aber gleichzeitig habe ich Sorge was passiert, wenn wir eine größere Rolle spielen.


Neben den rassistischen Vorfällen erwähnst du in deinem Blogbeitrag auch das Kaffeehaus „Afro Coffee“, in dem sehr respektlos mit afrikanischer Kultur umgegangen wird. Hast du mehr solche Erfahrungen gemacht?


Die kulturelle Aneignung von afrikanischer Kultur und der Kultur anderen Minderheiten durchzieht die ganze westliche Pop-Kultur, und passiert umgekehrt, zum Beispiel in Japan, genauso mit westlicher Kultur. Ich würde das nicht auf Österreich reduzieren, das betrifft Großbritannien und die USA genauso. Es gibt so viele Beispiele von kultureller Aneignung, ich könnte unmöglich eines auswählen. Leute müssen grundsätzlich einfach aufhören, anderer Menschen Kultur auf unauthentische und schlecht-durchdachte Weise nachzumachen.


Außerdem sprichst du davon, dass Österreich wohl eines der konservativsten und am meisten nach innen gekehrten Länder Europas ist. Ist das tatsächlich wie Österreich von außen wahrgenommen wird?


Definitiv, und wenn sie es vorher nicht schon so wahrgenommen haben, dann spätestens jetzt. Jeder weiß, dass Hitler in Österreich geboren ist, das ist natürlich kein Abbild Österreichs, aber es ist trotzdem eine Assoziation. Wer sich für Popkultur interessiert hat auch von Kim Kardashians Erfahrung mit Rassismus in Österreich gehört, weil ihr Mann (Kanye West) und ihr Kind Schwarz sind. Das wurde medial hier sehr stark behandelt: online, in Magazinen und im TV. Ich würde sagen, unter Schwarzen und anderen ethnischen Gruppen in Großbritannien ist es ganz klar, dass wir in manchen Teilen Europas Rassismus ausgesetzt sind, und leider gehört Österreich dazu. Natürlich muss man auch sagen, dass Viele (inklusive mir), Österreich auch für seine außergewöhnliche Natur, Architektur und Musik wahrnehmen.


Was müsste passieren, damit du nach Österreich zurückkommst?


Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Nachdem man so schlechte Erfahrungen gemacht hat, will man nicht wirklich zurückkommen, egal was sich ändert. Ich würde gerne mit den Menschen reden, die Kommentare unter meinem Blogpost hinterlassen haben. Speziell mit denjenigen, die ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht haben, und mit denen, die meine Erzählungen nicht ernst genommen und runtergespielt haben. Wenn ich noch einmal nach Österreich kommen würde, dann wohl nach Wien. Dauernd höre ich: „Wien ist anders.“ (Anmerkung der Redaktion: Tourismusslogan hat funktioniert?)


Hast du vor dein Auslandssemester woanders fortzusetzen, nachdem deine Zeit in Salzburg so abrupt geendet hat?


Ich wollte eigentlich nach Dublin, das war dieses Jahr aber nicht mehr möglich. Jetzt versuche ich einen Platz für nächstes Jahr zu bekommen, vielleicht Dublin, Barcelona, Amsterdam, Berlin… sowas in die Richtung.

 

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