"Schwanger oder dick" - RTL sprengt die Grenzen der Geschmacklosigkeit

"Darf er das?" heißt die neue Sendung des deutschen Comedian Chris Tall. Das Internet befindet ziemlich einstimmig: "Nein, darf er nicht."

Man kennt das Narrativ. Ein weißer, männlicher Comedian mit fragwürdiger Frisur und leichtem Übergewicht beweist, wie egal ihm sämtliche Konventionen sind - und beleidigt darob Frauen und Minderheiten, weil das ja so furchtbar lustig ist. In der Sprache der Senderverantwortlichen heißt das dann: Dieser Mann "nimmt kein Blatt vor den Mund!", er "bricht Tabus" und "spricht Dinge aus, die sich sonst keiner traut!", er klärt quasi todesmutig "wie weit man heutzutage gehen kann!"

Das hat bis jetzt sehr oft sehr gut funktioniert. Mit "Darf er das?" des deutschen Comedian Chris Tall dürfte sich RTL aber verschätzt haben. Allein der Trailer zur Show sorgte in sozialen Medien für Empörung. Verständlich, besteht das Konzept zu Talls Sendung nämlich nicht mal aus halblustigen Witzen, sondern ist schlicht Mobbing. Dass der Moderator selbst nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entspricht, ändert daran nichts. Nein, auch dann nicht, wenn er selbst "über sein Gewicht lachen kann".

Tall stellt Menschen in seiner Sendung auf ein tatsächliches Podest und lässt sie von Studiogästen beurteilen. Die großen Fragen der Menschheit werden da geklärt: "Schwanger oder dick?", "Homo oder Hetero?". Twitter fragt salopp zurück "Vollidiot oder Arschloch?"

Alles für die Quote?

Das Sendeformat hat RTL nicht erfunden, es kommt aus dem niederländischen Fernsehen. Dort hieß es "Nimm deine Badesachen mit", Männer teilten Frauen darin in die Kategorien "dick" oder "schwanger" ein. "Einfach nur zum Fremdschämen", urteilte RTL damals. Übersetzt bedeutet das für den deutschen Sender wohl: "Yeah! Shitstorms sind PR! Alles für die Quote! Her damit!". In den Niederlanden wurde die Sendung übrigens nach nur einer Folge abgesetzt.

Dazu bleibt eigentlich nicht viel zu sagen, darum schließen wir mit einem Sickerwitz: "Sind Sie dumm oder ignorant?", möchte man all die Beteiligten fragen. Und wären sie ÖstereicherInnen, würden sie darauf wohl antworten: "Waaß i ned, is ma oba a wurscht."

 

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